Freitag, 28. August 2015

Magne Pater Augustine


Großer Vater Augustinus, höre gnädig unser Flehn,
lass beim Schöpfer durch Dein Bitten, Heil uns und Versöhnung sehn.
Du, der Hirten schönste Zierde, wollst voran der Herde gehn!

Auch als Liebhaber der Armut, lobt Dich ja der Armen Heer,
und gerechte Richter lieben, Dich als starke Wahrheitswehr.
Honigwaben brichst Du für uns, aus der Offenbarung hehr!

Was vorher dunkel verborgen, machst Du sichtbar offen kund,
Süße Speise richtest Du uns, von Worten aus Erlösermund.
Durch den Trank vom Psalmennektar, machst Du unsre Seel gesund!

Für die Diener des Altares, setzt Du eine Regel auf,
die sie lieben und ihr folgen, enden siegreich ihren Lauf;
steigen unter Deiner Führung, zu den Zionshöhn hinauf!

Heil und Leben, Macht und Preise, Dir dem König aller Zeit. 
Lob und Ehre sei auf ewig, der heilgen Dreifaltigkeit; 
möge Er uns zu sich nehmen, in die ewge Seligkeit!

(nach dem Hymnus Magne Pater Augustine,
 hier und hier in verschiedenen Varianten vertont)

Bild: Hoher Dom zu Augsburg
Beim Kollegen findet man, wie sich der Predigerorden das dieser Tage zusammenreimt (nach unten scrollen)
Lateinischer Text im alten Dominikanerbrevier:

Dienstag, 25. August 2015

Die sexuelle Ordnung und das andere Konzil (5): Demographie und christliche Erziehung

»Im Abwägen demographischer Fragen ist es falsch, ja der menschlichen und christlichen Würde abträglich, die Fortpflanzung der Menschen und ihrer Familien einzig in Bezug auf ihren Nutzen für bürgerlichen Gesellschaft zu beurteilen, oder sie so zu betrachten und tatsächlich herabzuwürdigen, als wären sie eine tierische Spezies. Die Heilige Synode, während sie alle aufs Eindringlichste ermahnt, den Familien so viel Hilfe wie möglich bereitzustellen, die mit einer Vielzahl von Kindern belastet sind, verurteilt gleichzeitig aufs Schärfte die Empfehlung und Verbreitung schändlicher kontrazeptiver Mittel zur Beschränkung der Kinderzahl; anstatt das Wohl der Völker zu verteidigen, wie man heute manchmal vorgibt, verderben sie viel mehr die gesamte soziale Ordnung. Die Heilige Synode verurteilt auch all die Theorien, welche in irgendeiner Weise die Rechte der Kirche und der Familie in Bezug auf die Erziehung der Kinder verleugnet, oder die der bürgerlichen Autorität in diesem Gebiet die ersten Vorrechte einräumt; und sie verwirft aufs Heftigste diejenigen, die schändliche Gesetze, welche die Ehe und die Familie betreffen, direkt unterstützen oder formal mit ihrer Verabschiedung kooperieren. Im Bereich der Kindererziehung weist sie außerdem die Ansichten jedweder moralischen Lehre zurück, welche die Kirche derart verleumdet, als bevorzuge sie in ihrer sittlichen Erziehung, anstelle des Gesetzes der Freiheit und der Liebe, ausschließlich eine sittliche Erziehung, die sich auf Gesetze und auf Furcht stützt, sie sei negativ, und widerspräche, so sagen sie, der authentisch christlichen Lehre und Methode. Wie falsch solche Anschuldigen oder böswilligen Unterstellungen gegen die Kirche sind, wird offenbar, wenn man in Erinnerung ruft, dass die Kirche in ihrer Lehre über die christlichen Erziehung immer das Beipiel des göttlichen Lehrers vor Augen hatte, der [auf der einen Seite der Kirche und neues und großes Gebot der Nächstenliebe anvertraute, aber auf der anderen Seite] sogar die negativen Gebote des Dekalogs forderte (s. Mt 19,18), ja sogar die Selbstverleugnung und das Kreuz (s. Mt 16,24). Und wenn der Apostel, angeleitet vom göttlichen Geist, alle Gläubigen ermahnt, ihr Heil in Furcht und Zittern zu erwirken (s. Phil 1,12), dann werden jene wissen, die sich durch göttlichen Willen im gleichermaßen beschwerlichen und glorreichen Auftrag der christlichen Erziehung beschäftigen, dass diese Worte auf sie selbst aus zweierlei Gründen zutreffen.«
Schema der Theologischen Kommission: Von der Keuschheit, der Jungfräulichkeit, der Ehe und der Familie. II. Teil: Die Ehe und Familie. 5. Kap.: Die der christlichen Familie eigentümlichen Rechte, Pflichten und Tugenden.
AD II/III 1. Typis Polyglottis Vaticanis 1969, S. 130f. Ohne Fußnoten. Eine spätere Textvariante in eckigen Klammern.

