Sonntag, 15. November 2015

Baumeister am Weisheitsdom


Es gab da die fromme Legende, die besagte, der heilige Albert habe Plan und Grundriss für den Kölner Dom entworfen. Das dürfte vermutlich nicht der Fall gewesen sein, wenngleich er noch den Altar der eben fertiggestellten Domsakristei weihen durfte. An der Predigerkirche Kölns, in der lange Zeit seine sterblichen Überreste ruhten, hat er aber sehr wohl mitgewirkt. Leider überstand das bis dahin zweitgrößte Gotteshaus der Stadt die Revolutionskriege nicht - es wurde von der Besatzungsmacht ausgeplündert und schließlich abgerissen. Ein vom Heiligen gestiftetes Chorfenster konnte glücklicherweise noch in den Kölner Dom gerettet werden.
Nun hat er also nicht Hand an den Entwurf dieser Kathedrale gelegt, doch aber, wie der Ratzinger-Lehrer Söhngen schreibt, den Plan zu einem neuen gewaltigen Dome entworfen, "zu dem neuen, auf den aristotelischen Begriffspfeilern und Gedankenbogen emporstrebenden, christlichen Weisheitsdom, den Alberts Schüler, Thomas von Aquin, vollendete."

Beim Schreiben dieses Beitrages drängt sich mir da eine gewisse Parallele auf. Der Weisheitsdom, auf so festen Fundamenten und Pfeilern begründet, an dem über die Jahrhunderte gebaut wurde, ist nicht auch er nach einer neuerlichen Revolution wie ausgeplündert? Gewiss, ein paar Gebeine, ein zwei Kostbarkeiten sind gerettet ... was das Gebäude aber eigentlich ausmachte, davon blieb uns nicht viel erhalten. Hoffen und bitten wir, dass durch die Fürsprache so großer Gelehrter dieser Weisheitsdom nicht vollends abgerissen wird ... und so Gott will, irgendwann vielleicht gar einmal wieder eine neue und gewaltige Kathedrale ersteht.

Bild: Fassade von St. Albert, Haunstetten.

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