Samstag, 28. Mai 2016

Contra-Revolução! Der etwas andere Konzilsvorschlag (iii) - Der Sozialismus

Angeregt durch einen Gastbeitrag des Opus-Dei-Professors Martin Rhonheimer in der FAZ will ich die fortlaufende Übersetzung des Konzilsvorschlags unterbrechen und einen Teilabschnitt aus dem Kampf wider den Kommunismus, der uns heute freilich in neuen Formen, aber in der gleichen alten Philosophie begegnet, einstellen:


Dom Geraldo de Proença Sigaud
V. Der gegenrevolutionäre Kampf
D. Der Sozialismus 
Die geheime Kraft des Kommunismus liegt in seinem Hass auf Christus. Seine Verführungskraft aber besteht im sozialistischen Utopia. Der Kommunismus verspricht eine Gesellschaft der Brüder, ohne Autorität, ohne Klassen, ohne Armut, ohne Sorge, ohne Drangsale des Lebens, ohne Gott und ohne Hölle. Er verspricht das Paradies in diesem Leben.
Ohne Gott: liberté. Ohne König und Vater: egalité. Ohne Eigentum und soziale Klassen: fraternité
Katholiken glauben leichthin an dieses Utopia, sie denken, es könnte katholisch getauft werden. Sie sagen nämlich, die Urkirche sei sozialistisch gewesen.
Es scheint mir notwendig zu sein, dass das Ökumenische Konzil eine schwere und feierliche Verurteilung dieses Utopias ausspricht. Es stellt nämlich tatsächlich eine weltweite Versuchung da, gleich der Versuchung des Paradieses: »Ihr werdet wie Götter sein.« Oder: »Dies alles will ich Dir geben.« 
1. Das Leben auf Erden soll kein Paradies sein. Kreuz, Geduld und Entsagung sind notwendig, um das Ziel des Lebens auf Erden zu erreichen. Nicht nur Gerechtigkeit, auch Liebe ist notwendig.
2. Das wahre sozialistische Paradies wird niemals auf Erden errichtet werden. Wenn der Mensch das Königreich Gottes und Seine Gerechtigkeit sucht, wird er das Maß an irdischer Seligkeit finden, welches Gott in Seiner liebenden Vorsehung Seinen Söhnen hier auf Erden gewährt. Wenn der Mensch seine Glückseligkeit ausschließlich in dieser Welt sucht, wenn er die Gesetze der menschlichen Natur bricht, bereitet er sich selbst, vom Satan geleitet, die schlimmste Sklaverei. (...) Die revolutionäre Gesellschaft wird erst ein Paradies auf Erden und dann die Hölle auf Erden sein.
3. Es muss klar gelehrt werden, dass soziale und ökonomische Unterschieden zum Wesen des normalen menschlichen Gemeinschaftsleben gehören. Diese Verschiedenheit verstößt nicht gegen die Gerechtigkeit. Sie sollten nicht exzessiv sein, sondern durch die Nächstenliebe abgemildert werden. Zum Wohl der ökonomischen Gemeinschaft müssen verschiedene Klassen existieren.
4. Der Sozialismus lehrt das Volk Hass auf die Seligpreisungen und die christlichen Tugenden: Demut, Nächstenliebe, Armut und Keuschheit. Warum predigen die Bettelorden nicht mehr über das Ideal der Armut? 
aus dem Brief Geraldo de Proença Sigauds SVD, Bischof von Jacarezinho, an Kardinalstaatssekretär Tardini vom 22. August 1959. Zitiert nach AD I/II/VII, S. 193.  Hervorhebungen im Original.

Kommentare:

  1. Vielen Dank für die spannenden Eingaben. ich verfolge ihr Beiträge zum konzil sehr aufmerksam. Ich hätte zwei Fragen:
    - Übersetzen sie die Acta Documenta tatsächlich selber?
    - Mussten die Bischöfe ihre Briefe auf Latein abfassen, oder ging da auch die Landessprache?

    Gesegnte Grüße wünscht thesaurus

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    1. Es freut mich, dass Sie Interesse an diesen Beiträgen haben. Zu Ihren Fragen:
      Ja, ich übersetze die Texte aus den Acta et Documenta bzw. Acta Synodalia selber - leider macht das bislang niemand für mich. ;-) Das bedeutet natürlich auch, dass ich den gelegentlichen Fehler nicht ausschließen kann.

      Die Bischöfe wurden gebeten, die Briefe auf Latein abzufassen, es haben sich aber nicht alle daran gehalten. Der Brief Dom Geraldo Sigauds ist jedoch in lateinischer Sprache verfasst. Zwar ließen die Lateinkenntisse in der Mitte des letzten Jahrhunderts schon spürbar nach, aber unter dem gebildeteren Klerus war es nicht unüblich, fließend Latein sprechen zu können. Und immerhin wurde Latein auch noch Konzilssprache ... ob so etwas wohl jemals wieder möglich sein wird?

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    2. Vielen Dank für ihre Antwort. Großer Respekt für ihre Übersetzungsleistung! Ein zukünftiges Konzil wird wohl nicht mehr auf Latein beraten. Aber wird Latein die Sprache der Kirche bleiben? Werden Enzykliken, Gesetze, Messbücher etc auch in Zukunft noch ihre massgebliche Fassung auf Latein haben? Ich bin mir selbst da nicht so sicher....

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    3. Tarquinius sei Dank, nicht nur für diese Übersetzung!
      Ja, obiger Text ist aktueller denn je. Und gerade unsere Oberhirten sollten sich damit auseinandersetzen, was freilich nicht geschene wird.
      LG

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    4. @thesaurus: Vielen Dank, man tut, was man kann.
      Wird Latein die Sprache der Kirche bleiben? Ich weiß es nicht. Das Problem besteht ja schon darin, dass monatelange Übersetzungsarbeit notwendig ist, um die in irgendeiner Volkssprache verfassten Texte ins Lateinische zu übertragen. Das gefährdet gerade das, was der lateinische Text sicherstellen soll: die orthodoxe Bedeutung der Lehre. Traduttore, traditore. So gesehen ist die Beibehaltung aus praktischen Gründen schon kaum noch sinnvoll.
      Meine Antwort wäre natürlich die Umgekehrte: Der Text muss direkt in Latein geschrieben oder zumindest in direktem Hinblick aufs Lateinische verfasst werden.

      @jos.m. betle: Segne es Gott! In der Tat, es hat sich kaum etwas an der Lage verändert, vielmehr haben sich die Befürchtungen bewahrheitet und die Situation um ein vielfaches Verschlimmert. Wenn irgendetwas den damaligen Widerständlern gegen das Konzil Recht gegeben hat, dann die aktuelle Lage.
      Ansonsten ... kann man wohl nur auf eine übernatürliche Lösung warten, da nach menschlichem Ermessen eine Umkehr kaum denkbar ist.

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