Sonntag, 22. November 2015

Die vielen Übersetzungen und die eine Kollekte

Wer so wie ich, was die Sprachkenntnisse anbelangt, eher ein bisschen auf den Kopf gefallen ist ... greift gerne auf das reichlich vorhandene Angebot an Messformularienübersetzungen zurück. Gerade, wenn man sich so kurz vorm heil'gen Opfer die Texte der Liturgie nochmal, gewissermaßen so ... to go reinziehen will. Doch was tun, wenn ein Jeder etwas anderes übersetzt, wie an diesem Sonntage, die Oration so einen ganz neuen Geheimnischarakter gewinnt?

Anselm Schott:
Rüttle auf, o Herr, wir bitten Dich, den Willen Deiner Gläubigen, damit sie mit ganzem Eifer die Frucht der heiligen Liturgie sich auswirken lassen und so noch reichere Heilmittel von Deiner Vatergüte empfangen.
Pater Ramms Diurnale (und auch das neue Volxmissale?):
Rüttle auf, so bitten wir, Herr, den Willen Deiner Gläubigen, dass sie die Frucht des göttlichen Werkes williger vollziehend, größere Heilmittel von Deiner Vaterliebe erlangen. 
Der sel. Kardinal Schuster:
Rüttle auf, o Herr, wir bitten Dich, den Willen Deiner Gläubigen, dass sie aufrichtiger die Früchte der göttlichen Gnade anstreben und noch reichlicher die Heilmittel Deiner Barmherzigkeit empfangen.
Dom Gueranger:
Rüttle auf, o Herr, wir bitten Dich, die Willen Deiner Gläubigen, dass sie, eifriger werdend für die Frucht des göttlichen Werkes, die größeren Heilmittel Deiner Güte empfangen mögen.
Lauren Pristas:
Rüttle auf, wir bitten Dich, o Herr, die Willen Deiner Gläubigen, damit sie bereitwilliger/schneller/eifriger die Wirkungen der göttlichen Tätigkeit [in unserer Seele] ausführend, die größeren Heilmittel Deiner Gnade empfangen mögen.
Fr. Z:
Rüttle auf, wir bitten Dich, o Herr, den Willen Deiner Gläubigen, dass sie eifriger die Frucht Deines göttlichen Werkes suchend, in größerem Maße die heilende Wirkungen Deiner Barmherzigkeit finden.  

Und wie lautet nun die katholische Antwort auf die Frage? Der liebe Herrgott wird schon wissen, was wir uns da zurechtbeten. Und wenn die Fülle und der Reichtum unseres Glaubens in den vielen Übersetzungen ganz besonders zum Ausdruck kommt, dann um so besser.

Kommentare:

  1. Und ich dachte das weckt Deinen Ehrgeiz selbst zu übersetzen ...

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    1. Diese Flamme wurde von vielen Wassern gelöscht ...

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    2. Alternativ könnte man auch eine Art "best of" kreiern... ;-)

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    3. Einmal von jeder Sorte mit Sahne obendrauf! ;-)

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    4. Ja.... warum das Rad neu erfinden. Ist doch schon viel Schönes dabei.... ;-)

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    5. Auf jeden Fall! Am ausgefallensten ist freilich die Schott'sche Übersetzung ... aber, seit wann ist das Opus Dei nicht auch und gerade Liturgie? Eigentlich haben alle Recht.

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    6. Den Gedanken hatte ich vorhin in der Messe auch... Nicht, dass man das am Ende schon als "konziliaren Wegbereiter" werten muss.. ich bin da wohl gerade etwas paranoid in dieser Hinsicht...

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    7. Die Sache ist ja die ... Häresie und Irrtum erwächst zumeist nicht aus ganz Falschem, sondern aus zu viel oder zu wenig Gutem ...

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  2. O tempores, o mores. Früher war man froh, dass alles in Latein war und man sich nicht um so Nebensächlichkeiten wie die Übersetzung kümmern musste. Latein war immer richtig.

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  3. Fehlt der Bomm ... ;-)

    Wir bitten, Herr,
    sporne den Willen deiner Gläubigen an,
    daß sie die Frucht des göttlichen Erlösungswerkes
    eifriger sich zu eigen machen
    und dadurch von deiner Vaterhuld
    größere Heilmittel empfangen.

    Meines Ermessens eine gute Lösung: Textlich vertretbar, klar in der Gedankenführung und nicht die - im Deutschen fast immer grauenhaften - Partizipalkonstruktionen nachahmend ... ;-)

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    1. Sehr fein seiend ... und dankeschön dafür! :)

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    2. Und mal wieder was für auf den Einkaufszettel ...

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  4. Ich habe auch noch einen. Bei P. Peter Morant OFMCap heißt es 1965:

    Rüttle auf, Herr, Deine Gläubigen, daß sie mit größerem Einsatz Deine Werke vollbringen und reichlicher aus den Tiefen Deiner Heilsschätze schöpfen.

    Aber wie die Freiburgbärin schon sagte: Latein ist immer richtig

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    1. In diesem Falle ist die etwas freiere Übertragung am Ende doch deutlich enger am eigentlichen Textgedanken. Ebenfalls sehr schön!

      Und vielen Dank dafür!

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  5. So ein Vergleich der Übersetzungen ist hoch interessant. Ich steuere deswegen noch was bei ... aus der Brevierübersetzung des Erzpriesters Stephan:

    Sporne,
    wir bitten dich, o Herr,
    die Willenskräfte deiner Gläubigen an,
    damit sie aufgrund eifrigen Ausnutzens des Segensfrüchte
    des von dir, o Gott, vollbrachten Heilswerkes
    von deiner Vatergüte
    um so wirksamere Heilmittel erhalten.

    Und Schenk:

    Wir bitten dich, Herr:
    Rege den Willen deiner Gläubigen an,
    daß sie die Frucht des göttlichen Wirkens
    noch eifriger sich zu eigen machen
    und von deiner Vatergüte
    reichere Heilmittel empfangen dürfen.

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    1. Na, dann können wir das ja jetzt jede Woche machen! ;-)

      Vergelt's Gott!

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    2. ... vielleicht gar keine so dumme Idee, so als als diesjähriges Advents-Special ...

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  6. Ah.. Da fehlt jetzt an einigen Stellen der "I like"-Button :)

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