Samstag, 19. Dezember 2015

Von den Quellen des Konzils


Die Konzilsgeschichte wird uns im großen Ganzen eigentlich nur aus zwei Quellen offenbart: durch Rahners Kompendium und Lubacs Tagebuch. Wenn man aber bloß mal die dicken Bände der Acta Synodalia durchzählt, es sind 32, dann könnte man doch auf die Idee kommen, dass da ein ganz kleines bisschen mehr passiert ist, als eben die Geschichten, die wir mit mehr oder minder großem Genuss seit 50 Jahren wiederkauen. Wie kann es sein, dass für den Normalkatholiken die Geschichte des tollsten Konzils aller Zeiten fast vollkommen unzugänglich ist? Irgendwie eine komische Sache, meine ich, und darum habe ich mich bemüht, zumindest einen Teilaspekt auf hiesiger Seite näher zu beleuchten.
Ganz zufällig stieß ich dieser Tage auf einen englischsprachigen Blog mit dem sympathischen Namen Semiduplex, der sich in zwei hochinteressanten Beiträgen einem der entscheidensten Momente des Zweiten Vatikanischen Konzils widmet, nämlich der Rücknahme des von der theologischen Komission vorbereiteten Schemas über die Offenbarungsquellen, De Fontibus Revelationis*, hier und hier.

Für Lesefaule zusammengefasst: Kardinal Döpfner behauptete unter Zuhilfenahme einer selektiven Zitation des Ordo Concilii, das Konzil könne die vorgelegten Schemata einfach zurückweisen und neue einführen. Tatsächlich steht das in einem klaren Widerspruch zum CIC und der Konzilsordnung, die Kard. Ottaviani aufrechtzuerhalten versuchte. Jedoch konnte sich Döpfner durchsetzen, es kam zur Abstimmung, ob das Schema De Fontibus weiter diskutiert werden solle oder nicht - hier gelang also schon, das vorgesehene Prozedere komplett umzuwerfen, die Revolution begann. Und nun wurde verwirrenderweise die Abstimmungsfrage so formuliert, dass die Väter mit Non placet stimmen mussten, wenn sie für die Fortsetzung der Diskussion waren. Doch selbst das half nichts: die Gegner von De Fontibus konnten nicht die nötige Zweidrittelmehrheit erlangen. Trotzdem konnte sich aber die progressive Konzilsfraktion gegen Recht und Mehrheit durchsetzen: Papst Johannes XXIII. intervenierte und setzte eine ad-hoc-Kommission ein, um das Schema umzuschreiben.

Der Rest ist ... Konzilsgeschichte.

*An der auch Johannes Brinktrine mitwirkte, über den ich bald mal wieder was schreiben müsste ...

Bild: AS I, 3, S. 222.

Kommentare:

  1. Dieses Mal sind es "Qualen", von denen ich hier fälschlicherweise gelesen habe... aber gut, das ist ja auch nicht ganz unpassend...

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  2. Die Frage ist aber echt richtig mies formuliert worden...
    Stellt sich auch die Frage ob eine so rege Nachfrage zu diesem Konzil herrscht - Man möchte doch als "Normalkatholik" eigentlich gar nicht so viel hinterfragen, am Ende stellt man noch selbst irgendwelche Unregelmäßigkeiten fest ;-)

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