Mittwoch, 27. Juli 2016

Islam die Zweite

Bei der Lektüre einer Diskussion im Gesichtsbuch, die sich um die Frage des quid faciendum drehte, was also nun zu tun sei, nachdem Anhänger des falschen Propheten der Kirche Galliens ihren priesterlichen Erstlingsmartyrer des 21. Jahrhunderts bescherte, einen rubinroten Edelstein, der fortan die Krone auch der Kirche totius orbis ziert und fürbittend eintritt vor dem Throne Gottes und des Lammes ... ja, da musste ich an zweierlei denken, nämlich an die Frage, die der Scholastiker in gewohnter Kompetenz beantwortete, ob Christen und Mohammedaner den gleichen Gott anbeten ... und an die viel beachtete und wenig verstandene Regensburger Rede unseres vormaligen Papstes seligen Andenkens Benedikt XVI.

Viel zitiert daraus wird vor allem, ausgerechnet, ein Zitat. Es ist der Leserschaft sicherlich hinlänglich bekannt:
»Er [Kaiser Manuel II. Palaeologos - Anm.] sagt: 'Zeig mir doch, was Mohammed Neues gebracht hat, und da wirst du nur Schlechtes und Inhumanes finden wie dies, daß er vorgeschrieben hat, den Glauben, den er predigte, durch das Schwert zu verbreiten'.«
Der Witz am mediengemachten Skandal damals war aber, man mag es bejubeln oder bedauern, dass es dem Hl. Vater eigentlich gar nicht um eine (horribile auditu!) Islamkritik ging, sondern um das Zusammenspiel von Vernunft und Glauben. Erfrischend war es freilich, dass Benedikt ausgerechnet dieses Exemplum heranzog und damit den bislang tiefsten Punkt eines zwanghaften interreligiösen Irenismus markierte, der obersten Kirchenraison postkonziliarer Zeitrechnung.

Weiter im Text geht es nämlich so:
»Der Kaiser begründet, nachdem er so zugeschlagen hat, dann eingehend, warum Glaubensverbreitung durch Gewalt widersinnig ist. Sie steht im Widerspruch zum Wesen Gottes und zum Wesen der Seele. 'Gott hat kein Gefallen am Blut', sagt er, 'und nicht vernunftgemäß, nicht 'σὺν λόγω' zu handeln, ist dem Wesen Gottes zuwider. [...]
Der entscheidende Satz in dieser Argumentation gegen Bekehrung durch Gewalt lautet: Nicht vernunftgemäß handeln ist dem Wesen Gottes zuwider. Der Herausgeber, Theodore Khoury, kommentiert dazu: Für den Kaiser als einen in griechischer Philosophie aufgewachsenen Byzantiner ist dieser Satz evident. Für die moslemische Lehre hingegen ist Gott absolut transzendent. Sein Wille ist an keine unserer Kategorien gebunden und sei es die der Vernünftigkeit. Khoury zitiert dazu eine Arbeit des bekannten französischen Islamologen R. Arnaldez, der darauf hinweist, daß Ibn Hazm so weit gehe zu erklären, daß Gott auch nicht durch sein eigenes Wort gehalten sei und daß nichts ihn dazu verpflichte, uns die Wahrheit zu offenbaren. Wenn er es wollte, müsse der Mensch auch Götzendienst treiben.
An dieser Stelle tut sich ein Scheideweg im Verständnis Gottes und so in der konkreten Verwirklichung von Religion auf (...)«
Nun ist die Geschichte des Islams, die der Basileus so trefflich paraphrasiert, jedem halbwegs Wissbegierigen nicht fremd. Offiziellerseits weiß man sich von zeitgenössischen Gewalttaten nun dahingehend zu distanzieren (ein schönes modernes Wort, das einmal ausgesprochen geradezu performativ Distanz schafft), indem darauf hingewiesen wird, dass doch nur das Kalifat bewaffnete Exkursionen rechtmäßig durchführen könne, und das gäbe es bekanntlich nicht mehr. Viel Stoff zur Diskussion, denn immerhin gibt es aktuell einen oder gar mehrere Kalifen ... und wie der gemeine Muslim nach der Austilgung des Kalifats vorzugehen hat, hat anno dazumal sicher auch niemand antizipiert.

