Freitag, 24. Juli 2015

Der Pinsel malt nicht selbst (1)

Wir sind vor einiger Zeit beim ersten Beweis, dem Beweis aus der Bewegung, und seinen zugrundeliegenden philosophischen Prinzipien stehen geblieben. Dabei haben wir festgestellt, dass alles, was in Bewegung ist, wiederum von einem anderen bewegt wird. Für einen Gottesbeweis reicht das aber nicht aus. Dazu brauchen wir noch die zweite Proposition: Es gibt keinen unendlichen Regress in einer Serie von Bewegern, die wirklich und wesentlich untergeordnet sind.

Der Satz basiert auf dem Prinzip der Kausalität und hat gar nichts mit einer vermeintlichen Annahme zu tun, dass eine unendliche und unzählbare Vielheit nicht existieren könnte. Bei akzidentell untergeordneten Ursachen wäre es, so Thomas, theoretisch möglich, dass sie ins Unendliche gehen. Darum muss er Aristoteles nicht vollkommen darin widersprechen, wenn er sagte, dass die Welt keinen Anfang in der Zeit hat, dass sie unendlich ist - das könnte sie aus rein philosophischer Sicht nämlich tatsächlich sein. Ein großer Streitpunkt in den Universitäten seiner Zeit.

Was ist jetzt aber der Unterschied zwischen essenziell (oder per se) geordneten Kausalketten und akzidentell (zufällig) geordneten Kausalketten? Für die erstere Variante bringt der Aquinate das Beispiel vom Stab und der Hand. Der Stab bewegt sich nur, wenn er von der Hand bewegt wird, er hängt vollkommen von ihr ab. Die Serie ließe sich aber noch weiter führen. Der Stab kann einen Stein bewegen und der wiederum ein Blatt. Das Blatt hängt von der Bewegung des Steines ab, der Stein vom Stab und der Stab von der Hand. Stoppt irgendein übergeordnetes Glied in dieser Kette, dann hört auch sofort jede untergeordnete Bewegung auf - die Kraft der Stabes und die des Steines hängt vollkommen von der Hand ab.
So lässt sich streng genommen sagen, nicht der Stein bewegt das Blatt und nicht der Stab, der den Stein bewegt - die Hand bewegt alles, sie benutzt den Stein als Instrument, um das Blatt zu bewegen, und den Stab als Instrument zur Bewegung des Steines.

Beim nächsten Mal geht es weiter mit den akzidentellen, zufällig geordneten Kausalketten ... und ich komme dann hoffentlich auch dazu, zu erklären, was es mit dem Titel auf sich hat.

Kommentare:

  1. Again...

    Ich vermute mal das Teil 2 des Beitrags spannender wird und wenn du dir nun nicht wieder einen Monat Zeit damit lässt, weiß vielleicht sogar ich noch die Sache mit dem Stab-Stein-Blatt.
    Das hätte man übrigens sicher auch schön bildlich darstellen können (und DAMIT hättest du sogar etwas Bezug zu dem Titel gehabt ;-) )

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    1. Du sollst doch denken, liebe Carina, nicht gucken. ;-) (Und hätte ich tatsächlich allen Ernstes einen Stab mit Stein und Blatt fotographieren sollen?!)

      Der nächste Teil kommt, so Gott will, morgen.

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    2. Natürlich nicht!
      Aber Du hättest Dich künstlerisch betätigen können (den Pinsel was malen lassen...), das wäre sicherlich in Erinnerung geblieben - Ein bisschen mehr Einsatz! :-D

      Dann warten wir mal ab was der morgige Tag bringen wird und hoffen auf Gottes guten Willen. :-)

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    3. Das Beispiel mit dem Stab kommt vom hl. Thomas, Stock und Blatt von Edward Feser, und der Pinsel, der da heute Verwendung finden soll, von Sertillanges. Das hat schon alles seine Ordnung und seinen Grund. ;-)

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