Sonntag, 19. Juni 2016

Die Berge von Gilboë II

Bereits im letzten Jahr habe ich auf eine Perle des gregorianischen Repertoires im Kirchenjahr hingewiesen, und auch dieses Jahr will ich es nicht lassen:

»Montes Gelboë, * nec ros nec pluvia veniant super vos: quia in te abjectus est clypeus fortium, clypeus Saul, quasi non esset unctus oleo. Quomodo ceciderunt fortes in bello? Jonathas in excelsis interfectus est: Saul et Jonathas amabiles, et decori valde in vita sua, in morte quoque non sunt divisi.
Ihr Berge von Gilboë, * es soll weder tauen noch regnen auf euch: denn dort ward weggeworfen der Helden Schild, der Schild Sauls, als wäre er nicht gesalbt mit Öl. Wie sind die Starken gefallen im Kampf? Jonathan ist erschlagen auf den Höhen. Saul und Jonathan, lieblich und schön in ihrem Leben, sind auch im Tode nicht geschieden.«
Das letzte Mal legte die Nähe zum Apostelfürstenfest eine Interpretation nahe, in diesem Jahr dazu die Auslegung Gregors des Großen aus der Moralia in Iob, wie sie im Römischen Brevier in den Metten zum Sonntag gelesen werden: 
»Was haben denn die Berge Gelboes durch Sauls Tod für eine Schuld auf sich geladen, daß auf sie weder Tau noch Regen fallen soll und daß das Fluchwort all ihr Grün zum Vertrocknen verurteilt? Da aber Gelboe in unserer Sprache soviel heißt wie Ablauf, durch Saul aber, der gesalbt war und als solcher starb, der Tod unseres Mittlers vorgebildet wird, so wird hier durch die Berge nicht unpassend auf die stolzen Herzen der Juden hingedeutet, die, in alle Gelüste dieser Welt hinabsinkend, in den Tod Christi, des Gesalbten, sich einmischten. Und weil in ihrer Mitte der gesalbte König den leiblichen Tod erlitten, bleiben sie von allem Tau der Gnade augeschlossen.«
Übersetzung nach Pius Parsch: Das Jahr des Heiles. (III. Band, Nachpfingstteil). Klosterneuburg bei Wien 1953, S. 95.

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