Donnerstag, 19. November 2015

Der vorweggenommene Tod

»Je länger die ›Welt‹ sich selber überlassen ist, desto mehr verdichtet sich da Böse in ihr und desto unerlösbarer wird sie. Ihre Existenz nähert sich immer mehr den Formen des vorweggenommenen Todes an: Der Zerfall der natürlichen Ordnungen greift um sich; wie ein Gestank breitet sich in ihr eine vielleicht mit dem Parfum der Humanität noch mühsam verdeckte Vertierung des Menschen aus, eine Angleichung an jenes Böse, das in der Apokalypse in der Gestalt des ›Tieres‹ erscheint. Planmäßig erweitert Satan sein ›Feld‹, immer mehr Weltstoff eignet er sich an, um darin seine eigene Bosheit zu reproduzieren und in immer neuen Formen zu aktuieren. Immer geringer wird der Widerstand, den der Mensch schließlich gegen einen geradezu mystischen Mißbrauch seiner Freiheit, den er manchmal wohl ahnt, wie die Selbstzeugnisse mancher neuzeitlicher Dichter (...) hie und da bezeugen, aufzubieten hat. Das Ende ist eine Verwesung der Menschheit bei lebendigen Leibe. ›Du hast den Namen, daß du lebst, aber du bist tot‹ (Apk 3, 1). Entwicklungen, die ohne ein Eingreifen Gottes mit der der Sünde innewohnenden Logik und also gewissermaßen notwendig verlaufen.«
Alois Winklhofer: Traktat über den Teufel. Frankfurt a.M.: Verlag Josef Knecht 1961, S. 112f. 

Kommentare:

  1. Antworten
    1. Man kann es eben nicht oft genug sagen! ;-)

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    2. Wie wahr, wie wahr.

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  2. Scheint sich um einen dieser vorkonziliaren Unglückspropheten zu handeln. Aber man soll nicht nölen, also belasse ich es bei einem Hinweis auf eine Variante von Gaudium et spes bei Joh 16, 33.

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    1. Papa Giovanni, heiligen Andenkens, hat das mit den Unglückspropheten wohl etwas missverstanden. Das Problem ist nicht, dass die Stunde des Weltunterganges schon (bald) da ist. Die Dramatik besteht darin, dass wir immer noch darauf warten müssen ...

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