Freitag, 29. Januar 2016

Der liebliche Lehrer

Da es jüngst hier und dort um die besondere Züchtigung des Leibes ging, zu der uns der Heiland und seine Apostel aufriefen, die das Lehramt stets so dringend empfohlen hat und bis vor kurzem fester Bestandteil des religiösen Lebens war ... wollte ich doch mal schauen, was der zuweilen zum honigsüßlichsten Lehrer karikierte Franz von Sales dazu sagt. Und, wie wäre es auch anders zu erwarten, rät er den Weltleuten zu großer Mäßigung und Zurückhaltung - was nutzt es auch, wie einst Balaam die Eselin, das Fleisch mit Geißelhieben zu belegen, wenn es da sprechen kann:
»Warum schlägst du mich, Elender: Gegen dich, meine Seele, wendet sich Gottes Zorn. Du bist die Verbrecherin. Warum führst du mich in schlechte Gesellschaft? Warum mißbrauchst du meine Augen, meine Hände, meine Lippen zur Unkeuschheit? Warum verwirrst du mich durch schlecht Vorstellungen? Erwecke gute Gedanken, dann werden meine Handlungen nicht schlecht sein; verkehre mit anständigen Leuten, und ich werde nicht von unreinen Begierden geplagt sein. Du bist es, der mich ins Feuer wirft, und willst nicht, daß ich brenne; du treibst mir den Rauch in die Augen, und willst nicht, daß sie entzündet sind.«
Von diesen Voraussetzungen ausgehend, nämlich, die Abtötung der Sinne, des Verstandes, des Gedächtnisses zu allererst zu pflegen ... was versteht der Heilige nun unter dem rechten Maß? Der damals 33-jährigen Witwe und vierfachen Mutter Johanna Franziska von Chantal riet er:
»Es wird mitunter gut sein, sich fünfzig oder sechzig oder auch, je nach Ihrem körperlichen Befinden, dreißig Schläge mit der Bußgeißel zu geben. Es ist merkwürdig, wie trefflich dieses Rezept bei einer mir bekannten Seele gewirkt hat. Es ist leicht zu begreifen, dass der äußere Schmerz einerseits die Gedanken von der inneren Qual und Drangsal ablenkt und andererseits Gott zum Erbarmen bewegt; abgesehen davon, dass der böse Feind, wenn er sieht, wie wir auf das Fleisch, seinen Parteigänger und Verbündeten, losschlagen, in Furcht gerät und die Flucht ergreift.«
30 bis 60 Schläge. Für Frauen und Mütter mit schwächlicher Konstitution. Auch das ist der Honig des Genfer Fürstbischofes.

Wer sich noch mehr für Abtötungsübungen interessiert, ihren Nutzen, ihre Notwendigkeit gerade für die unsrige Zeit, und die falschen Einwände dagegen ... dem sei ein Kapitel aus dem Buche Der Fortschritt der Seele im geistlichen Leben  Fr. Fabers ans Herz gelegt.

Kommentare:

  1. Auch er (Fr. Faber) ein Konvertit :-)

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    1. More often then not, those are the best - and certainly the most zealous! ;-)

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  2. "Niemals und nirgends nehme man körperliche Kasteiungen auf sich ohne die Zustimmung seines Seelenführers." - Franz von Sales - Philothea

    Könnte man ja mal erwähnen. ;-)

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    1. Na dann mal nichts wie zum Seelenführer!

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    2. Carina, das ist eine wichtiger und guter Einwurf! Ich würde gerne ergänzen, dass derlei auch ganz gewiss nur dann geraten wird, wenn eine Person auf dem geistlichen Weg s e h r weit fortgeschritten ist. Ich für meinen Teil versuche auf einer weniger hohen Ebene zunächst, die Opfer und das Leid, die mein Alltagsleben mit sich bringt (und davon gibt es viel), in mein Glaubensleben sinnvoll zu integrieren. Das heißt: In dem Moment, wenn ich (ohnehin) leide, dieses Leid in einem neuen Licht zu sehen, nämlich im Leiden Christi. Sei es, dass dieses Leid dadurch geringer wird (durch Seine Kraft); sei es, dass ich dem Leiden einen "Sinn" abgewinne, weil ich mich mit Seinem Leiden verbinde. Ein konkretes Beispiel? Ich muss eine lange Strecke mit dem Bus fahren, es war ein langer Tag, mir ist etwas schlecht. Ich stehe, aber immer wieder werden Plätze frei. Ich setze mich aber bewusst nicht auf diese freien Plätze, sondern lasse sie denen, die unmittelbar danach zusteigen (und zwar nicht nur den Bedürftigen, also z.B. älteren Menschen, sondern einfach allen anderen) - ein kleines, alltägliches Opfer. Ich könnte dieses Leid (grundsätzlich in einem vollen öffentlichen Verkehrsmittel fahren, und zwar täglich mehrfach) aber auch abgesehen von meinem Glauben betrachten, es NICHT in meine gläubige Existenz integrieren - es wäre nur schwer zu ertragen, ich wäre grenzenlos genervt. So aber kann ich mein kleines Werk Jesus geben. Die Patronin für eine solche Vorgehensweise ist die hl. Thérèse vom Kinde Jesu, die ähnliche Situationen vielfach beschreibt und ausdeutet.

