Montag, 27. Juli 2015

Der Dinge erhaltende Kraft

Noch ein ganz kleiner Nachtrag mit geistlicher Note zum ersten der fünf Wege. Man könnte noch viel sagen, und es gibt viele alte und moderne Einwände. Aber irgendwann muss es wohl auch einmal weitergehen. Schließen will ich mit einem weiteren sinnenfälligen Beispiel aus der Feder Sertillanges:
»Ein Seemann hält den Anker auf einem Schiff, das Schiff trägt den Seemann, das Meer lässt das Boot schwimmen, die Erde trägt das Meer, die Sonne hält die Erde fest in ihrem Kurs, und ein unbekannter Anziehungspunkt lässt die Sonne an ihrem Platz verbleiben. Aber was dann? [...] Wir können auf diese Weise nicht ad infinitum in einer Serie von Ursachen gehen, die wirklich untergeordnet sind.«
Eigentlich führen wir aber die Kette nicht zu einem Anfangspunkt in der Zeit, wie das Zitat nahelegen könnte, Er steht viel mehr tragend über ihr. Mit dem ersten Gottesbeweis gelangen wir zu einem ersten Beweger, der in keiner Art und Weise wird, ohne den nur Nichts wäre, der transzendent und wesentlich von der wandelbaren Welt verschieden ist. Er ist nicht auf bloße Materie beschränkt, sondern beherrscht alle beseelten und vernunftbegabten Wesen. Er ist der persönliche Gott, in dem wir leben, uns bewegen und in dem wir sind (Apg 17,28), der Gott, von dem die Liturgie singt:
Rerum Deus, tenax vigor
Immotus in te permanens.*
Gott, Du der Dinge erhaltende Kraft,
unbewegt in Dir selbst verbleibend. 

*ambrosianischer Hymnus zur Non 

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