Samstag, 31. Oktober 2015

Eingebläutes zum Konzil (diesmal leider kein anderes)

Man mag es eine Ironie der Geschichte nennen, dass es nicht die Allesüberdenahaufenwerfer waren, die als Erste und Eifrigste ein neuerliches Konzil zusammenbestellen wollten. Nein, gerade der, der von dem Konzilsgeist, den er rief, mund- ... oder zumindest mikrofontot gemacht wurde, Kardinal Ottaviani, drängte schon 1948 Pius XII. zur Fortsetzung des (noch einzig-ersten) Vatikanums. Nicht ohne Grund, denn es gab viel zu tun! Unzählige neue Irrtümer mussten verdammt, der Kommunismus bekämpft werden, Kirchendisziplin und katholische Aktion brauchten Erneuerung, das ein oder andere marianische Dogma wartete auf die Verkündigung! Blauäugig, wie der geliebt und geschätze Andreas insinuiert? Vielleicht ...

Und wie drüben schon zitiert, wünschte man sich, nicht nur Tromp, allgemein ein kurzes Konzil. Weniger ... wie es dieser Tage zumeist dargestellt wird ... um die Synodenväter zu ver...äppeln, ihnen schnell eine Unterschrift abzutrotzen, bevor sie das Kleingedruckte gelesen haben ... sondern viel mehr, um Einheit zu demonstrieren, dem Feind nicht die Möglichkeit zur Ausnutzung von Zwistigkeiten geben. Deswegen sollte die Dokumente von höchster Klarheit sein, fern jeder Kontroverse, sodass die versammelten Bischöfe ohne große Bedenken ihr Placet geben konnten ... ja am besten sogar sollte alles per Akklamation angenommen werden.
Nun, das alles geschah bekanntlich nicht, man mag diesen Gedanken gar Phantasterei nennen. Eines ist aber sicher: weniger veräppelt wurden die Konzilsväter, nachdem sie sich drei Jahre die Allerwertesten in St. Peter platt saßen, am Ende auf jeden Fall auch nicht.

Waren also wirklich alle kirchen- und glaubenstreuen, vulgo konservativen Kräfte, so saudämlich, der Gegenseite Tür und Tor zu öffnen, ihnen sogar noch den roten Teppich auszurollen? Nein! Ein von unbeugsamen Integralisten bewohntes Dorf hörte nicht auf, dem Eindringling Widerstand zu leisten. Es ist die alte Garde, die großen Männer aus der Regierung Pius' X., die Kardinäle Billot und Merry del Val, welche schon zu Zeiten Pius' XI. vor einem neuen Konzil warnten. Jene weltweisen Kirchenfürsten sollen an dieser Stelle noch einmal zu Worte kommen. Billot:
Die Wiederaufnahme des Konzils wird von den schlimmsten Feinden der Kirche, den Modernisten, erhofft, die sich schon rüsten - wie recht sichere Hinweise verraten - um von den Generalständen der Kirche zu profitieren und eine neue Revolution anzuzetteln, ein neues '89, das Ziel ihrer Träume und Wünsche. Es wird ihnen freilich nicht gelingen, gleichwohl würden wir diese überaus traurigen Tage am Ende des Pontifikates Leos XII. und dem Beginn desjenigen Pius' X wieder erleben; wir würden gar schlimmeres sehen, und die glücklichen Früchte der Enzyklika Pascendi, die sie alle zum Stillschweigen brachte, würden zunichte mache. 
Der Jesuitenkardinal sah auch eine besondere Gefahr von Seiten des iro-amerikanischen Elementes, dass "beachtlich an der Zahl und in ihren Handlungsmitteln, Prozedere der Diskussion und Propaganda einführen würde, dass mehr dem demokratischen Brauch als der kirchlicher Tradition angemessen ist." Gut dreißig Jahre nach seinem Tod hatte man gleichwohl auf beiden Seiten der Alpen, Krieg und Elend sei Dank, ebenfalls genügend Erfahrung mit dem demokratischen Prozess und seinen Mitteln. Dennoch behielt Billot auch hier Recht. Die gallo-germanischen Theologen durften in den meisten Bereichen die Monsterarbeit leisten, in entscheidenden Punkten machte die amerikanische Partei aber mächtig Druck. Nicht zuletzt an dem leidlichen Schema zum Verhältnis von Staat und Kirche.

Eine Sache von nicht kleiner werdenden Brisanz sprach Merry del Val an.:
Wäre es tatsächlich möglich, die Weltpresse davon abzuhalten, die Arbeit des Ökumenischen Konzils zu stören und zu verwirren? 1870 war der Papst Herr in seinem eigenen Hause, und die Presse hatte nicht die Fähigkeit, die sie jetzt hat, alles zu durchringen, zu spionieren, und Fallen zu stellen. Wäre es möglich, sie davon abzuhalten, mehr oder weniger offen im Konzil selbst zu agieren, Leute aufrührerisch zu machen, Zwietracht zu säen, die Arbeit zu verhindern und die Ergebnisse der Debatten im Konzil selbst zu kompromittieren? 
Und? Ist es dann nicht so gelaufen? Und läuft es nicht immer noch und weiterhin so?

Aber ja, ich weiß. In der Konzilsaula saß kein Billot, kein Merry del Val mehr. Zumindest ersteren werden nicht wenige Väter in ihrer Seminarzeit wohl gebüffelt haben. Gereicht hat das aber schlussendlich nicht. Und die Blauäugigen kamen längst nicht nur mit einem blauen Auge davon ...

Kommentare:

  1. Nein, in der Konzilsaula saß eine ziemlich ausgebuffte rheinische Allianz, die mit Geld und miesen Tricks und dem Geist aus der Kiste die Macht an sich riss und das Geschehen diktierte.
    Leider erwachte der Widerstand sehr spät und recht unorganisiert. Zeugnis davon geben so hanebüchene Dokumente wie NA, die an Verwirrung und Doppelzüngigkeit kaum zu überbieten sind.
    Na ja, abgesehen von Schlussdokument der zu Ende gegangenen Bischofssynode. Aber dazwischen liegen auch 50 Jahre Geist aus der Kiste Diktatur.

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    1. Das ist wahr. Es gab ja auch nicht wenige vernünftige Leute damals, so viel mehr als heute. Die Kardinäle Browne, Bacci, Oddi, Staffa, Ruffini, Erzbischof Proenca Sigaud uvm. Lefebvre war da weder der Herausragendste, noch der Radikalste. Aber wie Du schon sagst: Es fehlte die Organisation ... und der Wille zu perfiden Machenschaften. Manche Sachen sind halt auch leichter, wenn man keinen Moralkodex hat. Oder zumindest scheint es erstmal so.

      Hör mir bloß auf mit NA. Ich muss gerade gefühlt 666 Veranstaltungen zum Thema meiden. Glücklicherweise gibt's von der philosophischen Fakultät eine Veranstaltung zu Teresa von Avila, da konnte ich mich hinflüchten. Und zu zweit im Raum ist es auch viel gemütlicher. :-D

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    2. Klasse! Das ist lernen in optimaler Kleingruppe. Mit den Dokumenten halte ich es mehr mit Bischof François-Nestor Adam

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