Montag, 27. Juli 2015

Von der Hand zum Beweger

»Zu versuchen, sich der Notwendigkeit einer Quelle zu entledigen, 
hieße zu sagen, dass eine Uhr ohne Federn laufen kann, 
vorausgesetzt, sie hat eine unendliche Anzahl von Zahnrädern.« 
Garrigou-Lagrange

Ergebnis der letzten beiden Beiträge war, dass wesentlich geordnete Kausalketten im Hier und Jetzt, in jedem Moment, auf einen ersten Beweger zurückgehen müssen. Mit dem Beispiel des hl. Thomas vom Stock und der Hand habe ich versucht, das ein wenig deutlich zu machen. Aber streng genommen haben wir hier auch wieder ein kleines Problem: die Hand ist nämlich kein erster Beweger. Sie hängt nämlich von der Bewegung des Armes, dem Anspannen von bestimmten Muskeln usw. ab.

Um zu verstehen, worum es bei diesem Regress eigentlich geht, und warum und wie er zu einem Ende gebracht werden muss, müssen wir uns an einen Grundgedanken des Aquinaten erinnern. Für ihn ist Bewegung oder Veränderung das Übergehen von der Potenzialität in den Akt, von der Möglichkeit in die Wirklichkeit oder Tatsächlichkeit. Wenn wir also sagen, dass etwas bewegt wird, das wiederum von einem anderen bewegt wird und immer so weiter, dann heißt das eigentlich nichts anderes, als dass eine bestimmte Potenzialität von etwas in den Akt überführt worden ist (oder aktualisiert wurde), welches wiederum von etwas aus der Potenzialität in den Akt überführt worden ist ... und immer so weiter.

Ein Ende können wir hier nur da finden, wo etwas nicht selbst aktualisiert, in den Akt überführt worden ist. Etwas, dass nur im Akt oder aktual ist, etwas Unbewegtes. Die Potenzialität der Hand zur Bewegung wird hier und jetzt durch die Anspannung von Muskeln aktualisiert, die Potenzialität der Muskeln zur Anspannung wird hier und jetzt durch Motoneuronen aktualisiert und so weiter. Der Prozess muss irgendwann von etwas aktualisiert werden, was nicht wiederum selbst aktualisiert wird. Und das ist der unbewegte Beweger.

Hier schließt sich gewissermaßen der Kreis, mit dem ich die Teilserie begonnen habe.

Kommentare:

  1. Das Eingangszitat finde ich sehr schön... ;-)

    Nachdem ich bemerkt hab, dass ich bereits den Anfang der Teilserie schon wieder vergessen hatte, werd ich mir die "Serie" wohl nochmal im Ganzen durchlesen. :-)
    Also subtile (oder auch nicht so subtile) Kritik: In Zukunft so viel Zeit zwischen zusammenhängenden Beiträgen lassen. ;-)

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    1. Ich gelobe ... nein ... bemühe mich um Besserung. ;-)

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