Donnerstag, 20. Oktober 2016

Der Helferin der Christen (2)

Zeugen sind die Echinaden,
Ion'sche Inseln, deiner Macht:
Heute noch in aller Munde
Lebt die Tat, die du vollbracht.

Kampfgerüstet gegenüber
Halten Schiffe, lang gereih't,
Und der Krieger Herzen glühen,
Lechzend nach dem wilden Streit.

Nun zum Angriff zieh'n die Reihen:
Hier Mariä Banner winkt
Himmelwärts, und dort der Halbmond
Drohend her und trotzig blinkt.

Gellend der Trompeten Schmettern
Zum Beginn des Kampfes tönt,
Schrecklich bis zum Sternenhimmel
fort und fort der Donner dröhnt

Der Geschütze. Meer und Ufer
Hallt und strahlt im Feuerschein.
Furchtlos hier und dort die Führer
Ihre Kampfbefehle schrei'n.

Da zerschmettert Rumpf und Ruder,
Klafft geborsten manches Schiff
Und versinkt im mächt'gen Strudel,
In des Meeres Gründen tief.

Leichen schleudert schrecklich rauschend
Weit umher des Meeres Flut,
Und der weiße Schaum der Wogen
Rötet sich von Menschenblut.

Doch des Sieges Wage schwanket:
Hier hemmt gleiche Kraft den Streit;
Dort bei gleichem Los und Ausgang
Tobet Kampf und Schlacht erneut.

Wieder schwankt das Glück der Waffen -
Seltsam! - Plötzlich wilderregt
Scheint und wirr der Türken Flotte:
Schrecken ihre Reihen fegt.

Und trotz ihrer Streiter Stärke,
Trotz der Krieger Uebermacht
Scheuet sie, von Furcht ergriffen,
Auszuharren in der Schlacht.

Wunderbar! Sie wankt und weichet
Jetzt und ziehet sich zurück
Und vertrauet Christi Streitern
An ihr Los und ihr Geschickt.

Hei! Juchhei! wie jauchzt der Sieger!
An die Ufer prallt und schallt
Ueberall Mariä Namen,
Den das Echo widerhallt.

Und die Völker schei'n zusammen
Bei des Sieges Wundermär',
Den die Lenkerin der Schlachten
Nun verlieh'n, die Jungfrau hehr,

Voller Huld; voran die Römer,
Denen Pius' weiser Mund
Kündete des Himmels Fügung
Just, als schlug des Sieges Stund'.

*

Jetzt erst ward Europa Frieden
Nach der Drangsal schwer verlieh'n,
Jetzt erst konnt' der Väter Glauben
Auf zu neuem Glanze blüh'n.

*

Doch was steht ihr, Spätgebor'ne,
Zaudernd da, ein feig Geschlecht? -
Würdig diesen Sieg zu feiern,
Jetzt zum Werk die Kräfte regt:

Wo die Schlacht sich zugetragen,
Soll am Strand ein Denkmal sein,
Himmelwärts ein Tempel ragen
Ganz aus heim'schen Marmorstein:

Dort im Tempel thron' die Jungfrau
Wie 'ne Königin im Glanz
Und gebiet' den Meereswellen
Um das Haupt den - Rosenkranz! -


Übersetzt von Bernhard BarthDes Papstes Leo XIII Sämtliche Gedichte nebst Inschriften und Denkmünzen. Köln: J.P. Bachem 1904, S. 92ff.

PS: Das Denkmal, zu dessen Bau Leo XIII. anregte, steht bist heute nicht.

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