Freitag, 7. August 2015

Gelangst Du nach Augsburg, wo Lech und Wertach fließen; dort sollst Du die Gebeine der heiligen Märtyrerin Afra verehren

Allmächtiger ewiger Gott, Du hast den Anfang der Kirche Augsburgs durch das kostbare Blutzeugnis der heiligen Jungfrau Afra licht gemacht; verleih gnädig, dass wir sie in ihrem standhaften Glauben nachahmen und so zu Deiner Herrlichkeit zu gelangen verdienen. Durch unsern Herrn.

Heimisch gewordene, so nennt Albert Krautheimer in seinem hagiographischen Werk jene Heilige dieser Breitengrade, die weder aus Deutschland kamen, noch jemals - zumindest zu Lebzeiten - in deutschen Landen auch nur einen Fuß gesetzt haben. Nun bin ich weder heilig noch diesem Lande fremd, aber versuche ich doch, ein wenig in Augsburg heimisch zu werden. Und wie lernt man das kirchliche Leben eines bestimmten Ortes oder einer bestimmten Region schon besser kennen, als durch ihre Heiligen?

Die heilige Afra, geht man von ihrem Namen oder ihren Lebensbeschreibungen aus, wird wohl auch in Augusta Vindelicorum heimisch geworden sein. Spätestens nach ihrem Martyrium im Jahr 304 - seitdem ist sie so fest mit dieser Stadt verbunden, dass sogar der in der Titelzeile zitierte Venantius Fortunatus Augsburg mit nichts anderem als der heiligen Märtyrerin verband. Und wahrscheinlich ruht sie auch seit dieser Zeit ziemlich genau dort, wo auch jetzt ihre Gebeine zur Verehrung erhoben worden sind. Die Basilika St. Ulrich und Afra steht in dem Bereich, wo zu römischer Zeit ein Friedhof lag, extra muros, wie damals üblich. Auch Christengräber finden sich hier, verrät uns die Archäologie. Als hätten wir das nicht schon längst gewusst!

Nur ... man mag es nach solch einer langen Geschichte kaum glauben ... fremdelt Stadt und Diözese Augsburg selbst etwas mit der Heiligen. Oder zumindest der ihr vorstehende Klerus. Der Kranz an farbenfrohen Erzählungen und Legenden wurde allmählich zerpflückt, ihre Hymnen, ihr Feste gestrichen, sogar ihre Mutter Hilaria wurde vollends aus dem Martyrologium getilgt. Nun wird uns die hl. Afra als eine unbekannte Märtyrerin vorgestellt, von der wir so gar nichts wissen.
Ganz unterkriegen lässt sich die Heilige aber nicht, schließlich hat sie ihr Heimatrecht nicht nur teuer erkauft, sondern mit ihrem Blut auch diesen Boden besiegelt und heilig gemacht ... sie hat eine kostbare Saat gestreut, aus der noch viele andere Heilige und Heiligmäßige hervorsprießen sollten. Der hl. Ulrich zum Beispiel, der ein großer Afra-Verehrer war. Und ganz vielleicht, so wage ich zu hoffen, geht das alles einmal aus, wie bei der hl. Barbara.

Doch genug tempora und mores gesagt, zu viel Buchstaben hab' ich nun schon auf diese eher traurige Angelegenheit verschwendet. Ich will gerne noch den eingangs erwähnten Krautheimer wiedergeben, der sein entsprechendes Kapitel mit dem Todesgebet der Heiligen schloss, eine etwas abgewandelte Variante aus der Passio Sanctae Afrae. Diese eindrückliche Bitte, so finde ich, bewegt das Herz eines jeden Christenmenschen - ein Zeugnis des Glaubens, der Hoffnung, der Liebe ... das jedes Geschwätz über Legendenbildung und Co. so unwahrscheinlich transzendiert. Und darum ist sie uns und bleibt sie uns eine große Heilige:
»Herr Gott, allmächtiger Jesus Christus, du kamst nicht, um die Gerechten zu rufen, sondern die Sünder zur Buße zu rühren. Du hast gesagt, und wahr ist deine Verheißung: zur selben Stunde, da der Sünde sich bekehrt von seinen Lastern, willst du vergessen, was er dir angetan hat. Sieh, vor dir allein bekenne ich meine Schuld und alles, was ich mit meinem Leib gesündigt habe. Ich weiß, dass ich keine würdige Sühne geleistet habe, aber ich bitte und beschwöre dich, o Barmherziger, nimm das Bekenntnis deines Namens als Buße und Genugtuung an und verwehre mir nicht, dein Antlitz zu schauen, sondern gib mir den Frieden deiner Heiligen!«
Heilige Afra, bitt' für uns!

Kommentare:

  1. Na, wenn Du jetzt für jeden Heiligen, der beginnt in >Vergessenheit< zu geraten so viele Worte übrig hast, macht es das doch alles ein wenig besser. ;-)
    "Verschriftlicht" ist das Gebet ebenso bemerkenswert! :)

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    1. Vergessen ist diese Heilige ja gottlob nicht! :) Man möchte sie nur gerne halb vergessen machen.

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