Samstag, 21. November 2015

Nur Frömmigkeit sah sie, Opfer und Gebet


»Feierlich war ihre Kindheit aufgewachsen in der heiligen hochgetönten Einsamkeit des Tempels.
Nur Frömmigkeit sah sie, Opfer und Gebet, hin zum gütig erhörenden Vater. Und ihr frommer Fleiß, die ernste Anmut ihrer weiblichen Kunstfertigkeit wob am Schmuck des Hauses, in dessen Dienst sie sich gestellt hatte.
Und ruhete sie ihre Finger streckend aus, sie legte sie zum Gebet zusammen. Und neben ihr betete die Blume des frommen Gebetes: die Lilie, die Blüte unantastbarer Reinheit.
Deren makelloser Kelch war der heranwachsenden Jungfrau auch hier an heiliger Stätte ein schärferer Mahner zu unausgesetzter Flucht und Wachsamkeit, die ja ist die Tapferkeit der Seele. Die Seele kann stäubchenloser sein als irgendwas in der Welt und den König und Meister der Seelen erfreuen und erquicken in seiner wunschlosen Heiligkeit.
Und je mehr Tugend, so mehr Pflege, so kostbarer wird sie, um so mehr wird ihr nachgestellt, um so mehr muß sie behütet werden.«
Peter Hille: Das Mysterium Jesu. Wiesbaden: Limes-Verlag 1952, S. 9.
Bild: Kathedrale von Caacupé, Paraguay.

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