Montag, 14. Dezember 2015

Die Vorhalle zum großen Völkeropfer

Als kleine Überleitung zum nächsten Teil meiner ebenfalls kleinen Serie zu Johannes Brinktrine soll ein Zitat aus seiner Monographie "Die Heilige Messe" dienen. Ich bin versucht, gleich noch etwas Längeres dazu zu schreiben (und hier stand auch schon was im Editor), aber ich lasse es erst einmal für sich selbst stehen, gleichsam als Eingang und Vorhalle zum nächsten Artikel. Das wichtige Wort, nur so viel sei gesagt, ist das Ganze. Und was Brinktrine hier über die Katechumenmesse sagt, kann im weiteren Sinne natürlich auch für die gesamte Messe gelten:
Werfen wir von dem Standpunkte, den wir gewonnen haben, einen Blick auf die Vormesse als Ganzes, so sehen wir ein Kunstwerk vor uns, wie es einzig der religiösen Literatur dasteht. Die Steine dieses monumentalen Baues wurden den verschiedenartigsten Kulturen entlehnt: der jüdisch-orientalischen, der griechisch-hellenistischen, der römisch-lateinischen, der germanisch-mittelalterlichen Kultur, und doch sind alle Stücke so zusammengefügt, daß ein Gebäude von Harmonie und Schönheit vor unserm Geiste steht. Die Liturgien der großen Kirchen des Orients wie des Okzidents haben dazu beigetragen, die Meßordnung Roms zu bereichern und zu verschönern: in der Liturgie der Mutter aller Kirchen finden sie sich einträchtig beisammen. Man dürfte kaum irgendwo in der religiösen Literatur eine solche Mannigfaltigkeit und Fülle in den einzelnen Teilen und eine solche Geschlossenheit und Einheit in dem Ganzen finden. Andere Geistesprodukte, auch die religiösen, sind national ausgeprägt, spiegeln eine bestimmte nationale Kultur wider, die römische Meßliturgie, die bereits in ihrem ersten Teile Elemente aus verschiedensten Kulturen, alten und neuen, harmonisch geeint hat, ist übernational, sie ist ein Symbol der Universalität der Kirche Christi, welche die nach Rasse und Sitte, Sprache und Kultur getrennten Völker und Nationen aller Zeiten umspannt und sie "in der Einheit des Glaubens versammelt". Der Glaubensartikel von der una ecclesia catholica hat in dem monumentalen Bau der römischen Katechumenmesse seine kongeniale Liturgische Ausprägung und eine Form von hoher Vollendung gefunden. Dieses herrliche Kunstwerk ist würdig, als Vorhalle zu dienen für das Heiligtum, in welchem das große Völkeropfer dargebracht wird, die heilige Eucharistie, das bewirkende Symbol der kirchlichen Einheit und Katholizität. In dieses Heiligtum wollen wir jetzt eintreten.
Johannes Brinktrine: Die Heilige Messe. Paderborn: Verlag Ferdinand Schöningh 1950, S. 128f. 

Kommentare:

  1. Jedesmal, wirklich ausnahmslos, lese ich bei der Überschrift "Vorhölle" ;-)

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    1. Ist mir auch schon passiert ... ;-)

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    2. Und ich hab mich nicht getraut das zu sagen :-D

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    3. Es lädt aber auch geradezu dazu ein! ;-)

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    4. Da bleibt dieser arme Artikel tagelang unkommentiert, weil alle um die Vorhölle schleichen und keiner was sagt... ;-)

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    5. Dabei leben wir doch gewissermaßen schon mittendrin ... ;-)

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