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    3. Zu Kasteiungen ist sicherlich keiner verpflichtet - wenngleich es sicher eine sehr moderne Sicht ist, diese nur für die weit Fortgeschrittenen zu verorten. Tatsache ist aber, dass wir nicht nur die Beschwernisse des Lebens geduldig ertragen sollten - was vielleicht oft am schwersten ist - sondern, wie der Hl. Johannes XXIII. in seiner Bußenzyklika ausführt, auch freiwillige Bußen auf uns nehmen. Und auch diesen Weg ging sicherlich auch die kleine Therese.

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    4. Abgesehen davon, dass das, was für den Laien freiwillig Kasteiung war, zu Zeiten Thereses noch selbstverständlicher Bestandteil des Karmels war.

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    5. Ja, ich wollte eben auf jenen Aspekt hinaus - wie schwer es ist, die Beschwernisse des Alltags zu ertragen, uns darin aber zu üben und sie in unsere christliche Existenz zu integrieren! Ebenso, alltägliche Laster abzutöten! Und Du hast natürlich Recht, dass die kleine Therese darin auch freiwillige Buße auf sich nahm. Das kam aber sogar in meinem Bus-Beispiel vor: es ging nicht nur darum, so lange geduldig auszuharren, bis ein Platz frei wäre (und kein Bedürftiger in Sicht wäre), sondern diesen auch dann noch anderen zu überlassen und den ganzen Weg, trotz mehrfacher sich bietender Gelegenheiten, zu stehen und die Plätze jeweils einfach so anderen zu überlassen. Das ist freiwillige Buße. Und Du hast ebenso Recht, dass derlei Bußübungen im Karmel sogar noch sehr lang sehr verbreitet waren - Thérèses Weg war aber tatsächlich der Versuch, eher die Leiden des Alltags anzunehmen wahlweise extra zu wählen, aber keine gesonderten einzuführen. Z.B. arbeitete sie frewillig mit einer Schwester zusammen, mit der keiner arbeiten wollte, weil sie immer alles besser wusste und jeden zurechtwies, der mit ihr arbeitete. Thérèse ging zu ihr und ertrug mit Geduld, wie sie ihr vorschrieb, wie sie ihre Nadel zu halten habe...Ich denke, eine solche Form ist auch deswegen gut, weil sie unmittelbar auch dem Nächsten dient: die Schwester wird nicht von allen gemieden - Thérèse kommt trotzdem und so kann sie ein klein wenig Liebe erfahren. Ich verstehe diese kleine Unterhaltung hier unten im Übringen nicht als hart geführte Diskussion, sondern als fruchtbaren Austausch über das geistliche Leben - ich hoffe, das sieht der Blogeigentümer und die Mitleser ebenso ;) Nichts läge mir ferner, als hier zu streiten und ich haderte bereits, ob ich überhaupt noch einmal antworten sollte.

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    6. Keine Bange, ich sehe die Sache auch gern als "admirabile commercium" ;-)

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    7. Gratias tibi ago.

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  3. Ich hatte es auch als freiwillige Bußübung aufgefasst, eben weil Du es ja nicht nur in der Zeit erträgst, in der es nicht anders geht sondern über einen längeren Zeitraum.
    Wenn ich mich richtig erinnere wurde Thérèse vom Tragen eines Bußgürtels krank, weshalb sie anschließend diesen nicht mehr trug, weil Gott diesen Weg und diese Art der Abtötung für sie nicht vorgesehen hatte - und das doch obwohl es im Karmel alltäglich war.
    Ich bin da ja ohnehin raus was das angeht, aber jeder der meint das er das tun muss oder soll, soll es natürlich... Aber ich bin mir nicht sicher ob man da so einfach jemanden zu raten oder das hier so "bewerben" sollte.;-)
    Daher fand ich den Satz, der ja dann zufällig auch so gut gepasst hat und über den ich gestern stolperte auch so passend.

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    1. “Soeur Therese kept the strictest fasts with the perfection she brought to everything. She took the discipline three times a week, scourging herself with all the strength and speed of which she was capable, smiling at the crucifix through the tears which bedewed her eyelashes”

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  4. Ich denke, körperliche Bußübungen sind weder besonders gefährlich oder grenzwertig, sodass man sie nicht bewerben sollte, noch ausschließlich etwas für Fortgeschrittene. Das worauf es letztlich ankommt, ist doch das rechte Maß! Und ich denke hier, wer das für sich alleine gut einschätzen kann, kann das auch ohne Führung von außen tun. Und maßvolles oder maßloses Handeln ist ja nicht unbedingt etwas, was mit dem Fortschritt auf dem geistlichen Weg zu tun.

    Sicherlich muss das niemand zwingend tun, dem das so überhaupt nicht liegt. Aber wenn man das Thema mal ganz grundsätzlich anspricht, wird es ja vielleicht von dem einen oder anderen (wieder)entdeckt.

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  5. Na, ob man bei "60 Schlägen" nicht schon von gefährlich oder grenzwertig sprechen kann sei mal dahin gestellt.;-)
    Aber natürlich - jedem das seine. Ich halte niemanden ab, aber würde auch niemanden dazu ermutigen - ich denke das sollte jeder selbst mit sich und dem Herrgott ausmachen.

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    1. Deshalb sprach ich vom rechten Maß... da muss man sich natürlich ran tasten und nicht gleich wild auf sich einprügeln. Gerade weil wir heute praktisch keinerlei Härten mehr gewohnt sind. Wie schon gesagt, es ist ja keine Pflicht, aber ich halte es irgendwie für zu wertvoll, als dass ich das gerne in so einer "Schmuddelecke" sähe...

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