Montag, 17. August 2015

Maria zu (doll?) lieben, Alte-Messe-Molche und nach Das Konzil

»Wie nachkonziliar sind Alte-Messe-Molche eigentlich?«Diese Frage stellte ich kürzlich beim Fratzbuch in den virtuellen Raum. Ob Molch oder Nicht-Molch, als Nachgeborener hat man nolens volens sein Kreuz mit dem Konzil zu tragen. Heimelig wird einem, sichtet man Beton statt Barock, bei Siebald werden Kindheitserinnerungen wach*, bei Schubertmessen hakelt's dafür ... undsoweiterundsofort. Diese Tage beschäftigte mich aber noch etwas viel bedeutsameres, was mich mal wieder als Konzilskind (oder besser: Enkel) entlarvte. Ich frug mich, ob es denn nun so sein sollte, dass coram Sanctissimo sich alles Gebet um die Gottesmutter dreht. Und ertappte mich selbst doch irgendwo dabei, beim Rosenkranz gar ängstlich mich an die Christusmysterien zu klammern. Und dabei reichen wohl zwei Blicke auf hiesigen Blog, um zu wissen, dass es sich beim Denzingerkatholen um das handelt, was man - eher mit wenig Liebe - einen marianischen Maximalisten nennt. Wie kommt's? Wohl, weil man uns einbläute, man solle Maria ja nicht zu dolle verehren, das wäre nämlich ganz doll schlimm. (Nicht selten machten jene Vertreter dafür jedes tantröse Trara begeistert mit, das ist anscheinend gar nicht schlimm, oder da hört die Sorge um die gebührende Verehrung des Herrn eben auf).

Nun besuchte ich gestern den Heiland im Sakramente und las meinen Scheeben - Die bräutliche Gottesmutter - und siehe da! Die Antwort kam gleichsam vom Herrn höchstelbst via Seines Gelehrten. Und zeigte mir damit einen Aspekt, den ich so bis dato noch nicht kannte:
»Hinsichtlich des Verhältnisses der Verehrung Mariens zur Verehrung Christi machen wir namentlich auf einen Ritus aufmerksam, der bei oberflächlicher Betrachtung befremdlich vorkommt. Nach römischer Sitte wird bei den gewöhnlichen Aussetzungen des allerheiligsten Sakramentes die Lauretanische Litanei gesungen. Bei der Strenge, womit Rom darauf sieht, daß bei der Aussetzung des Allerheiligsten die ganze Andacht sich auf dieses konzentriere, kann darin nicht nur nicht eine Verdunkelung der Verehrung Christi durch die Verehrung Mariens liegen, man muß vielmehr annehmen, daß die Lauretanische Litanei hier geradezu den Charakter einer sakramentalischen, d.h. direkt auf die Verehrung des heiligen Sakramentes bezüglichen Andacht haben soll. Dazu ist sie in der Tat vorzüglich geeignet, wenn sie im Geiste der Kirche aufgefaßt wird. Denn wie wir Gott gerade dadurch am vollkommensten ehren, daß wir im heilige Meßopfer Christus seiner Menschheit nach zugleich zum nächsten Gegenstand, sowie zum Vorbild, Mittel und Träger unserer Anbetung machen: so ehren wir hier Christus in seiner Menschheit am vollkommensten dadurch, daß wir diejenige Person, die seiner Menschheit am nächsten steht und der Thron derselben ist, in unsere Verehrung hineinzuziehen, um sie zum Vorbild, zum Mittel, und zur Trägerin unserer Anbetung zu machen. Auf diese Weise wird sowohl subjektiv die Andachtsgesinnung mächtiger angeregt und höher gehoben als auch objektiv ein wertvolleres Ehrentribut geleistet.«

*Ich muss gestehen, eigentlich bin ich mit Thurmair, Rommel, Quack und Co. recht behütet aufgewachsen
Zitat: Ebd., S. 123.

