Montag, 3. August 2015

Die sexuelle Ordnung und das andere Konzil (1): Die Keuschheit


Wie schon im Gesichtsbuch vermeldet, wird man hierzulande auf Katheder und cathedra schon ganz wuschig, wo die "Familien-Synode" in greifbare Nähe rückt. Deshalb von mir wieder etwas Gegengift wider die neuerlichen Versuche, kirchliche Lehre und natürliches Gesetz zu pervertieren ... oder noch weiter zu unterminieren.
Die hellsten Köpfe der Christenheit arbeiteten vor etwas mehr als fünfzig Jahren einen Entwurf aus, der in lichter Klarheit ... alles schon ziemlich geklärt hätte. Stattdessen schoss man mit der vielgefeierten Änderung des kirchlichen Eheverständnisse einen ganz gewaltigen Bock und öffnete Tür und Tor für allerlei Perversitäten. Dass nach Gaudium et Spes nicht auf einmal alles geht (und nichts muss), musste kurze Zeit später erst einmal durch Humanae vitae klargestellt werden. Trotzdem haben wir Nachgeborenen weiterhin damit zu kämpfen, was uns die Altvorderen mit dem Abschied von »einer einseitig genitalprokreativen Betrachtungsweise« eingebrockt haben.

Aber fangen wir erst einmal am Anfang an. Wie üblich belasse ich's aufgrund des höheren Krawallfaktors bei der Verurteilung der Irrtümer, welche jedes Kapitel des Schemas abschließt.
»Jene verstoßen schwer gegen die Lehre der Kirche, die behaupten, dass selbst im gesunden Menschen fast alles, einschließlich religiöser, moralischer und sogar übernatürlicher Angelegenheiten a priori durch die Sexualität zu erklären sei, mit der zusätzlichen Beschuldigung, dass die Seelenhirten ihres Amtes nicht würdig und fähig wären, wenn sie diese und andere moderne Postulate nicht kennen. Es ist außerdem ein Irrtum, innere Sünden wider die Keuschheit nicht anerkennen zu wollen oder die äußere Sünde selbst, anstatt nach den Lehren der Kirche, durch neue, z.B. psychoanalytische Kriterien zu beurteilen. Darum sind auch diejenigen Ansichten falsch, die schädlicherweise unterstellen, dass Handlungen, welche die traditionelle Ethik der Kirche als Verstoß gegen die Keuschheit betrachtet, stattdessen von der Natur selbst oder von der gesunden Entwicklung der menschlichen Person gefordert seien. Am schlechtesten ist es, daran festzuhalten, dass die sündhafte Liebe zwischen Personen gleichen Geschlechtes das Vorrecht einer höheren Kultur sei. 
Diese Heilige Synode verurteilt als höchstverderblich die Irrtümer jener, nach denen, wenn du es glaubst, vor allem und zuallererst im Bereich der Keuschheit, es nie oder fast nie schwere und subjektiv üble Akte gäbe, insbesondere in der Zeit der Jugend oder unter notorischen, gelegentlichen und rückfälligen Sündern, und zwar aufgrund der Annahme, dass ihnen die nötige Freiheit fehle; oder dass solche Handlungen tatsächlich unvermeidbar seien. Dieser Irrtum geht so weit, zu behaupten, dass es erlaubt sei, jemanden zu solch objektiv schweren Übeln zu führen, solange sie nur und höchstens materielle Sünden sind; oder auch, dass die besonderen Verpflichtungen der Keuschheit in der Jugendzeit praktisch nicht existieren, da von Jugendlichen a priori und universell angenommen werden müsste, dass ihnen die psychologische Reife fehle, und die Erfahrung mit einer Person anderen Geschlechts notwendig sei. 
Schließlich weist die Heilige Synode als schädlich die Irrtümer zurück, die daran festhalten, dass die Kirche durch ihre Lehre über die Keuschheit und Sittsamkeit einer gesunden und rüstigen Erziehung der Jugend schade. Diese Ansichten sind direkt gegen Gott gerichtet, da Gott selbst durch den Apostel spricht: "Unzucht und jede Unreinigkeit ... werde unter euch nicht einmal genannt, wie es Heiligen ziemt" (Eph 5,3).«
Schema der Theologischen Kommission: Von der Keuschheit, der Jungfräulichkeit, der Ehe und der Familie. I. Teil: Die Keuschheit und Jungfräulichkeit. 2. Kap.: Die Keuschheit und Jungfräulichkeit der Alleinstehenden. 
AD II/III 1. Typis Polyglottis Vaticanis 1969, S. 96. Ohne Fußnoten.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen