Samstag, 17. Oktober 2015

Graeca non leguntur seu Silentium Mysticum


Ich gebe zu, der Denzingerkatholik sonnt sich zuweilen gerne im Glanze gewisser Beiträge mit Inhalten, die hier zum ersten mal und exklusiv in Landessprache ... oder etwas, was dem nahe kommt ... jedenfalls eben so, wie es Das Konzil wollte, der Öffentlichkeit zugänglich gemacht sind. Nun war der Nächste an der Reihe: Odo Casel. Das Christliche Kultmysterium hat jeder schon zehn mal gelesen, das Mysterium der Ekklesia liegt auf jedem Nachttisch ... aber De philosophorum Graecorum silentio mystico! Ja, das kennt noch nicht jeder. Ich ging also an die Dissertation heran wie an meine Acta et Documenta ... doch, was sehe ich da? Alpha Beta Gamma Delta! Hercle, ich meine, ma Dia, was soll das? Nun hatte ich mich schon darauf gefreut, dass die verehrte Leserschaft meine Belehrt- und Belesenheit bewundern und bestaunen kann, ich spann mir schon einige Gedanken zur theologischen Philologie ... und nun alles für die Katz.

Doch! Eine gute Lektion. Denn die Stille beginnt da, wo alle sinnliche Wünsche und Absichten ... stillgelegt sind. Dieses dialektische Negativgebot, in der Erbauungsliteratur viel zu einfach oft nur "Sammlung" genannt, veranschaulicht Casel an anderem Orte mit einer Inschrift über einem Abteiportal: »Die ihr eintreten wollt in das Tor des Gotteshauses, tretet heraus aus dem Rausche der Gedanken, damit ihr drinnen die Richter gnädig findet.« 
Aber nicht nur in Seinem Hause, jeder Umgang mit Gott verlangt diese Stille, setzt sie voraus. Augustin (Conf. ix, 10):
Es schweige in einem Menschen der Sturm des Fleisches, es schweige jedes Bild von Land, von Wasser und von Luft, wenn auch die Himmel schweigen, ja selbst die Seele gegen sich selbst vestummt, ihrer selbst vergessend, erhebe sie sich über sich, es schweige die Zunge und jegliches Zeichen, und alles, was entsteht und vorübergeht, schweige völlig - dieweil, wenn jemand hören kann, dem würden alle diese Dinge sagen: "Nicht wir haben uns selbst geschaffen, sondern der hat uns geschaffen, der da bleibt in Ewigkeit."
Wenn sie also nach diesen Dingen verstummten, da sie ihr Ohr auf ihren Schöpfer gerichtet haben, und wenn nunmehr er allein spräche nicht durch sie, sondern durch sich selbst, sodass wir sein Wort nicht aus eines Menschen Zunge noch durch eines Engels Stimme noch im Donner der Wolke noch durch Rätsel und Gleichnis vernahmen, sondern ihn selbst, den wir in diesen Dingen lieben, ihn selbst vernähmen ...
Das sich sammelnde, das harrende Schweigen führt zum anbetenden Schweigen führt und ist schon das vereinigende Schweigen, die Kommunion der Seele mit ihrem Schöpfer, ihrem Gott. Dieses dreieinige Mysterium vollzieht sich in besonderer und tiefster Weise in der Feier der hl. Mysterien. Der Einzelne und die versammelte Gemeinde verstummt und sammelt sich - selbst wenn sie singt und betet - im Stufengebet, sie harrt auf den kommenden Erlöser nach dem Ruf zur Herzerhebung, und sie betet an in der Konsekration, vereinigt sich mit dem im Sakramente gegenwärtigen Herrn. 

Mehr dazu und mehr Casel gibt es beim Mystagogus nobis drüben.

Kommentare:

  1. Da werfe ich an diesem trüben Tag einen Blick auf meine blogroll, beschnüffle die Themen, beklicke den Beitrag, wecke Geist und Gemüt zu neuem Leben: non sunt fraudati! Danke für den schönen Beitrag!

    (Aber du wissest schon, daß das Wort vom Mystagogus auf Casels Grabplatte gemeißelt ist?) ;-)

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    1. Habe zu danken! Wurde ja auch Zeit, dass nach langer Durststrecke mal wieder ein wohlgefallender Beitrag kommt ... ;-)

      Bezüglich Grabesplatten: Damit ist ja (offensichtlich!) nicht gesagt, dass alle Mysterien und ihre Mystagogen gleich mit begraben sind ... ;-)

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  2. Weder die Bücher (?) noch der Autor kommt mir bekannt vor - Was unterstellst Du denn dort schon wieder?! :D

    Umso schöner jedoch Deine Worte zum Augustin-Zitat! :-) (Um nicht nur wieder das Zitat hervorzuheben.)

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    1. Warum die Fehler immer beim Gegenüber suchen ... ?

      Gratias jedenfalls, wobei der Beitrag eine gewisse Pointe vermissen lässt ... aber wir sind ja bescheiden geworden.

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    2. Bescheiden nicht allerdings bei der Verwendung des Pluralis Majestatis, den benutzt Du - bzw. Ihr - in letzter Zeit deutlich häufiger! ;)

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    3. :-D

      Nur in meinen Lehrvorträgen! ;-) Außerdem gilt - wir zitieren hier ausnahmsweise mal Wikipedia: "Bescheidenheitsplural und Autorenplural stehen ... in einem Gegensatz zum Pluralis Majestatis." Bescheidener geht es also gar nicht. ;-)

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