Sonntag, 16. August 2015

Ein untridentinischer Heiliger


Wo wir gerade schon mal bei getilgten oder ausgedünnten Heiligenfesten sind ... dem hl. Joachim spielte man auch übel mit, kaum fand er offiziell Eingang in den römischen Kalender, schon wurde er wieder daraus entfernt. Und zwar von keinem Geringeren als dem hl. Papst Pius V. Im ersten tridentinischen Messbuch findet man seinen Namen nicht. Um so mehr aber wollen wir ihn als mächtigen Fürsprecher anrufen ... und bitten, dass seine verbannten himmlischen Gefährten ebenso glorreich zurückkehren mögen. Damit wir dabei womöglich auch einen zeitlichen Maßstab haben: Der heilige Ahnherr Jesu brauchte seinerseits dafür fast einhundert Jahre.

O Joachim, Vater des erhabenen Mädchens,
das in Reinheit den eingeschlossenen Gott gebar,
Stell vor Gott unsre Klagen 
und keuschen Verlangen 

Du weißt, von welch wütenden Wogen wir getrieben werden,
wen das grausame Weltenmeer erschöpft:
Du weißt, welche Kämpfe der Satan
und das Fleisch uns bereitet.

Jetzt, da Du vereint bist mit den heiligen Truppen droben,
ja vielmehr, ihnen vorstehst, vermagst alles, wenn Du willst:
Denn mit Recht kann weder Dein Enkelsohn Jesus, noch Deine Tochter
Dir etwas verweigern.

Erlang für uns durch Dein Gebet, 
dass die selige Gottheit uns Nachlass und Frieden schenke:
Und dass wir mit Dir vereint
Ihr süße Hymnen erschallen lassen. 
Amen.

(aus dem altrömischen Brevier)

Bild: Muttergotteskapelle, Hoher Dom zu Augsburg
Und der Hymnus im Original:

Samstag, 15. August 2015

Unaussprechliches Geheimnis


Generosae diei dominicae genetricis inexplicabile sacramentum, tanto magis praeconabile, quantum est inter homines Assumptione Virginis singulare. Apud quem vitae integritas obtinuit Filium; et mors non invenit par exemplum ...
Unaussprechlich ist das Geheimnis dieses hehren Tages der Mutter des Herrn, um so preiswürdiger, je einzigartiger es unter den Menschen durch die Himmelfahrt der Jungfrau ist. In diesem Geheimnis sehen wir das unversehrte Leben einen Sohn erlangen; und einen Tod, der seinesgleichen nicht fand ...
(Präfation aus dem Missale Gothicum) 

Bild: Kuppelfresko der Marienkapelle im Hohen Dom zu Augsburg, Rekonstruktion des durch Brandbomben 1944 zerstörten Originals.

Freitag, 14. August 2015

Achse Paderborn-Rom (marianisch)

Warum Liturgiewissenschaft Spaß macht, habe ich gerade dieser Tage mal wieder gemerkt. Man braucht gar nicht lange suchen, oftmals überhaupt nicht, die Schätze dieser unversiegbaren Quelle fallen einem geradezu in den Schoß.

Der Kollege von Deo et Patria brachte uns nämlich die Übersetzung des Paderborner Eigenritus zur Kräuterweihe an Maria Himmelfahrt. Das lateinische Original gab es schon mal vor längerer Zeit auf selbigem Blog. Da fiel mir auf: Die abschließende Kollekte ist keine Unbekannte! Hier nochmal auf Latein und meine alternative Übertragung:
»Veneranda nobis, Domine, huius est diei festivitas, in qua sancta Dei Genitrix mortem subiit temporalem, nec tamen mortis nexibus deprimi potuit, quae Filium tuum Dominum nostrum de se genuit incarnatum.« 
»Verehrungswürdig ist uns, o Herr, die Feier des heutigen Tages, an dem sich die heilige Gottesgebärerin dem irdischen Tod unterwarf, aber von den Banden des Todes nicht niedergehalten werden konnte, da sie den fleischgewordenen Herrn, Deinen Sohn, aus sich geboren hat.«
Es handelt sich dabei um eine Oration aus dem Gregorianischen Sakramentar* und ist eines der schönsten Zeugnisse des Glaubens der alten Kirche an den Triumph der Gottesmutter über den Tod. Den gleichen Gedanken formulierte auch Johannes von Damaskus, desses Predigt über das Entschlafen der seligen Jungfrau Eingang ins Brevier gefunden hat: »Wie kann sie der Tod jemals verzehren? Wie das Grab sie empfangen? Wie konnte Verwesung in den Leibe dringen, in den das Leben aufgenommen worden ist?«**

