Donnerstag, 9. Juni 2016

Von der Liebe des Erlösers zu uns

»Es wird schwierig sein, die Kraft der Liebe zu erfassen, mit der Christus sich selbst uns zur geistigen Nahrung gab, wenn wir nicht in besonderer Weise die eucharistischen Herz-Jesu-Verehrung pflegen, die nach den Worten Unseres Vorgängers seligen Gedenkens Leos XIII. erinnern soll 'an die Tat der höchsten Liebe, in der unser Erlöser, alle Reichtümer seines Herzens hinopfernd, um bis an das Ende der Zeiten bei uns zu bleiben, das anbetungswürdige Sakrament der Eucharistie einsetzte'. Denn 'nicht der geringste Teil seines Herzens ist die Eucharistie, die er uns aus so großer Liebe seines Herzens geschenkt hat'.«
(aus der Enzyklika Haurietis aquas Pius' XII. vom 15.5.1956)

Wenn etwas seinen Glauben an das Altarsakrament wankend machen könne, schrieb einmal der hl. Alfons Maria Liguori in einer Betrachtung, dann wäre das keinesfalls der Umstand, dass aus Brot Fleisch werde oder aber, wie der Herr an mehreren Orten sich in einem so kleinen Raum befinden könne ... schließlich vermag Gott doch alles. Aber wenn man ihn nun fragen würde, wie Gott die Menschen so sehr lieben konnte, dass er sich ihnen zur Speise gab ... dann müsste er doch zugeben, dass dies eine Glaubenslehre ist, die weit über seinen Verstand hinausginge. Die Liebe Jesu kann man nicht begreifen! Es sind die unergründlichen Reichtümer Christi, das Geheimnis, das seit Ewigkeit verborgen war in Gott.

In diesem Gedanken des hl. Kirchenlehrers haben wir schon in nuce das, was die Andacht zum Eucharistischen Herzen Jesu ausmacht. Um sie etwas besser zu ergründen, sofern es menschenmöglich ist, ist es aber sicher angebracht, noch etwas weiter auszuholen. 
Um das Menschengeschlecht zu erlösen, hätte sich Gott nämlich verschiedenster Mittel bedienen können, wie der hl. Thomas schreibt, etwa einen Propheten senden, der uns den Weg zum Heil und zur Vergebung der Sünden lehrt. Er hat aber unglaublich viel mehr getan. Er gab uns Seinen Sohn in Person als unseren Erlöser: "So hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab." 

Doch damit nicht genug. Auch Jesus Christus wollte sich uns vollkommen selbst hingeben, in besonderer Weise im Letzten Abendmahl und auf Kalvaria. So wie Gott sich selbst in der ewigen Zeugung des Sohnes und der gemeinsamen Hauchung des Geistes mitteilte, sich uns in Person in der Fleischwerdung des Wortes gab, so gab sich Jesus selbst in Person in der Eucharistie. Aus genau diesem Grund ist Sein Herz ein Eucharistisches Herz, denn es hat uns die Eucharistie geschenkt, das erhabenste und vollkommenste aller Sakramente, das nicht nur die Gnade enthält, sondern den Urheber der Gnade selbst. Was die Inkarnation für die Menschheit als Ganze brachte, das soll die Eucharistie in uns, in jedem Einzelnen hervorbringen. Hier sehen wir das alte Axiom, Bonum est diffusivum sui, das Gute ist das Verschenken seiner selbst, in seiner höchstmöglichen Verwirklichung, die sich kein Mensch je erdenken konnte.

Das Eucharistische Herz hat uns die Eucharistie als Opfer geschenkt, um der Substanz nach das Kreuzesopfer auf den Altären bis zum Ende der Welt fortzusetzen und dessen Früchte uns zuzuwenden ... im hl. Messopfer, in dem sich der ewige Hohepriester weiterhin selbst für uns darbringt. Es ist die innere Darbietung, die immer lebendig glüht im Herzen Christi, welche die eigentliche Seele des hl. Messopfers ist und dessen eigentlichen Wert ausmacht. Jesus Christus opfert auch unsere Bitten, Wiedergutmachungen und Danksagungen dem himmlischen Vater auf. Vor allem aber ist es immer das gleiche, unendlich reine, makellose, heilige Opferlamm, der Leib des gekreuzigten Heilandes und Sein kostbares Blut, das sakramental auf dem Altären vergossen wird zur Vergebung der Sünden und das Heil der Welt.

Auch hat uns Christus das Priestertum geschenkt, damit die Eucharistie dargebracht werden kann bis an das Ende der Zeiten. Und schließlich schenkt sich uns Jesus als Speise in der hl. Kommunion, damit wir mehr und mehr ihm gleichförmig gemacht werden, belebt, geheiligt, einverleibt. Was der Heiland zu Katharina von Siena sagte, "ich nehme dein Herz von dir und gebe dir meins", ist sinnliches Symbol dessen, was in einer guten Kommunion geschieht - der Herzenstausch. Unser Herz wird befreit von der Enge und Eigenliebe des eigenen Herzens, es stirbt sich selbst und wird weit wie das Herz Jesu, rein, stark und großmütig.  
Der gleichen Heiligen wurde auch die Gnade zuteil, aus der Herzenswunde des Erlösers trinken zu dürfen. Auch das ist für uns ein Bildnis der eifrigen Kommunion, bei der man die Lippen an den Quell aller Gnaden legt, dem Zufluchtsort des verborgenen Lebens, dem Meister der Geheimnisse göttlicher Vereinigung. 
Die Eucharistie ist das tägliche, unaufhörliche Geschenk Seiner selbst. Es ist die unaufhörliche Offenbarung Seiner barmherzigen Liebe, zu jeder Zeit, in jeder Not, und zu jeder einzelnen Seele. Alle Gnaden, alle Stärken, alle geistliche Schönheit, die in ihrer ganzen Pracht nur Got und seine Engel und Heiligen sehen können, das innere Leben der Kirche, all das stammt aus dem Eucharistischen Herzen Jesu, das uns die Messe und die hl. Kommunion geschenkt hat. 
Wer verstand dieses Geheimnis besser als Charles de Foucauld, der starb für die Bekehrung des Islams und der mohammedanischen Länder? Ein Tropfen göttlichen Blutes kann tausende Seelen zurückführen auf den Pfad der Gnade und Gerechtigkeit. Es handelt sich um nichts andere als die Worte des Adoro Te, die der Aquinate dichtete:

Wasch' rein mein unrein Herz mit Deinem teuren Blut.
Ein einz'ger Tropfen schafft die ganze Erde neu,
Wäscht alle Sünder rein, stellt alle schuldenfrei. 

Christus starb für jeden Menschen. Wenn wir auch nur einen Menschen sehen, der sich noch nicht von Christus anrühren ließ, der im Materialismus oder irgendeinem Unglauben lebt, müssten wir zutiefst erschüttert sein, wie es so viele Heilige waren. Und erst recht die vielen dunklen Flecken in unserem eigenen Herzen beweinen. Das Blut Jesu wird vergossen auch und gerade für die Ärmsten aller Sünder, ja auch für jene, die Ihn in Wort und Tat am meisten beleidigen. Vergessen wir nicht, Ihnen die Reichtümer des Herzens Jesu zuzuwenden.

Darum ist die Andacht zum Eucharistischen Herzen, die man vielleicht gerne, sofern man sie noch kennt, in eine Ecke mit anderen vermeintlich süßlich-affektierten Devotionsformen stellt, alles andere als ein auf die Spitze getriebenes Ergebnis dankbarerweise überwundener Frömmigkeit aus der Mitte des letzten Jahrhunderts.
Sie ist vielmehr das Vorbild der vollkommenen Selbsthingabe, eine Hingabe, die in unserem eigenen Leben jeden Tag großherziger werden sollte. Wie für den Priester jede neue Konsekration ein Wachstum an Glaube, Hoffnung und Liebe für Gott und die Seelen bewirken sollte, so muss für uns Gläubige jede Kommunion inbrünstiger sein als die vorhergehende. Jede Kommunion sollte in uns nämlich ein Wachstum an Liebe in unseren Herzen hervorrufen, es soll dem Herzen des Heilandes gleichförmiger werden, sodass Er am nächsten Tag noch eifriger empfangen werden kann. Wie der Stein immer schneller zu der Erde hinabfällt, die ihn mit der Schwerkraft anzieht, so soll sich die Seele immer schneller zu Gott emporschwingen, je näher sie Ihm kommt und je mehr sie von Ihm angezogen wird.

Selig, der das so often gedemütigte, verlassene, geschundene, geöffnete Eucharistische Herz Jesu kennt. Es ist das Herz, das trotz alldem unsre Herzen liebt, und uns in stiller Schule das verborgene Leben lehren will.

Wenn eine Seele wie die Charles de Foucaulds, selbst inmitten eines Heidenlandes, im Stand der Gnade großherzig und eifrig lebt, alles annimmt, was das Eucharistische Herz schenkt, dann wird diese Seele ein Feuerherd, der die Liebe Christi selbst unfehlbar wirksam ausstrahlt. Es ist undenkbar, dass das kostbare Blut aus dem Kelch der heiligen Messe nicht überquillt und selbst die verirrteste Seele erreichen ... und ihre Bekehrung erwirken kann. Und das ist die letzte Frucht dieser Andacht, dieser Andacht zur göttlichen Liebe, die in der Eucharistie ihren erhabendsten Ausdruck findet.

Kommentare:

  1. Antworten
    1. Merci! Das leider etwas unvorteilhaft abgeknippste Bild habe ich übrigens gerade erst gestern Nachmittag aus heiterem Himmel geschenkt bekommen, pünktlich zum Vorabend des Festes vom Eucharistischen Herzen, das im Redemptoristenorden und einigen Diözesen gefeiert wurde/wird.

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  2. Sehr viel Text, aber es hat sich gelohnt bis zum Ende durchzuhalten :)

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