Samstag, 28. November 2015

Nicht nur jene

»Und es gibt Menschen, durch die Satan nicht bloß die kleine Welt einer Familie, einer Gemeinde mit den Fermenten des Hasses, der Gier und des Neides zersetzt; es gibt Menschen, deren Leidenschaften von ihm entfesselt, entflammt, wie ein Erdbeben über ein Volk, wie eine Springflut vernichtend über einen ganzen Kontinent hinweg gehen, wie ein ungeheurer Steppenbrand das Glück von Millionen wegfressen. Es kommt sehr darauf an, wo einer sündigt; es hängt viel davon ab, an welcher Stelle des göttlichen Ordnungsgefüges sitzend er es verletzt; es ist mehr oder minder immer, wie wenn einer ein Tuch an einer Stelle nur mit zwei Finger anhebt; er hebt das ganze Tuch und bringt es als Ganzes in Bewegung. (...) Warum soll sich der Teufel nur der Wollüstigen bemächtigen, die ihrer Gier zu frönen trachten? Warum nicht auch der Machtgierigen in unseren Parteigremien und Parlamenten, in unseren Zeitungsredaktionen, in den Fernsehstudios? Warum nicht auch die Eitlen und Ehrsüchtigen, der Schamlosen, der Geltungsbedürftigen in unserem Kunst- und Literaturbetrieb, in den Zentralen der Filmproduktion? Warum auch nicht jener, die die Nachrichtengebung steuern, und jener, die die Schalthebel des Wirtschaftslebens in der Hand haben? Soll ausgerechnet bei ihnen der Teufel nicht seine Chance erkennen? Oder sind wir der Meinung, eine öffentliche Sünderin bedeute für ihn mehr als ein weltanschaulich neutraler Parteiführer oder glaubensloser Staatsmann?«
Ich muss sagen, mir fiele da noch so die ein oder andere Stelle ein, Schaltstellen, an denen die - so scheint's - glaubenslos Machtgierigen und Ehrsüchtigen sitzen. Gleichzeitig mag man sich fragen: Muss da der Widersacher überhaupt noch wirken? Oder war es vielleicht nur mal ein Anstoßen, das sich nun ... wie ein diabolisches Perpetuum Mobile ... in unendliche Abgründe fortsetzt ... ?

Text: Alois WinklhoferTraktat über den Teufel. Frankfurt a.M.: Verlag Josef Knecht 1961, S. 132f. 

Kommentare:

  1. Das glaube ich allerdings auch, dass er in diesen Bereichen keine Anstrengungen mehr unternehmen muß... das läuft. Die Frommen sind die interessanten... Und selbst das scheint ja immer wieder erstaunlich einfach...

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    1. Sicher, allerdings hat der Herr dieser Welt noch ganz andere Mittel und einen ganz anderen Überblick, als die Herren dieser Welt. Und wer mag bezweifeln, dass ein umfassendes Netz an Dämonen und dämonischen Kräften diesen schon von selbst laufenden Prozess weiter fördern und vorantreiben, wie die guten Engel alles in der rechten Bahn halten, verwahren und schützen?

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    2. Jetzt muss ich irgendwie an Constantin denken... Mh.

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