Samstag, 25. Juli 2015

Der Pinsel malt nicht selbst (2)

Zuletzt ging es um die wesentlich geordneten Kausalketten, bei der jedes Glied vom vorherigen abhängig ist. Dieser Gedanke ist ganz zentral für den Beweis aus der Bewegung, aber zur Kontrastierung zunächst einmal ein Beispiel für akzidentell, zufällig geordnete Serien von Ursachen.

Hier ist die ursächliche Tätigkeit irgendeines Gliedes in der Kette nicht wesentlich abhängig von einem vorhergehenden Glied. Anschaulich gemacht: Abraham zeugte Isaak, Isaak zeugte Jakob, Jakob zeugte Josef. Nachdem Isaak von Abraham gezeugt worden ist - und die entsprechende Reife erlangt hat - ist er selbst dazu fähig, Jakob zu zeugen. Es macht nichts, wenn Abraham in der Zwischenzeit stirbt, er ist nicht länger von ihm abhängig. Natürlich würde er ohne Abraham nicht existieren, aber da er nun existiert, hat er selbst die Befähigung, einen Sohn zu zeugen. Abraham spielt dabei keine Rolle mehr.

In dieser Art von Kausalketten müssen wir die Tätigkeit irgendeines Gliedes nicht zurückverfolgen. Anders als die Hand, die Stab und Stein als Instrument verwendet, zeugt Jakob selbst den Josef, nicht etwa Abraham, der Isaak und Jakob als Instrument gebraucht.

Was will uns Thomas also sagen? Es liegt in der Natur von wesentlich geordneten Kausalketten, einen ersten Beweger zu haben. Er ist die Quelle aller nachfolgenden Ursachen. Wenn er wegfällt, hört die Kette auf zu existieren und Stab und Stein und Blatt bewegen sich nicht. Hier einen unendlichen Regress anzunehmen macht schlichtweg keinen Sinn. Alles Bewegte wird von einem Anderen bewegt.

Der sehr viel später geborene Ordensbruder des Aquinaten, Sertillanges, drückte den Gedanken sehr schön aus: Wer sagt, dass instrumentelle Ursachen ins Unendliche gehen können, der kann auch sagen, dass ein Pinsel selber malen kann, vorausgesetzt, der Stiel ist lang genug.

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