Entscheidend ist hier aber etwas ganz anderes. Wir wundern uns stets, wenn uns von der bescheidensten Kanzel bis zum höchsten Lehrstuhl, vom Dorfschultheiß bis zum Kanzleramt immer der gleiche Sermon gepredigt wird: Der Islam ist die Religion des Friedens. Und auch jetzt, traut man den Stellungnahmen der Diözesen entlang des Rheins, der Isar, der Seine und der Loire, handle es sich um einen Anschlag des Hasses auf den Frieden, die Toleranz, die Liebe ... als sei die letztgenannte Trias Gemeingut von Christenheit und Umma, wenn nicht gar aller Menschen, die guten Willens sind. Gefühlt stellt sich das nur ganz anders da, ganz unabhängig davon, ob der Nachbarstürke nun ein netter Mann ist oder nicht.
Um zu verstehen, dass der Islam aber tatsächlich die Religion des Friedens ist, müssen wir gleich zwei Brillen abnehmen. Die christliche und die der abendländischen Denktradition. Wie im Zitat oben deutlich wird, handelt es sich beim Islam um einen Nominalismus radikalster Spielart. Rohe Gewalt als nicht vernunftgemäß, nicht σὺν λόγω, ist für den Moslem gar keine denkbare Kategorie. Es gibt keine Vernunft, kein ewiges Gesetz, ja, nicht einmal Wahrheit und Freiheit, Natur: die Willkür Allahs ist allbestimmend, höchster Oktroy des Allerhöchsten. Wo keine Natur und Freiheit ist, nur Gotteswille, da ist, ganz klar, nur Raum für Frieden.

Der gewitzte Leser mag mir nun entgegenhalten, mit Ockham und Duns Scotus habe der Westen doch den gleichen Voluntarismus, und in Averroes der Ibn Hazm seinen muslimischen Antipoden gefunden. Nun, gottlob sind die Lehren der ersteren mit größerem oder kleinerem Anathem belegt und versumpfen im Nichts aussterbender Häresien ... und der Kommentator fiel auf der anderen Seite herunter und ist unter den Gesetzeslehrern des Koran alles andere als wohlgelitten.

Noch ein Wort Spekulatius, bevor es den Blogbeitrag sprengt: Der Regensburger Rede und Benedikt/Ratzingers Gedankengängen folgend, da scheint es doch so, als führe die (u.a.) islamische Geisteshaltung zu einem falschen Wissen von Gott. Wie ein gelehrter anglophoner Blogger schreibt, kann das eine ziemlich gravierende Folge haben. Wenn unsere Rede, unser Wissen vom zu uns sprechenden Gott keine Grundlage hat in unseren Verstand, wenn sich seine Offenbarung uns derart fundamentaliter entzieht, woher wissen wir dann, dass es der eine wahre Gott ist, oder der Gott, dem wir unsere latreia darbieten?

Nun mag es sein, dass die Muslime "den alleinigen Gott anbeten, den lebendigen und in sich seienden, barmherzigen und allmächtigen, den Schöpfer Himmels und der Erde" (NA 3), aber dann gewissermaßen nolens volens, weil sie wie wir alle, das Vatikanum definierte es so, durch die natürliche Vernunft zum Schöpfer gelangen. Schließlich ist es schlechterdings unmöglich, dass Mohammed von seinem Würgeengel eine wahre Botschaft von droben empfing.
Doch würde gerade das, der natürliche Glaube, den Bruch mit ihrer Religion bedeuten, denn dann gäbe es Natur und Vernunft, Wahres und Falsches. Und der Islam wäre doch eine Religion getränkt in Blut und Gewalt, nicht ölzweigbekränzet vom Frieden ...

