Dienstag, 25. August 2015

Die sexuelle Ordnung und das andere Konzil (5): Demographie und christliche Erziehung

»Im Abwägen demographischer Fragen ist es falsch, ja der menschlichen und christlichen Würde abträglich, die Fortpflanzung der Menschen und ihrer Familien einzig in Bezug auf ihren Nutzen für bürgerlichen Gesellschaft zu beurteilen, oder sie so zu betrachten und tatsächlich herabzuwürdigen, als wären sie eine tierische Spezies. Die Heilige Synode, während sie alle aufs Eindringlichste ermahnt, den Familien so viel Hilfe wie möglich bereitzustellen, die mit einer Vielzahl von Kindern belastet sind, verurteilt gleichzeitig aufs Schärfte die Empfehlung und Verbreitung schändlicher kontrazeptiver Mittel zur Beschränkung der Kinderzahl; anstatt das Wohl der Völker zu verteidigen, wie man heute manchmal vorgibt, verderben sie viel mehr die gesamte soziale Ordnung. Die Heilige Synode verurteilt auch all die Theorien, welche in irgendeiner Weise die Rechte der Kirche und der Familie in Bezug auf die Erziehung der Kinder verleugnet, oder die der bürgerlichen Autorität in diesem Gebiet die ersten Vorrechte einräumt; und sie verwirft aufs Heftigste diejenigen, die schändliche Gesetze, welche die Ehe und die Familie betreffen, direkt unterstützen oder formal mit ihrer Verabschiedung kooperieren. Im Bereich der Kindererziehung weist sie außerdem die Ansichten jedweder moralischen Lehre zurück, welche die Kirche derart verleumdet, als bevorzuge sie in ihrer sittlichen Erziehung, anstelle des Gesetzes der Freiheit und der Liebe, ausschließlich eine sittliche Erziehung, die sich auf Gesetze und auf Furcht stützt, sie sei negativ, und widerspräche, so sagen sie, der authentisch christlichen Lehre und Methode. Wie falsch solche Anschuldigen oder böswilligen Unterstellungen gegen die Kirche sind, wird offenbar, wenn man in Erinnerung ruft, dass die Kirche in ihrer Lehre über die christlichen Erziehung immer das Beipiel des göttlichen Lehrers vor Augen hatte, der [auf der einen Seite der Kirche und neues und großes Gebot der Nächstenliebe anvertraute, aber auf der anderen Seite] sogar die negativen Gebote des Dekalogs forderte (s. Mt 19,18), ja sogar die Selbstverleugnung und das Kreuz (s. Mt 16,24). Und wenn der Apostel, angeleitet vom göttlichen Geist, alle Gläubigen ermahnt, ihr Heil in Furcht und Zittern zu erwirken (s. Phil 1,12), dann werden jene wissen, die sich durch göttlichen Willen im gleichermaßen beschwerlichen und glorreichen Auftrag der christlichen Erziehung beschäftigen, dass diese Worte auf sie selbst aus zweierlei Gründen zutreffen.«
Schema der Theologischen Kommission: Von der Keuschheit, der Jungfräulichkeit, der Ehe und der Familie. II. Teil: Die Ehe und Familie. 5. Kap.: Die der christlichen Familie eigentümlichen Rechte, Pflichten und Tugenden.
AD II/III 1. Typis Polyglottis Vaticanis 1969, S. 130f. Ohne Fußnoten. Eine spätere Textvariante in eckigen Klammern.

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