Die Mutter des Erlösers, die neue Eva, ist so eng mit Sieg ihres Sohnes über den Tod verbunden, dass sie "von den Banden des Todes nicht niedergehalten werden konnte". Wäre das nicht der Fall, ihre Gleichförmigkeit mit Christus wäre dahin, sie wäre nicht Siegerin über den Tod, sondern Besiegte. Damit soll nicht gesagt werden, dass Maria aus gleichgroßen Gründen wie Christus auferstehen musste, aber wie die bezeugte Auferstehung Christi das Fundament des christlichen Glaubens und Hoffens ist, so ist die mitverbürgte Auferstehung Mariens, wie Scheeben es schreibt, die »Krönung des Glaubens an das objektiv vollendete Erlösungswerk und ein sekundäres Unterpfand christlicher Hoffnung.«***

Aber, worauf wollte ich hinaus ... genau: Schön, dass sich diese wichtige und so gehaltvolle Oration in unseren Landen erhalten hat. In einigen Eigenriten, etwa die der Dominikaner und der von Mailand, wird das Veneranda übrigens auch als Kollekte zum morgigen Fest verwendet.

* No. 457. PL 78, 401
** Orat. II de dormit. B.M.V.  (alte lectio vi)
*** Die bräutliche Gottesmutter. Aus dem Handbuch der Dogmatik herausgehoben und für weitere Kreise bearbeitet von Dr. Carl Feckes. Verlag Fredebeul u. Koenen: Essen 1951. S. 174. Hervorhebung im Original.

Mittwoch, 12. August 2015

Die Nächste, die mal heilig war

Auf dass sich die Hagioklasten nicht weiter versündigen mögen, zog sich so manch ein Heiliger zurück. Doch! Sie sind noch da. Und wer sie sucht, der findet sie.



Heilige Hilaria, bitt' für uns!

Aufgenommen in der Basilika St. Ulrich und Afra, Rückseite des Afra-Altares. 

Dienstag, 11. August 2015

Sonntag, 9. August 2015

Das Rätselbild Gottes


»Herr, laß geschehen, 
was Du willst: 
Ich bin bereit!
Auch wenn Du nie mein Sehnen stillst
in dieser Zeit.
Bist ja der Herr der Zeit,
das Wann ist Dein.
Dein ewiges Jetzt, einst wird es mein.«

Bei kaum einer anderen Heiligen, denke ich, verschmelzen Werk und Leben zu einer so großen Einheit, wie bei Edith Stein. Als Braut des Lammes erfüllt sie im Voraus das Endziel der Schöpfung, als sich in ihr Gott und Geschöpf vermählt, in der Dunkelheit des Verstandes begegnet sie Ihm, begreift nicht, wird ergriffen; mehr noch, ihr Leben, ihr Handeln, ihr Erleiden wird zur Kreuzeswissenschaft. Das letzte Kapitel ihres Opus hat sie nicht in Lettern, sondern mit Blut geschrieben. Die heitre Nacht, in die die süße Stimme des Bräutigams sie zur vollkommenen Vollendung ruft ... geht durch den Weg des grausamen Endes an finsterm Ort. Dass die Nacht um so dunkler, der Tod um so qualvoller ist, je mächtiger diese göttliche Liebeswerbung die Seele findet, erscheint uns oftmals rätselhaft ... wäre da nicht das Kreuz als Anhalts- und Haltepunkt. Durch das Kreuz können wir schon auf Erden hineinschauen in die geheimen Ratschlüsse Gottes, die uns in ihrer ganz lichten Klarheit erst in der ewigen Gemeinschaft mit Ihm offenbart werden.

»Laßt uns nicht richten,
daß wir nicht gerichtet werden!
Uns alle trügt der Dinge
 äuß'rer Schein.
Wir sehen Rätselbilder 
hier auf Erden,
der Schöpfer einzig
kennt das wahre Sein.«

Bild: Reliquiar unter dem Michaelsaltar in St. Ulrich und Afra, Augsburg.

