Montag, 21. März 2016

Lasst des Vaters Glanz uns schauen


In drei Hymnen singen die Benediktiner den Preis ihres Ordensvaters am heutigen Tage. Der Patriarch wird darin geehrt nach der Typologie alter hagiographischer Tradition, derer sich auch Gregor in seinen Dialogen bediente. Die Großtaten Benedikts, sie sind aufs engste verknüpft mit den Wunderwerken der berühmtesten Trägern der Offenbarung. Ist Benedikt nicht Moses gleich, der Wasser aus dem Felsen hervorbringt; nicht wie ein zweiter Elisäus, der das Werkzeug aus den Fluten zieht; lässt er nicht seinen Zögling Maurus wie Petrus über die Wasser schreiten; ist ihm nicht ein Rabe zu Diensten wie dem Elias, und weint er nicht über den Tod seines Verfolgers, wie dereinst König David?
Freilich soll uns diese Aneinanderkettung von Wunder- und Tugendtaten nicht nur in bewundernder Ehrfurcht vor dem Mönchsvater dastehen lassen oder gar in glotzender Schaulust. Benedikt ist nicht in erster Linie Thaumaturg. Für Gregor zeigt sich hier vor allem, dass der Umbrer "vom Geist aller Gerechten erfüllt war". Der heilige Benedikt war demnach den erhabenen Gestalten, den Patriarchen, Propheten und Aposteln würdig. Aber erst nachdem das Gros der Wunderwerke vollbracht war, als der Gottesmann zur Vollreife gewachsen war (und lehrt uns das nicht, erst selbst geistlich zu reifen, bevor wir allerlei äußere Werke anstellen wollen?) reist Benedikt von Subiaco nach Monte Cassino, um sein eigentliches Werk, ja, das ihm eigentümlichste und größte und, nach alter Prophetie, bis zum Ende der Zeiten nicht abgeschlossene Wunder zu vollbringen: den Grundstein zu legen für das benediktinische Mönchtum. Trösten soll, so spricht die Tradition, der Orden die Kirche Roms in den letzten Tagen und den Glauben Vieler bekräftigen. Und schaut man nach Fontgombault, nach Barroux ... dann kann man kaum anders, als selbst Glauben an das alte Versprechen zu gewinnen.

Noch ein Wort zu Benedikt und Fastenzeit: Der Mönchsvater ging in den Entbehrungen der Quadragesima in die Herrlichkeit des ewigen Labsals ein. Kann er uns darum nicht in besonderer Weise Lehrer und Helfer sein, auf diesen wenigen letzten Schritten bis zum Osterfest, das Fleisch zu bekämpfen und dem Geiste untertan zu machen, wie er es tat, und den Blick von der Erde abzuwenden - wer weiß mehr über die Nichtigkeit und Vergänglichkeit alles Zeitlichen, als der Benediktinerorden - und auf den Himmel zu richten. 

Bitt' also für uns, Du Einsiedler und Lehrmeister, Abt und Vater, Gesetzgeber und Apostel ... Du großer Heilige Europas. Und anstelle der oben angesprochenen Hymnen gibt es hier die Sequenz Laeta Dies aus dem Missale Monasticum (hier gesungen von den Söhnen Benedikts aus Fontgombault):

Wieder kehrt der Tag der Wonne,
Da uns Licht der neuen Sonne
Unsres Führers Glorie bringt.

Gnade quillt dem frommen Sinne,
Und im Herzen künde Minne,
Was der Mund frohlockend sind.

Laßt des Vaters Glanz uns schauen,
Da er zieht in Himmelsauen
Auf das Morgenlichtes Pfad.

Wie die Sonne schuf er leben
Und gleich Abraham gegeben
Ward ihm reichen Samens Gnad.

Schau den Raben dienend eilen,
Ihn in enger Höhle weilen,
Des Elias treues Bild.

Elisäus mag verehren,
Da das Beil siehst wiederkehren
Aus des Stromes Fluten wild.

Unschuld leiht ihm Josephs Zierde,
Und geschmückt mit Jakobs Würde,
Schaut sein Blick in ferne Zeit.

Eingedenk nun seiner Herde,
Führ' er uns vom Leid der Erde
In des Himmels ew'ge Freud. Amen.

Übersetzung nach dem Anhang zum Schott-Messbuch: Die gemeinsamen Eigenmessen des Benediktinerordens.
Bild: Verehrung der Muttergottes durch die hll. Benedikt und Franz, Benediktuskapelle in St. Ulrich und Afra, vormalige Benediktinerabtei, Augsburg.

Kommentare:

  1. Zum Vorletzten Absatz: Regel Kap. 49 - wobei die Reihenfolge der empfohlenen Übungen, sofern man darin eine inhaltliche Hierarchie erkennen mag, ebenso wenig uninteressant ist wie die Aufforderung, Abtötung cum gaudio Sancti Spiritus anzuwenden.

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    1. Danke für den Hinweis! Als Benediktiner darf man vielleicht auch in besonderer Weise die Liturgie zu Rate ziehen: Utamur ergo parcius verbis, cibis et potibus, somno, jocis ...

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