Sonntag, 3. Juli 2016

Die Ursache für den Triumph des Islam - von Dom Guéranger

Einige Beiträge in, um und um die Blogozese herum riefen mir eine Schrift des unvergesslichen und heiligmäßigen französischen Abtes in Erinnerung, die sich, in einigen Absätzen, dem Mohammedanismus widmete. Täglich sind wir schockiert ob neuer und immer neuer Terrormeldungen - und wie viel mehr sollte es uns bestürzen, wenn die Bestürzung der Gewohnheit weicht! - und stellen uns vielleicht die Frage, welches Strafgericht diese Geißelung herbeigerufen hat. Und wie es das Angesicht Europas, des Nahen Ostens (auf immer?) entstellen soll. Die Ursache für die größten Bewegungen der Geschichte, und so beginnt auch Dom Guéranger, in dem er den christlichen von dem profan-naturalistischen Historiker unterscheidet, sind nicht in der Natur, sondern in der Übernatur, der höchsten Ursache zu suchen. Das ist die Lektion einer wahrhaft christlichen Theologie der Geschichte, wie sie wohl als erster Augustinus schrieb. Und es ist nicht bloß ein Kanzlerinnenwort, ein Staatenmoloch gleich dem apokalyptischen Tiere, oder ein gebrochenes Schengen. Doch leset selbst:
»Der Islam ist nicht einfach eine Revolution von Arabern, die sich unter ihren Zelten langweilten, von einem geschickten Anführer aufrührerisch gemacht wurden und die opulentesten Städte des Orients im Streich einnahmen. Es war vielmehr Gott, der dem alten Feind des Menschengeschlechtes eine besondere Gelegenheit bot und die Wahl eines Werkzeuges erlaubte, mit dem er Völker verführen, indem er sie durch das Schwert versklaven kann. Und da war Mohammed, der Mann Satans, und der Koran, sein Evangelium. 
Aber was war das Verbrechen, das die göttliche Gerechtigkeit in dieses Extrem führte, die Völker einer Sklaverei zu überlassen, deren Ende immer noch nicht in Sicht ist? Die Häresie ist es, das fürchterliche Verbrechen, das den Eintritt des Menschensohns in die Welt nutzlos macht. Sie protestiert gegen das Wort Gottes, sie trampelt mit Füßen die unfehlbare Lehre der Kirche. Solch ein Vergehen muss gesühnt werden, sodass die christlichen Völker lernen mögen, dass keine Nation sich wider das offenbarte Wort ungestraft erheben kann, selbst in dieser Welt, die Strafe für ihre Dreistigkeit und Undankbarkeit. Und so fiel Alexandrien, der zweite Stuhl Petri, und Antiochien, wo er zuerst Bischof war, und Jerusalem, Hüterin des glorreichen Grabes. [...]
Der Strom wurde vor Konstantinopel gestoppt und überflutete nicht sofort die umliegenden Gebiete. Dem östliche Reich, das bald das griechische werden wird, wurde die Gelegenheit geboten, daraus eine Lehre zu ziehen. Hätte Byzanz über den Glauben gewacht, dann wäre Omar niemals nach Alexandrien, noch nach Antiochien, noch nach Jerusalem gekommen. Ein Aufschub wurde gewährt, er währte acht Jahrhunderte. Aber als Byzanz das Maß bis oben gefüllt hatte, dann erschien der Halbmond zur neuerlichen Rache. Nicht länger der Sarazene ist es, er ist verbraucht, sondern der Türke. Die Hagia Sophia wird ihre christlichen Bilder übertüncht sehen, übermalt mit Koranversen. Und dies ist der Grund: sie war zum Heiligtum von Schisma und Häresie geworden. In der Zeit, die wir übersprungen haben, versklavte der Sarazene drei heilige Städte, er stieß nach Armenien, dessen Volk den monophysitischen Irrtum angenommen hatten; er fegte über die Küste Afrikas, befleckt vom Arianismus, und mit einem Sprung erreichte er Spanien. Er verliert seine Stärke, denn hier ist keine Häresie: es braucht Zeit. Er erkühnte sich sogar, französische Erde zu betreten. Aber er musste schwere Buße dafür leisten auf den Feldern von Poitou. Der Islam machte einen Fehler: wo die Häresie nicht herrscht, da ist kein Platz für ihn. [...]
Hier wollen wir einhalten, nachdem wir die Gerechtigkeit Gottes bezüglich der Häresie anerkannt haben, und den wahren Grund für den Triumph des Islam. Wir haben die einzige Ursache gesehen, warum Gott den Aufstieg des Islams erlaubte, und warum er nicht eine obskure und ephemere Sekte in der Wüste Arabiens blieb.«
aus einer Serie von dreizehn Artikeln über den Naturalismus in der Geschichte (Du Naturalisme dans l’Histoire) in L'Univers, 7. Teil von 4. Juni 1858)

Freitag, 1. Juli 2016

Neues Gesangbuch »Laudate Patrem« erschienen!

»Der Name soll eine Verbindung sein zum alten Augsburger Gesangbuch 'Laudate', das vom Jahr 1859 hundert Jahre lang in sehr vielen Auflagen in Gebrauch war. 'Laudate Patrem' deshalb, weil Jesus Christus seinen Wunsch an die Menschheit gepredigt hat, sein himmlischer Vater möge gelobt, geehrt und geliebt werden. Möge nach zweitausend Jahren endlich das Reich des himmlischen Vaters anbrechen – wie wir es in jedem 'Vater unser' beten. Den Vater im Himmel zu ehren und lieben sollten wir zu unserer Lebensaufgabe und zum Programm unseres geistlichen Lebens machen.« - aus dem Augsburger Rundbrief August/September 2015
Das mit kirchlicher Druckerlaubnis herausgegebene, etwa 1200 Seiten starke Gesang- und Gebetbuch ist ab sofort für 20 Euro per Email (laudate.patrem@t-online.de) und demnächst auch bei introibo.net bestellbar!

Update: Inzwischen kann das Laudate Patrem hier bezogen werden: http://introibo.net/laudate-patrem.php