Samstag, 8. August 2015

Die sexuelle Ordnung und das andere Konzil (4): Die göttliche Einsetzung der Familie, die Verschiedenheit der Geschlechter

So altbacken und staubig-schulmäßig, unzeitgemäß, fern der Sprache der Gläubigen, wie man die Arbeiten der theologischen Vorbereitungskommission gerne darstellte ... so prophetisch waren die Texte tatsächlich damals und so brandaktuell sind sie gerade heute:
»Es ist also ein Irrtum, den göttlichen Ursprung der Familie zu verleugnen und jene Ordnung umzustürzen, welche Gott in ihr eingerichtet hat, oder sie von der Leitung und dem Einfluss der göttlichen Ordnung und der Kirche wegzuführen. Deswegen verwirft diese Heilige Synode, während sie die Rechte der Frau verteidigt, jene üble Form der Emanzipation, durch die die Frau, sei es als Tochter oder Ehefrau oder Mutter, in ihrem eigentümliches Wesen, ihrer Funktion und Aufgabe, durch gewisse falsche Ansichten bezüglich der Gleichheit mit dem Mann entstellt wird. Ebensowenig billigt sie, dass andere, ja sogar die bürgerliche Autorität selbst, von einer gewissen falschen Überhöhung der Freiheit bewegt, zum Nachteil des Familienwohles die natürlichen und verschiedenen Qualitäten und Bestimmungen von Mann und Frau entweder leugnet oder herabmindert, oder schlimmer, praktisch zerstört.«
Schema der Theologischen Kommission: Von der Keuschheit, der Jungfräulichkeit, der Ehe und der Familie. II. Teil: Die Ehe und Familie. 3. Kap.: Die göttlich eingesetzte Ordnung der christlichen Familie.
AD II/III 1. Typis Polyglottis Vaticanis 1969, S. 125. Ohne Fußnoten.

Freitag, 7. August 2015

Gelangst Du nach Augsburg, wo Lech und Wertach fließen; dort sollst Du die Gebeine der heiligen Märtyrerin Afra verehren

Allmächtiger ewiger Gott, Du hast den Anfang der Kirche Augsburgs durch das kostbare Blutzeugnis der heiligen Jungfrau Afra licht gemacht; verleih gnädig, dass wir sie in ihrem standhaften Glauben nachahmen und so zu Deiner Herrlichkeit zu gelangen verdienen. Durch unsern Herrn.

Heimisch gewordene, so nennt Albert Krautheimer in seinem hagiographischen Werk jene Heilige dieser Breitengrade, die weder aus Deutschland kamen, noch jemals - zumindest zu Lebzeiten - in deutschen Landen auch nur einen Fuß gesetzt haben. Nun bin ich weder heilig noch diesem Lande fremd, aber versuche ich doch, ein wenig in Augsburg heimisch zu werden. Und wie lernt man das kirchliche Leben eines bestimmten Ortes oder einer bestimmten Region schon besser kennen, als durch ihre Heiligen?

Die heilige Afra, geht man von ihrem Namen oder ihren Lebensbeschreibungen aus, wird wohl auch in Augusta Vindelicorum heimisch geworden sein. Spätestens nach ihrem Martyrium im Jahr 304 - seitdem ist sie so fest mit dieser Stadt verbunden, dass sogar der in der Titelzeile zitierte Venantius Fortunatus Augsburg mit nichts anderem als der heiligen Märtyrerin verband. Und wahrscheinlich ruht sie auch seit dieser Zeit ziemlich genau dort, wo auch jetzt ihre Gebeine zur Verehrung erhoben worden sind. Die Basilika St. Ulrich und Afra steht in dem Bereich, wo zu römischer Zeit ein Friedhof lag, extra muros, wie damals üblich. Auch Christengräber finden sich hier, verrät uns die Archäologie. Als hätten wir das nicht schon längst gewusst!

