Dienstag, 8. Dezember 2015

Statt der Todesschuld / seliges Glück des Heils


Wer vermöchte wohl mächtig an Wortgewalt
preisen hoch genug, was diese Jungfrau gilt; 
denn durch sie gewann Leben und Huld die Welt,
die vom alten Tod fesselgeschlagen war.

Das war Jesses Zweig, Zweig, der die Knospe trieb, 
war ein Garten gut, himmelher angesät;
und ein heiliger Quell, heilungsbegabt von Gott,
strömte ein zur Welt von dieser Jungfrau her.

Als des Erdenvolks Erster und Ahnherr einst
durch des bösen Feinds giftigen Brodem fiel,
sank die Pest herab, faßte das Neugeschlecht,
und mit Todeskeim war alle Welt versucht.

Doch den Schöpfer barmt, solches zu sehn; er schaut
auf den sündenlos heiligen Jungfrauschoß
und er heißt die Magd, bringen der siechen Welt
statt der Todesschuld seliges Glück des Heils. 

Von den Sternen her Gabriel wird gesandt,
trägt der Jungfrau zu Botschaft der Ewigkeit;
auf aufs Wort erfüllt weiter als Sternenraum
jener ihren Schoß, der alle Welt umspannt

Unversehrt gebiert so diese Muttermagd,
der den Erdkreis schuf, wird in dem Erdkreis Kind;
nimmer droht des Feinds schreckliches Zepter mehr,
und im All erglänzt freudig das neue Licht

Der dreieinig ist, einzig, empfange Ruhm,
Kraft und Majestät und allerhöchste Macht;
er, der eine Gott, der übers Reich regiert,
alle Weltzeit lang, durch alle Ewigkeit.

Hymnus aus der Feder des Paulus Diaconus, übersetzt von J. van Acken: Germanische Frömmigkeit in liturgischen Hymnen. Freiburg i. Br.: Caritasverlag 1937, S. 12f. Das lateinische Original ist in den Analecta Hymnica (Bd. L) einsehbar. Mit größerer Betonung auf die Unbefleckte Empfängnis übersetzt L. Kösters SJ die letzten Verse der vierten Strophe: Doch schaut erbarmungsvoll der Schöpfer, Gott, / der Jungfrau Herz, nicht kennend je die Schuld.
Bild: Stickerei Unserer Lieben Frau von Wigratzbad auf einem Messgewand im Bestand von St. Margareth, Augsburg.

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