Sonntag, 4. Oktober 2015

Franziskus, der katholisch Mann


»Franciscus vir Catholicus, 
et totus Apostolicus,
Ecclesiae teneri 
fidem Romanae docuit, 
Presbyterosque monuit 
prae cunctis revereri.«

Franziskus, 
der katholische und ganz apostolische Mann, 
mahnt uns, 
zu halten der Römischen Kirche Lehren 
und die Priester vor allen zu ehren.


Text: 1. Antiphon der I. Vesper vom Fest im Breviarium Romano-Seraphicum, Anfang des Reimoffiziums aus der Feder Julians von Speyer. Im franziskanischen Eigenteil des modernen Stundengebetes strich man die Sache mit der Kirche Lehren und die Presbyter zu ehren: »Franciscus vir catholicus et totus apostolicus, missus est in praeparationem Evangelii pacis«, Franziskus, ... , gesandt zur Bereitung des Evangeliums des Friedens. 
Bild: Seitenaltar in San Buenaventura de Yaguaron, Paraguay. Die Kirche aus dem Jahr 1600, das womöglich beeindruckendste Zeugnis franziskanischer Sakralkunst im Land, wird gerade restauriert, mir ist darum nur ein Schnappschuss gelungen, bevor mich die Restaurateure verjagten. Ob das fehlende Kreuz in der Rechten des Heiligen etwas mit den Arbeiten zu tun hat, ist mir nicht bekannt.

Kommentare:

  1. Man schmiert etwas Leim
    ins Kirchenlatein
    und raus kommt ein Reim:
    fein.

    Reimoffizien *schüttel* ...

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ciceronianus es, non Christianus! ;-)

      Aber allen Ernstes: Das Offizium Julians von Speyer eines der hervorragendsten Beispiele für die ganze Gattung. Es hat einen ganz gewaltigen Tiefgang, der weit über das bloße "reim Dich oder ich fress Dich" hinausgeht. Ich kann da nur zur Lektüre raten, falls Interesse besteht.

      Auf der Seite des klassischen Metrums gibt es da genau so Furchtbares, wie es furchtbare Reimoffizien gibt. Etwa die Hymnen für Katharina von Siena, mit drei sapphischen und einer adonischen Strophe und haste nicht gesehen ... aber ansonsten den Charme Deines Leimreims abzüglich des Witzes (oder meinen kläglichen Versen) oben. Warum sollte eine Form grundsätzlich besser sein als die andere?

      Ich erlaube mir auch mal, P. Clemens Blume aus der Catholic Encyclopedia zu zitieren: "It is marvellous how in many offices of this artistic period, in spite of all symmetry in rhythm and rhyme, the greatest variety exists in the structure of the stanzas, how a smooth and refined language matches the rich contents full of deep ideas, and how the individual parts are joined together in a complete and most striking picture of the saint or of the mystery to be celebrated. (...) It is true not all of them are works of art; particularly during the fifteenth century many offices with tasteless rhyming and shallow contents reflect the general decadence of hymnody. Many, however, belong to the best products of religious lyric poetry. For six centuries in all countries of the West, men of different ranks and stations in life, among them the highest dignitaries of the Church, took part in this style of poetry, which enjoyed absolute popularity in all dioceses. Hence one may surmise the significance of the rhythmical offices with reference to the history of civilization, their importance in history and development of liturgy, and above all their influence on other poetry and literature."

      /Sonntagssermon aus.

      Löschen
    2. Interessantes dazu habe ich übrigens auch noch hier gefunden: https://www.freidok.uni-freiburg.de/fedora/objects/freidok:8867/datastreams/FILE1/content (vom all zu zeitgeistigen Grundrauschen mal abgesehen ... )

      Löschen