Nur ... man mag es nach solch einer langen Geschichte kaum glauben ... fremdelt Stadt und Diözese Augsburg selbst etwas mit der Heiligen. Oder zumindest der ihr vorstehende Klerus. Der Kranz an farbenfrohen Erzählungen und Legenden wurde allmählich zerpflückt, ihre Hymnen, ihr Feste gestrichen, sogar ihre Mutter Hilaria wurde vollends aus dem Martyrologium getilgt. Nun wird uns die hl. Afra als eine unbekannte Märtyrerin vorgestellt, von der wir so gar nichts wissen.
Ganz unterkriegen lässt sich die Heilige aber nicht, schließlich hat sie ihr Heimatrecht nicht nur teuer erkauft, sondern mit ihrem Blut auch diesen Boden besiegelt und heilig gemacht ... sie hat eine kostbare Saat gestreut, aus der noch viele andere Heilige und Heiligmäßige hervorsprießen sollten. Der hl. Ulrich zum Beispiel, der ein großer Afra-Verehrer war. Und ganz vielleicht, so wage ich zu hoffen, geht das alles einmal aus, wie bei der hl. Barbara.

Doch genug tempora und mores gesagt, zu viel Buchstaben hab' ich nun schon auf diese eher traurige Angelegenheit verschwendet. Ich will gerne noch den eingangs erwähnten Krautheimer wiedergeben, der sein entsprechendes Kapitel mit dem Todesgebet der Heiligen schloss, eine etwas abgewandelte Variante aus der Passio Sanctae Afrae. Diese eindrückliche Bitte, so finde ich, bewegt das Herz eines jeden Christenmenschen - ein Zeugnis des Glaubens, der Hoffnung, der Liebe ... das jedes Geschwätz über Legendenbildung und Co. so unwahrscheinlich transzendiert. Und darum ist sie uns und bleibt sie uns eine große Heilige:
»Herr Gott, allmächtiger Jesus Christus, du kamst nicht, um die Gerechten zu rufen, sondern die Sünder zur Buße zu rühren. Du hast gesagt, und wahr ist deine Verheißung: zur selben Stunde, da der Sünde sich bekehrt von seinen Lastern, willst du vergessen, was er dir angetan hat. Sieh, vor dir allein bekenne ich meine Schuld und alles, was ich mit meinem Leib gesündigt habe. Ich weiß, dass ich keine würdige Sühne geleistet habe, aber ich bitte und beschwöre dich, o Barmherziger, nimm das Bekenntnis deines Namens als Buße und Genugtuung an und verwehre mir nicht, dein Antlitz zu schauen, sondern gib mir den Frieden deiner Heiligen!«
Heilige Afra, bitt' für uns!

Mittwoch, 5. August 2015

Die sexuelle Ordnung und das andere Konzil (3): Rechte, Pflichten und Tugenden der Ehe

Heribert Schauf, inzwischen vielleicht durch die Arbeiten Alexandra von Teuffenbachs wieder etwas bekannter, wies 1978 im Rückblick auf die Promulgation von Humanae vitae auf das theologische Gewicht des hier auszugsweise zitierten Schemas der theologischen Kommission hin - im krassen Gegensatz zur Bedeutung der Meinung jener Kommission, von der sich der hl. Vater vor der Veröffentlichung der Enzyklika hat beraten lassen. Grund dafür ist letztlich nichts anderes als der Rückgriff auf das beständige Lehramt der Kirche. Leider kann ich das hier aus Platz- und Zeitgründen wenig deutlich machen, denn der Fußnotenapparat zu den einzelnen Kapiteln umfasst häufig mehrere Seiten.
»Die Heilige Synode muss sogenannte Ehen 'auf Zeit', 'auf Probe' oder 'freundschaftliche' Ehen scharf verurteilen. Sie weist auch jene Anleitungen als des Menschen und mehr noch des Christen unwürdig zurück, mit denen durch verschiedene Kunstgriffen ein echter Hedonismus in der geweihten und heiligen Ehe gefördert wird. Sie verwirft ebenso die Theorien, nach der die Verletzung der ehelichen Treue den Eheleuten grundsätzlich erlaubt sei, oder wenn die gegenseitige Liebe des Paares abgenommen habe, oder wenn der Sexualtrieb nicht mehr in den Grenzen des monogamen Ehebandes gewahrt werden könne. Es ist ebenso falsch zu behaupten, dass sich die bürgerliche Autorität selbst keiner Gewalt erfreut, Ehebrecher zu strafen, und zwar mit einer gleichen Strafe sowohl für Männer als auch für Frauen. Sie tadelt auch jene, die sagen, und tatsächlich unter dem Vorwand des Wohles der Kirche, dass Mischehen im Allgemeinen und an sich gefördert anstatt viel mehr toleriert werden sollten. Im Irrtum ist auch der Satz, der behauptet, eine Ehe könne allein aufgrund eines Scheiterns der Liebe für ungültig oder aufgelöst erklärt werden. Letztlich muss die Heilige Synode die sogenannte 'freie Liebe' aufs Schärfste verurteilen, durch die, unter dem falschen Vorwand, eine neue Brüderlichkeit und Gemeinschaft zu errichten, gegen die göttliche Ordnung gesündigt, und nicht nur der Ehe, sondern auch der Familie und Gesellschaft eine tödliche Wunde zugefügt wird.«   
Schema der Theologischen Kommission: Von der Keuschheit, der Jungfräulichkeit, der Ehe und der Familie. II. Teil: Die Ehe und Familie. 2. Kap.: Die Rechte, Pflichten und Tugenden, die der christlichen Ehe zu eigen sind. 
AD II/III 1. Typis Polyglottis Vaticanis 1969, S. 117f. Ohne Fußnoten.

