Donnerstag, 24. Dezember 2015

Heute! (1)

"Heute!" hebt die Messe an, und das ist ihr erstes und wichtigstes Wort. Es gibt dem Tage sein Gesicht. Vom Invitatorium des Nachtoffiziums an klingt es durch die Antiphonen und Responsorien des Stundengebetes und der Messe bis in die erste Weihnachtsvesper und damit in das eigentlich Fest hinein. "Heute werde ihr erfahren: der Herr kommt und heilt uns." Da ist sie, die Antwort auf den Adventsruf der Kirche. Veni, haben wir gerufen, komm, und nun endlich: Hodie - heute! Heute wird es Erfahrung: Gott kommt und heilt uns. Was wir als tägliche Erfahrung für gewiß halten, heute wird es zum gesteigerten Besitz, zur Feier und zum Fest. Dieses Heute trägt uns die gesammelte Süßigkeit aller Gottesadvente zu, die jemals die Erde erleuchtet und die Herzen heimgesucht haben. In ihm klingt wieder das Lallen des Kindes von Bethlehem und die Posaune des Weltendes, die Stimme der gottrufenden Priester aller Zeiten und die wirkende Worte der Liturgie. Das erste und letzte und tägliche Kommen Gottes geben diesem Heute seinen Glanz. Neu klingt es und frisch, wie eben gefunden und nie gehört, unberührt vom Gestern und Ehegestern, und ist doch schwer von den Wundern der Jahrtausende, die es auf den winzigen Flügeln seiner paar Silben trägt.
Aemiliana Löhr, OSB: Das Herrenjahr. Das Mysterium Christi im Jahreskreis der Kirche (1. Bd). Regensburg: Verlag Friedrich Pustet 1955, S. 78. 

Kommentare:

  1. Wenn sogar diese Seite sich caselianisch rührt ... dann kann Weihnachten werden ;-) Eine schöne Vigil heute!

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    1. ... ich bin derart caselianisch, ich habe daheim nicht mal einen Adventskranz oder anderes paraliturgisches Grüngestrüpp! ;-) Ein gnadenreiches Christfest, wünsche ich inzwischen!

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