Donnerstag, 26. November 2015

Für die Zeit zwischen den Jahren

Nun mal Hand aufs Herz. Wenn wir Alte-Messe-Molche ehrlich sind, dann wissen wir: die überlieferte Liturgie wird nicht von heute auf morgen in allen römisch-katholischen Gemeinden, Klöstern, öffentlichen und halböffentlichen Oratorien usw. wiedereingeführt werden. Nein, bevor es soweit ist, und damit der Kulturschock nicht ganz so groß wird ... kommt natürlich erstmal ein paar kurze Jährchen ein Interimsmissale mit lateinisch-deutschem Mischmasch, wie schon bei der letzten großen Umstellung anno dazumal.
Der Denzinger-Katholik hat schon vorgesorgt und ist für den Ernstfall gerüstet, die zweisprachigen Messbücher nach 1965er Ritus liegen bereit. (Ja, schon damals hat die wundersame Büchervermehrung eingesetzt, weswegen manch einer glaubt, die Liturgiereform sei nichts anderes als ein Komplott des katholischen Verlagswesens gewesen - wenn dem tatsächlich so ist, haben sie sich aber am Ende aber doch ins eigene Bein geschossen).

Mit dem Meßkanon wurde auch schon mal pfleglicher umgegangen. Den hl. Joseph trug man  - gar nicht lang vorher - gewöhnlich noch fein säuberlich mit dem Füllfederhalter ein und fuhrwerkte nicht mit dem Edding im Allerheiligsten rum.
Wie die ersten Seiten erzählen, wurden die "Übersetzungen der Gesänge zum Einzug, zur Gabenbereitung und zum Kommuniongang sowie der Zwischengesänge mit Zustimmung der Erzabtei Beuron dem gemeinsamen Meßantiphonar der deutschen Meßbücher von Schott und Bomm entnommen", während die Übersetzungen der Orationen "für dieses Altarmeßbuch" neu erarbeitet wurden. Wie gut oder schlecht diese neuen Orationen sind, damit werde ich mich demnächst beschäftigen. Vielleicht aber ist besonders interessant, dass Schott und Bomm damit gewissermaßen kanonische Autorität bekamen.
Gedruckt wurden die abgebildeten Messbücher übrigens für die SBZ: Im Auftrag der Bischöflichen Ordinariate und Kommissariate der Katholischen Kirche der Deutschen Demokratischen Republik. Da schüttelt's einen gleich ein wenig beim Lesen. Eine etwas kuriose Kombination der Wörter, finde ich auch, diese Sache mit den kirchlich-katholischen Kommissariaten in bolsche kommunistischen Terrain. (Obwohl, so für einen Job also commissaire théologique könnte ich mich auch begeistern).

Dem Meßbuchspender auch nochmal an dieser Stelle ein herzliches Vergelt's Gott!

Kommentare:

  1. Beruhigend, dass zumindest Du bereit wärst :D Man muss ja wissen, an wen man sich im Falle des Falles wendet...Und wer weiß, vielleicht gibt Papst Franziskus bald wieder eine berühmt-berüchtigte fliegende Pressekonferenz mit überraschenden Aussagen...

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    1. Ich bin natürlich auch für den direkten Weg zur "ganz alten" alten Messe bereit, ich bin da ja flexibel!

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  2. So wirklich Licht ins Dunkel kommt durch den Beitrag auch nicht... Obwohl, ein wenig schon, immerhin erwähntest Du ja die "neu übersetzten Orationen". ;) Aber dieses Edling-Geschmiere ist ja wirklich schrecklich... Wer tut denn so was...

    Und warum überhaupt Molch? Wer denkt sich so was aus...

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    1. Was ist denn dunkel?

      Und die Sache mit dem Molch, da frag' lieber mal den Kollegen da drunten ...

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    2. Nichts nichts, alles gut. :-) (Es lag mal wieder an meiner komischen Art Beiträge zu lesen und parallel zu kommentieren..... :D )

      Dann soll der sich doch mal dazu äußern... ;-)

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  3. Auf dieses Meßantiphonar zurückzugreifen war naheliegend, da es ursprünglich der textlichen Vereinheitlichung der sog. "Betsingmesse" dienen sollte, wobei man zugleich manchen antiquierten Übersetzungen aus Schott und Bomm sich zu entledigen trachtete.

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    1. Kleine Berichtigung: Wobei man zugleich des antiquierten Glaubens sich zu entledigen trachtete ... ;-)

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  4. Hach... wird das schön! Die gute neue Zeit! Und egal was in der Übergangszeit für ein Mischmasch zusammenzelebriert werden wird, ich würde mir ein Loch in den Bauch freuen und sogar mit Freuden Abschiedsvorstellungen von dem einen oder anderen liturgischen Zirkus besuchen!

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  5. Da habe ich schon viel schlimmere Versionen gesehen...

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    1. O wei, wir wollen es wohl lieber gar nicht so genau wissen ...

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