Schaufs Artikel in der entsprechenden Ausgabe von Theologisches kann hier nachgelesen werden (S. 2776ff bzw. S. 4f im PDF).

Dienstag, 4. August 2015

Die sexuelle Ordnung und das andere Konzil (2): Die göttliche Einrichtung der Ehe

»Die Heilige Synode weiß, wie sehr das Heil des Mystischen Leibes Christi von der rechten Anerkennung der göttlichen Ordnung in Bezug auf die Ehe abhängt. Um sie zu verteidigen, ist es ihre erste Pflicht, all die radikalen Irrtümer derjenigen zu verurteilen, die behaupten, dass die Ehre ihrem Ursprung und ihrer Einrichtung nach ein lediglich soziales Phänomen in andauernder Entwicklung wäre, und dass sie nicht von Gott und von Christus kommt und in der neuen Heilsökonomie nicht der Gewalt der Kirche unterliegen würde. Gleichsam verurteilt sie diejenigen Irrtümer, die daran festhalten, dass die Ehe von Christen entweder kein Sakrament sei, oder dass das Sakrament selbst etwas Beigefügtes und vom Vertrag selbst trennbar sei. Sie weist auch die Ansicht derjenigen zurück, die sagen, dass der Gebrauch der Ehe das bestimmte Mittel für das Erlangen der Vollkommenheit sei, durch die der Mensch wahrhaft und eigentlich ein Abbild Gottes und der Allerheiligsten Dreifaltigkeit würde. Auch verdammt sie jene Meinung, die hält, dass der Ehestand an sich in der objektiven Ordnung besser sei als der Stand der Jungfräulichkeit oder das Eingehen des Zölibates des Gottesreiches wegen, oder auch, dass das Band des heiligen Zölibates ohne Wert, ja, dass er heute unmöglich sei und die Befugnisse der Kirche überschreite und gemäß dem Willen des Einzelnen gelockert werden müsste. Sie missbilligt aufs Strengste die Irrtümer und Theorien, durch die die unabänderliche göttliche Ordnung in Bezug auf die Eigenschaften und Zwecke der Ehe verleugnet werden. Und sie widerlegt namentlich als höchste Verleumdung jene Behauptung, die Unauflöslichkeit der Ehe stamme nicht von Gott, sondern sei eine grausame Erfindung der Kirche, die nicht weniger grausam beibehalten würde. Letztlich weist sie die Theorien zurück, durch die, in einer Verkehrung der rechten Werteordnung, der primäre Ehezweck weniger geschätzt wird als biologische und persönliche Werte; und die eheliche Liebe, in der objektiven Ordnung, selbst zum ersten Zweck ausgerufen wird.«
Schema der Theologischen Kommission: Von der Keuschheit, der Jungfräulichkeit, der Ehe und der Familie. II. Teil: Die Ehe und Famile. 1. Kap.: Die göttlich eingerichtete Ordnung der christlichen Ehe. 
AD II/III 1. Typis Polyglottis Vaticanis 1969, S. 107. Ohne Fußnoten.

