Sonntag, 7. Februar 2016

Licht und Leid

»Dem menschlichen Auge fehlt das Licht, um den Wert des Kreuzes wahrzunehmen; es bedarf eines neuen Lichtes, der Erleuchtung durch den Heiligen Geist. Nicht zufällig folgt im heutigen Evangelium der Leidensankündigung sogleich die Heilung des Blinden von Jericho. Dem Geheimnis des Leidens gegenüber sind wir immer blind. Trifft uns ein Leid im Liebsten, im Innersten, so verirren wir uns leicht und tasten unsicher wie Blinde durch die Finsternis. Die Kirche lädt uns ein, heute das vertrauensvolle Gebet des Blinden mitzusprechen: ›Jesus, Sohn Davids, erbarme dich meiner!‹
Die Welt wundert sich oft über die Leiden der Guten. Statt sie zu ermutigen, zu Gott ihre Zuflucht zu nehmen, sucht sie die Leidenden von Gott abzuziehen, flößt ihnen Mißtrauen und falsche Furcht ein. Sobald wir leiden, weint in uns die angeborene Sehnsucht nach Freude, und mit tausend Vorwänden suchen wir uns der Nachfolge Jesu des Gekreuzigten zu entziehen. Bleiben wir fest im Glauben wie der arme Blinde. Ohne sich um die Menge zu kümmern, die ihn hindern wollte, Jesus nahezukommen, ohne sich durch das Schelten der Jünger aufhalten zu lassen, die ihn zum Schweigen bringen wollten, ›rief er noch lauter‹ seine Bitte.
Aus der Tiefe unseres Herzens schreien wir zum Herrn: ›De profundis - aus Tiefen ruf' ich zu dir, Herr, Herr, erhöre meine Stimm!‹ (Ps. 129.) Bitten wir nicht um Befreiung vom Leiden, vielmehr um die Erleuchtung über seinen Wert: ›Herr, daß ich sehe!‹ Kaum hat der Blinde sein Augenlicht wieder, da folgt er Jesus und preist Gott‹. Das übernatürliche Licht, das wir vom Herrn erflehen, wird uns Kraft geben, ihm mit unserem Kreuz zu folgen.«
Gabriel a S. Maria Magdalena OCD: Intimità Divina. Geheimnis der Gottesfreundschaft. Betrachtungen über das innere Leben für alle Tage des Jahres. (I. Bd.). Freiburg i. Br.: Herder 1960, S. 316f. 
Übersetzt wurde das Werk aus dem Italienischen vom Karmel St. Josef zu Mayerling, der sich aktuell in großer finanzieller Not befindet. Weitere Informationen dazu finden sich hier.

Freitag, 5. Februar 2016

La nouvelle théologie où va-t-elle?

»Es wurde die Beobachtung gemacht, in diesem Schema gäbe es keinen Hauch von neuer Theologie. Aber der Hauch konziliarer Redensart hat der Hauch der Jahrhunderte zu sein, nicht der irgendeiner Schule, die heute ist und morgen vielleicht schon in den Ofen geworfen wird.«
aus der Relatio Kardinal Ottavianis in der XIX. Generalversammlung zur Debatte um das Schema de fontibus revelationis, AD I,3. Die Textvorlage weicht von der vorgetragenen Rede ab (eigene Hervorhebungen):
»Ich habe gehört, einige bedauern, im vorgelegten Schema weder den Hauch, noch die Redensart der neuen Theologie (nouvelle théologie) zu finden, die sich in den letzten 30 Jahren der Gunst gewisser Theologen erfreut. 
Einem ökumenisches Konzil ziemt es aber, den Hauch und die Redeweise zu gebrauchen, welche von der Kirche durch die Jahrhunderte (per saecula) hinweg genutzt wurde, um nicht den Unbeständigkeiten und Wechselhaftigkeiten der Zeiten ausgeliefert zu sein, es muss vielmehr durch die Zeiten (per saecula) bleiben, damit es auch in Zukunft für die Menschen verständlich ist, denn die Wahrheit des Herrn bleibt in Ewigkeit‹.«

Mittwoch, 3. Februar 2016

Ob diejenigen immer brennen müssen ...

Da ich jüngst alleweil von einem balthasarischen Irrtum origenistischen Herkommens behelligt wurde, mit dem auch ein noch unter uns weilender Theologe allerhöchster Bekanntheit liebäugelte ... kann ich es doch nicht lassen, einmal Papst Gregor den Großen davon dialogisieren zu lassen:
Gregorius. Es ist ganz gewiß und unzweifelhaft wahr, daß, wie die Freude der Guten kein Ende hat, so auch die Qual der Bösen endlos sein wird. Denn da die ewige Wahrheit sagt: »Die Gottlosen werden eingehen in die ewige Pein, die Gerechten aber in das ewige Leben«, und wenn das wahr ist, was er den einen verhieß, so wird ohne Zweifel nicht unwahr sein, was er den andern androhte.
Petrus. Wie, wenn nun jemand sagen würde: Er hat den Sündern die ewige Strafe aus dem Grunde angedroht, um ihnen einen Schrecken vor der Sünde einzuflößen?
Gregorius. Wenn die Drohung, mit welcher er von der Ungerechtigkeit abhalten wollte, eine Täuschung ist, so ist auch die Verheißung, durch die er zur Gerechtigkeit anspornte, eine Täuschung. Aber wer wäre so wahnwitzig, dies zu behaupten? Und wenn er etwas androht, was er nicht auszuführen gedenkt, so müssen wir notgedrungen ihn als lügenhaft - es ist ein Verbrechen, das nur zu sagen - ausgeben, wenn wir ihm Barmherzigkeit zuschreiben.
aus dem vierten Buch der Dialoge, zitiert nach der Bibliothek der Kirchenväter

Dienstag, 2. Februar 2016

Damit wir in Deinem Tempel Dein Heil sehen

Omnipotens Deus, Pater et Domine, largire credenti tuo populo pacem: ut in templo tuo videamus Salutare tuum; quem Simeon justus ulnis suis accepit ut, qui Lumen ad revelationem gentium exstitit, indultor criminum ipsemet credentium sentiatur. Amen.
O allmächtiger Gott, Vater und Herr: gewähre Deinem gläubigen Volke Frieden; damit wir in Deinem Tempel Dein Heil sehen mögen, das der gerechte Simeon in seine Arme nahm; sodass Er, der als Licht zur Erleuchtung der Heiden erschien, als Vergeber der Sünden derselben Gläubigen erfahren werde. Amen.
Text: Oration aus dem mozarabischen Brevier.
Bild: aus Maria Vesperbild