Mittwoch, 19. Oktober 2016

Der Helferin der Christen (1)


Trefflicher Weise ward uns anlässlich des Rosenkranzfestes auf Löwenschwingen ein Gedicht des vorerst letzten Löwen auf dem Stuhle Petri* gebracht - eine Elegie Leos XIII. in zwei Teilen, ersterer gedenkt des Sieges über die Albigenser durch Dominikus, dem Guzmán, zweiterer des Sieges der christlichen Flotte über die Türken bei Lepanto. 
Zwar habe ich mich auch schon an Klopstockdistichen versucht, in denen ich das klassische Versmaß goldener Latinität Papa Peccis verdeutschen wollte ... ließ es dann aber in Anbetracht fehlender eigener Dichtkunst und der Länge des Werkes bleiben. Und, mal ehrlich und ganz unter uns: ist uns nicht echt teutsche Dichtung, die Reimpaare und vierhebige Quatrainen lieber als altklassische Metrik, wärmen sie das Herz nicht mehr als Hexameter und Pentameter, alkäische und sapphische Strophen? Gottlob gibt es eine derart'ge Übertragung schon und ich nenne sie mein eigen (und den Poetenpapst wird's sicher nicht stören, schließlich dichtete er im Italienischen auch stets in modernen Reimen). 

So also nun etwas verspätet - Rosenkranzmonat ist aber noch - in zwei Teilen das Elegeion von 1896: 

Der Helferin der Christen

Nun, o mächt'ge Jungfrau, leihe
Meiner Leier voll'ren Klang,
Daß zu deinem Preise klinge
Deiner hehren Siege Sang.

Denn du hast in alten Zeiten
Uns'ren Vätern Sieg verlieh'n:
Ließest lächelnd dann des Friedens
Engel durch die Lande zieh'n. - 

*

Frankreich, du hast es erfahren,
Als der finstern Hölle Macht
Dir mit Teufels List und Bosheit
Unheil und Verrat entfacht.

Da warst du des Tugendglanzes
Und des Glaubens Zierde bar.
Ach, wie deine alte Würde
Und dein Stolz gesunken war!

Strotzend vor dem Schmutz der Laster
Und Verirrung warst du voll,
Der, verpestend Land und Leute,
Wie 'ne Quelle floß und quoll.

Da erscheint die heil'ge Jungfrau.
Fern' aus dem hispan'schen Land
Ruft sie ihren frommen Diener,
Durch sein Wirken wohlbekannt.

Reichet dar ihm Rosenkränze
Voller Gnad' und Huld und spricht:
"Diese Waffen werden bringen
Frankreich Rettung, Heil und Licht!"

Und mit dieser Waffenrüstung
Zieht Gusmanus aus, der Held.
Betend schlägt er seine Schlachten,
Betend siegt er auf dem Feld.

Und die Feinde sind erlegen. - 
Schöner strahlt im Glanz aufs neu',
Reiner in der Gallier Lande
Wieder alte Glaubenstreu'. 

Übersetzt von Bernhard Barth: Des Papstes Leo XIII Sämtliche Gedichte nebst Inschriften und Denkmünzen. Köln: J.P. Bachem 1904, S. 92ff. Das lateinische Original findet sich z.B. in Joseph Bach: Leonis XIII P.M. Carmina. Inscriptiones. Numismata. Gleicher Verlag, 1903

* So richtig thronen auf den Stuhle Petri, in Berninibronze interniert, kann seit eben jenem Bernini freilich niemand mehr - ob's wohl was nützen würde, wenn ... ? 

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