Montag, 3. August 2015

Die sexuelle Ordnung und das andere Konzil (1): Die Keuschheit


Wie schon im Gesichtsbuch vermeldet, wird man hierzulande auf Katheder und cathedra schon ganz wuschig, wo die "Familien-Synode" in greifbare Nähe rückt. Deshalb von mir wieder etwas Gegengift wider die neuerlichen Versuche, kirchliche Lehre und natürliches Gesetz zu pervertieren ... oder noch weiter zu unterminieren.
Die hellsten Köpfe der Christenheit arbeiteten vor etwas mehr als fünfzig Jahren einen Entwurf aus, der in lichter Klarheit ... alles schon ziemlich geklärt hätte. Stattdessen schoss man mit der vielgefeierten Änderung des kirchlichen Eheverständnisse einen ganz gewaltigen Bock und öffnete Tür und Tor für allerlei Perversitäten. Dass nach Gaudium et Spes nicht auf einmal alles geht (und nichts muss), musste kurze Zeit später erst einmal durch Humanae vitae klargestellt werden. Trotzdem haben wir Nachgeborenen weiterhin damit zu kämpfen, was uns die Altvorderen mit dem Abschied von »einer einseitig genitalprokreativen Betrachtungsweise« eingebrockt haben.

Aber fangen wir erst einmal am Anfang an. Wie üblich belasse ich's aufgrund des höheren Krawallfaktors bei der Verurteilung der Irrtümer, welche jedes Kapitel des Schemas abschließt.
»Jene verstoßen schwer gegen die Lehre der Kirche, die behaupten, dass selbst im gesunden Menschen fast alles, einschließlich religiöser, moralischer und sogar übernatürlicher Angelegenheiten a priori durch die Sexualität zu erklären sei, mit der zusätzlichen Beschuldigung, dass die Seelenhirten ihres Amtes nicht würdig und fähig wären, wenn sie diese und andere moderne Postulate nicht kennen. Es ist außerdem ein Irrtum, innere Sünden wider die Keuschheit nicht anerkennen zu wollen oder die äußere Sünde selbst, anstatt nach den Lehren der Kirche, durch neue, z.B. psychoanalytische Kriterien zu beurteilen. Darum sind auch diejenigen Ansichten falsch, die schädlicherweise unterstellen, dass Handlungen, welche die traditionelle Ethik der Kirche als Verstoß gegen die Keuschheit betrachtet, stattdessen von der Natur selbst oder von der gesunden Entwicklung der menschlichen Person gefordert seien. Am schlechtesten ist es, daran festzuhalten, dass die sündhafte Liebe zwischen Personen gleichen Geschlechtes das Vorrecht einer höheren Kultur sei. 
Diese Heilige Synode verurteilt als höchstverderblich die Irrtümer jener, nach denen, wenn du es glaubst, vor allem und zuallererst im Bereich der Keuschheit, es nie oder fast nie schwere und subjektiv üble Akte gäbe, insbesondere in der Zeit der Jugend oder unter notorischen, gelegentlichen und rückfälligen Sündern, und zwar aufgrund der Annahme, dass ihnen die nötige Freiheit fehle; oder dass solche Handlungen tatsächlich unvermeidbar seien. Dieser Irrtum geht so weit, zu behaupten, dass es erlaubt sei, jemanden zu solch objektiv schweren Übeln zu führen, solange sie nur und höchstens materielle Sünden sind; oder auch, dass die besonderen Verpflichtungen der Keuschheit in der Jugendzeit praktisch nicht existieren, da von Jugendlichen a priori und universell angenommen werden müsste, dass ihnen die psychologische Reife fehle, und die Erfahrung mit einer Person anderen Geschlechts notwendig sei. 
Schließlich weist die Heilige Synode als schädlich die Irrtümer zurück, die daran festhalten, dass die Kirche durch ihre Lehre über die Keuschheit und Sittsamkeit einer gesunden und rüstigen Erziehung der Jugend schade. Diese Ansichten sind direkt gegen Gott gerichtet, da Gott selbst durch den Apostel spricht: "Unzucht und jede Unreinigkeit ... werde unter euch nicht einmal genannt, wie es Heiligen ziemt" (Eph 5,3).«
Schema der Theologischen Kommission: Von der Keuschheit, der Jungfräulichkeit, der Ehe und der Familie. I. Teil: Die Keuschheit und Jungfräulichkeit. 2. Kap.: Die Keuschheit und Jungfräulichkeit der Alleinstehenden. 
AD II/III 1. Typis Polyglottis Vaticanis 1969, S. 96. Ohne Fußnoten.