Samstag, 28. November 2015

Die Kollekten des Advent und ihre Übersetzungen - 1. Sonntag

Dominica prima Adventus Domini nostri Iesu Christi.
- Römisches Martyrologium

Da der Beitrag zur "vergleichenden Liturgieübersetzungswissenschaft" neulich auf ein gewisses Interesse stieß, möchte ich das mal als kleines Projekt im diesjährigen Advent fortführen, in dem ich die vermutlich bedeutendsten Übersetzungen zur Verfügung und gegenüber stelle. Verweisen möchte ich dabei auf meine Serie vom vergangenen Jahr, die auch immer wieder ganz besonders auf die Orationen einging, so auch am 1. Sonntag im Advent.

Schott:
Biete Deine Macht auf, o Herr, und komm, wir bitten Dich: dann werden wir aus den Gefahren, die wegen unserer Sünden uns drohen, durch Deinen Schutz entrissen und durch Deine Erlösungstat errettet: Der Du lebst.
Bomm:
Wir bitten, Herr, erwecke Deine Macht und komme, damit wir den Gefahren, die uns von unseren Sünden drohen, durch Deinen Schutz entrissen seien und Erlösung finden, wenn Du uns befreist: Der Du lebst.
1965er Meßbuch:
Biete auf deine Macht, Herr Jesus Christus; wir bitten dich: komm! Du unser Beschützer, entreiße uns aller Gefahr, die uns droht wegen unserer Sünden; du unser Heiland, errette uns: Der Du lebst.
Schenk:
Wir bitten Dich, Herr: Biete auf Deine Macht und komm! Wenn Du uns schützest, werden wir bewahrt vor den Gefahren, die uns wegen unserer Sünden drohen; wenn Du uns rettest, können wir das Heil erlangen. Du lebst.
Erzpr. Stephan:
Laß, o Herr, wir bitten dich, wirksam werden deine Macht und komme, damit wir würdig werden, von den Gefahren, die uns auf Grund unserer Sünden drohen, herausgehoben und durch die uns von dir gebotene Befreiung beseligt zu werden. Der Du lebst. 
P. Ramm:
Biete auf, so bitten wir, Herr, Deine Macht und komm, damit wir von den drohenden Gefahren unserer Sünden durch Deinen Schutz gerettet und, von Dir befreit, erlöst zu werden verdienen, der Du lebst.

Zweifelsohne bieten die Brevierübersetzer, die unteren drei, die wortgetreueste Übersetzung des lateinischen Textes. Diese Art von Übertragung hat ihre Berechtigung und nutzt auch besonders in der Analyse des Gebetes. Davon wiederum ausgehend könnte man zu sprachlich bekömmlicheren Varianten schreiten, welche die eigentliche Gedankenführung und den "Ton" der lateinischen Kollekte besser treffen, ihn wirklich - soweit eben möglich - ins Deutsche übertragen. Meiner Meinung nach gelingt das dem lateinisch-deutschen Meßbuch von 1965 am besten. Kein Wunder, denn es war für den liturgischen Gebrauch bestimmt und nimmt den Charakter der römischen Prosa-Dichtung in deutscher Gewandung auf (und es lässt sich auch gescheit singen); hier erklingt am stärksten die Not des sündigen Menschen und die absolute Abhängigkeit vom Advent der Gnade ... wir bitten dich: komm, errette uns!

Kommentare:

  1. Das von "Erzpr. Stefan" sticht irgendwie so hervor... Gefällt mir persönlich auch am besten.;)

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    1. Ja... Das Thema hatten wir schon einmal, ich weiß. ;-) Aber deswegen darf ich doch etwas präferieren...

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    2. Nee, sonst sagst Du immer "Subjektivität ist unangebracht". :-)

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    3. Wenn es um objektive Wahrheiten o.ä. geht. Reden wir im nächsten Leben nochmal darüber ...

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  2. Wie las ich anderswo ... "Streber" ... ;-)

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    1. Jaja, ist der Ruf erst ruiniert ... das kriegt man dafür, scheut man weder Kosten noch Mühen für seine Leser ... ;-)

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    2. Wer schreibt denn sowas...ts...;)
      Ich finde ja die letzte Übersetzung nicht schlecht :)

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    3. Die Anonymität des Internets macht die schlimmsten Sachen möglich ... ;)
      Und ich glaube, ich ziehe da noch mal zwei weitere Übersetzungen aus dem Hut, so weiterstrebigstrebsam ...

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