Montag, 17. August 2015

Maria zu (doll?) lieben, Alte-Messe-Molche und nach Das Konzil

»Wie nachkonziliar sind Alte-Messe-Molche eigentlich?«Diese Frage stellte ich kürzlich beim Fratzbuch in den virtuellen Raum. Ob Molch oder Nicht-Molch, als Nachgeborener hat man nolens volens sein Kreuz mit dem Konzil zu tragen. Heimelig wird einem, sichtet man Beton statt Barock, bei Siebald werden Kindheitserinnerungen wach*, bei Schubertmessen hakelt's dafür ... undsoweiterundsofort. Diese Tage beschäftigte mich aber noch etwas viel bedeutsameres, was mich mal wieder als Konzilskind (oder besser: Enkel) entlarvte. Ich frug mich, ob es denn nun so sein sollte, dass coram Sanctissimo sich alles Gebet um die Gottesmutter dreht. Und ertappte mich selbst doch irgendwo dabei, beim Rosenkranz gar ängstlich mich an die Christusmysterien zu klammern. Und dabei reichen wohl zwei Blicke auf hiesigen Blog, um zu wissen, dass es sich beim Denzingerkatholen um das handelt, was man - eher mit wenig Liebe - einen marianischen Maximalisten nennt. Wie kommt's? Wohl, weil man uns einbläute, man solle Maria ja nicht zu dolle verehren, das wäre nämlich ganz doll schlimm. (Nicht selten machten jene Vertreter dafür jedes tantröse Trara begeistert mit, das ist anscheinend gar nicht schlimm, oder da hört die Sorge um die gebührende Verehrung des Herrn eben auf).

Nun besuchte ich gestern den Heiland im Sakramente und las meinen Scheeben - Die bräutliche Gottesmutter - und siehe da! Die Antwort kam gleichsam vom Herrn höchstelbst via Seines Gelehrten. Und zeigte mir damit einen Aspekt, den ich so bis dato noch nicht kannte:
»Hinsichtlich des Verhältnisses der Verehrung Mariens zur Verehrung Christi machen wir namentlich auf einen Ritus aufmerksam, der bei oberflächlicher Betrachtung befremdlich vorkommt. Nach römischer Sitte wird bei den gewöhnlichen Aussetzungen des allerheiligsten Sakramentes die Lauretanische Litanei gesungen. Bei der Strenge, womit Rom darauf sieht, daß bei der Aussetzung des Allerheiligsten die ganze Andacht sich auf dieses konzentriere, kann darin nicht nur nicht eine Verdunkelung der Verehrung Christi durch die Verehrung Mariens liegen, man muß vielmehr annehmen, daß die Lauretanische Litanei hier geradezu den Charakter einer sakramentalischen, d.h. direkt auf die Verehrung des heiligen Sakramentes bezüglichen Andacht haben soll. Dazu ist sie in der Tat vorzüglich geeignet, wenn sie im Geiste der Kirche aufgefaßt wird. Denn wie wir Gott gerade dadurch am vollkommensten ehren, daß wir im heilige Meßopfer Christus seiner Menschheit nach zugleich zum nächsten Gegenstand, sowie zum Vorbild, Mittel und Träger unserer Anbetung machen: so ehren wir hier Christus in seiner Menschheit am vollkommensten dadurch, daß wir diejenige Person, die seiner Menschheit am nächsten steht und der Thron derselben ist, in unsere Verehrung hineinzuziehen, um sie zum Vorbild, zum Mittel, und zur Trägerin unserer Anbetung zu machen. Auf diese Weise wird sowohl subjektiv die Andachtsgesinnung mächtiger angeregt und höher gehoben als auch objektiv ein wertvolleres Ehrentribut geleistet.«

*Ich muss gestehen, eigentlich bin ich mit Thurmair, Rommel, Quack und Co. recht behütet aufgewachsen
Zitat: Ebd., S. 123.

