Donnerstag, 9. Juli 2015

Wo unsre Kraft nicht langt

»Wie oft des Sieges süße Botschaft, 
Fried' erklang, Durch Ihre Macht,
 welch Freud' Ihr Lächeln den alten Vätern bracht.«


Einen gewohnt tiefschürfenden Beitrag zum Fest der Friedenskönigin gibt es beim Kollegen Andreas zu lesen. Inhaltlich kann ich dem kaum noch etwas hinzufügen. Beisteuern möchte ich dabei nur eine Sache, und zwar ein Mittel zur Erlangung des Friedens: den hl. Rosenkranz.
Aus der dunkelkatholischen Ecke kommend mag dieser Hinweis kaum überraschen - und schließlich wurde er uns von vielen Päpsten anempfohlen. Vielen mag das aber eher befremdlich erscheinen, und ob wir es eingestehen wollen oder nicht, vielleicht mutet der ein oder andere Aspekt althergebrachter Frömmigkeit uns ebenfalls seltsam an. Wenn wir da vom Rosenkranz als Waffe hören, vom Niederschlagen von Irrlehren oder vom Sieg über heidnische Feinde ... dann kann das bisweilen sogar abstoßend wirken. Zu sehr hat sich das Empfinden der Menschen verändert, zu sehr haben sich die Katastrophen des letzten Jahrhunderts in unseren Köpfen eingebrannt. Aber noch entscheidender die Frage: Was sollen diese fünfzig Perlen gegen das millionenfache Leiden nutzen?

Einen möglichen Antwortversuch, einen Schlüssel gibt uns Pius XII. in der Einleitung seiner Enzyklika Communium interpretes vom April 1945 an die Hand: »Wir wissen aber auch zur Genüge, dass menschliche Kräfte allein hier versagen müssen.« In der menschlichen Kraft liegt es tatsächlich, ein furchtbares Zerstörungswerk zu schaffen. Im Übel allein ist es, wo der Mensch gleichsam als furchtbare Karikatur des Schöpfer wirkt. Und sollen die Nachkommen Adams jene Wunden heilen können, die sie sich selbst zugefügt haben? Ich denke, es sind auch wieder die Erfahrungen der letzten hundert Jahre, die uns gelehrt haben, dass wir dieser Aufgabe nicht gewachsen sind. Ob Völkerfreundschaft, Völkerbund oder Vereinte Nationen - so wichtig und gut Friedensvorhaben sind, so sehr sind sie doch auch immer vom Scheitern bedroht. Wir wissen alle, wie langanhaltend Zwiste im Kleinen, im zwischenmenschlichen Bereich anhalten können, wie unzufrieden wir mit jedem Kompromiss oder jeder Niederlage sind. Wie soll da nach Krieg und Not auf einmal Gerechtigkeit und Ausgleich und Versöhnung herrschen können?

Der Friede kann niemals nur ein menschliches Werk sein, er ist zuallererst Gabe Gottes. Das gläubige Volk hat schon früh erkannt, dass es da ganz besonderes bei Maria Schutz und Zuflucht, und eine sichre Fürsprecherin finden kann. Ich selbst bin mit diesem Motiv gewissermaßen aufgewachsen, oft betrachtete ich das Bild der Madonna von Stalingrad, welches das Wappen der örtlichen Garnison ziert. Die allerseligste Jungfrau hat die Sorgen dieser Welt gekannt, und auch den Schmerz und das bittre Leid auf Golgotha.
Gerechtigkeit und Liebe sind allein das Fundament des wahren Friedens, der vom Himmel kommt. Und sie sind enthalten in der Botschaft des Evangeliums, das wir im Rosenkranzgebet betrachten. So richten wir mit dem marianischen Psalter nicht nur unser Gebet an eine mächtige Mittlerin, sondern wir legen selbst schon die Grundlage des Friedens in unseren Herzen, indem wir uns gleichförmig machen, machen lassen. Willst Du Frieden, schreibt Augustinus, so ändere Dein Herz und handle gerecht. So wird das Reich Gottes, das Reich Jesu Christi, welches ein Reich des Friedens ist, in uns beginnen.

Bild: Aufgenommen in der Rosenkranzbasilika, Berlin.
Eingangszeilen der Elegie Adjutrici Christianorum Leos XIII. entnommen und frei übertragen.

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