Kommentare:

  1. Cim grano salis: Mit anverwandten Argumentationsketten ließen sich freilich allerhand Praktiken "rechtfertigen". Ich stehe dem immer mit einem gewissen Maß an Skepsis gegenüber.

    Andererseits wäre ich der Letzte, der eine Lauretanische Litanei vor ausgesetztem Allerheiligsten nicht schätzen würde - solange der restliche Kontext in der rechten Ordnung gestaltet ist. Zumal ... in der Tat, und da landen wir dann doch wieder irgendwo bei Scheeben ... Rufe wie "Thron der Weisheit" oder "Ursache unserer Freude" letztlich christologische Titel beinhalten, von der trinitarischen Einbettung aller Litaneien ganz abgesehen.

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    1. Warum habe ich nun mit Einspruch aus dieser Ecke gerechnet? :-)

      Naiverweise denke ich dennoch, dass sich für andere Praktiken allerhand Argumentationsketten basteln lassen, diese aber dennoch nicht an die oben angeführte heranreichen können, abusus non tollit usum (sive argumentationem), so wie kein anderer Mensch an die Gottesgebärerin, und erst recht nicht an den Gottmenschen heranreichen kann.
      Das die Litanei gewissermaßen auch materiell christologisch gebunden ist, steht vermutlich ohnehin außer Frage ...

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  2. Weiß nicht, ob der Parallelismus aufgeht: Christus seiner Menschheit nach verhalte sich zur Gott wie Maria zu Christus seiner Menschheit nach. Dass wir im Menschen Christus einen besonderen Zugang zu Gott haben, ist doch vor allem deshalb so, weil er eben zugleich auch Gott ist - und dieses Verhältnis hat die Gottesgebärerin zu Christus gerade nicht.

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    1. Wenn man das Thema von dieser Warte aus betrachten will: Freilich schulden wir der Menschheit Christi aufgrund der hypostatischen Union die fällige Verehrung. Nun steht aber die Mutterschaft der allerseligsten Jungfrau in einer echten Beziehung zur hypostatischen Union, zum einen mit der natürlichen Blutsverwandschaft, insofern Christus Mensch ist, aber auch durch eine Verwandschaft (affinitas bei Thomas) mit Gott in sich selbst. So ist die Gemeinschaft, die Vermählung der Jungfrau mit dem Logos, das vollkommenste Abbild der hypostatischen Union. Sie ist in ihr natürlich verschieden von der hypostatischen Union, und das ist Scheeben sicherlich auch klar, aber dennoch ist die Einheit Mariens mit Gott für uns Vorbild und Mittel zur Erlangung unserer Vereinigung mit Gott durch die Gnade.
      Wir wollen hier ja nicht Maria mit Christus ersetzen, aber es ist dennoch wahr, dass wir durch sie einen besonderen Zugang zu Christus und der ganzen Dreifaltigkeit finden.

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  3. Du hast schon lange nichts mehr veröffentlicht. Muss ich mir Sorgen machen?

    Oder liegt es daran, dass Du
    1. Prüfungsstress hast, oder
    2. Weltschmerz, oder
    3. Deine Ferien genießt, oder
    4. endlich einmal ein halbwegs akzeptables Foto mit der Canon schießen möchtest?

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    1. Du musst Dir keine Sorgen machen, Du darfst es aber!

      Zu:

      1) Ist überstanden, aber darum ging die Frequenz jüngst etwas zurück
      2) Immer! Und europamüd.
      3) Sagen wir es zumindest so: Ich habe Ferien.
      4) Das sowieso. Ich versuche gerade, die hohe Kunst des Kolibriknipsens zu meistern. Der Trick: Man muss den Finger schon am Auslöser haben, bevor sie da sind.

      Vielen Dank jedenfalls für die freundliche Nachfrage, ich werde es hoffentlich schaffen, mich zumindest ab und an zu melden.

      PS: Moment mal, soll das etwa heißen, meine bisherigen Canon-Fotos waren nicht halbwegs akzeptabel? :-D

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