Sonntag, 31. Mai 2015

Dreifaltigkeits-Katechese

Für einen anderen Zweck wurden nachfolgende Zeilen geschrieben,
aber sie dürften sich auch zur Feier des heutigen Festes eignen.

Wenn man von einer göttlichen Person spricht, dann spricht man auch von den anderen. […]

Zunächst einmal ist die Person ein Individuum. Zur Persönlichkeit gehört aber vor allem auch, denken und lieben zu können, denn bei Personen handelt es sich immer um Geistwesen. Dass es sich bei uns Menschen um Personen handelt, wird jeder schon intuitiv verstehen. Wie ist es aber bei Gott? Gott ist, er ist das Denken, die Intelligenz, er ist die Liebe. Und das alles in höchstem Grade, so wie es kein Mensch jemals erreichen könnte. Daher ist Gott also eine vollkommene Person. Welcher Reichtum aber im Personsein des tiefsten Inneren Gottes steckt, das wurde erst im Laufe der Zeit offenbart.

Im Alten Testament zeigt sich Gott vor allem als der erste der drei Personen: als Vater. Und zwar im Hinblick auf das gesamte Universum, nämlich als Schöpfer, und im Hinblick auf sein auserwähltes Volk. Im Neuen Testament wird enthüllt, was bislang geheimnisvoll und verborgen blieb. Er ist auch Vater seines eingeborenen Sohnes, den er im Schoße der Gottheit selbst zeugt.
Oben wurde schon angedeutet, dass wir in Gott die höchsten Vollkommenheiten finden. Er ist nicht nur gut, er ist die Güte selbst, er ist nicht nur schön, er ist die Schönheit selbst – das alles in der höchsten Vollendung. Im inneren Gottes verschmilzt all das zu einer Über-Vollkommenheit, einem Über-Guten, Über-Schönen. In etwa so, wie die Spektralfarben zu einem einzigen Weiß verschmelzen. Hier versagen aber dann unsere Worte und unser Verstand. Der Name Gottes bleibt für uns unaussprechbar, so wie die göttliche Natur, das innere Gottes, unser Verständnisvermögen übersteigt.

Aus der Schrift wissen wir, dass die göttliche Natur aus drei Personen gebildet wird, aus Vater, Sohn und Geist. Sie alle besitzen die einzige Gottheit, in etwa so, wie drei voneinander gleich entfernte Punkte auf einer Kreislinie den Kreis besitzen. Der Vater besitzt die ganze Gottheit, ebenso der Sohn und der Heilige Geist. Und doch sind sie voneinander verschieden. Im Vater wird die Vollkommenheit der Gottheit mitgeteilt, der Sohn empfängt sie vom Vater, der Geist empfängt sie von Vater und Sohn gemeinsam. Man spricht von den drei Beziehungen in Gott. Es gibt sie, weil es drei Personen in Gott gibt. Deswegen ist der Vater ein anderer als der Sohn und der Geist, aber niemals etwas anderes als der Sohn und der Geist.

Die Personen sind nicht austauschbar. Der Vater ist es, der die Vollkommenheit mitteilt, und der Sohn ist es, der empfängt. Dabei hält der Vater nichts zurück, er gibt alles. Und der Sohn gibt auch alles an den Vater zurück. Und als Frucht dieser wechselseitigen Liebe des Vater und des Sohnes geht von Ewigkeit her eine dritte Person aus der Gottheit hervor: der Heilige Geist.

Auf dieses Geheimnis kämen wir nicht von selbst. Wir erhalten es allein aus der Offenbarung. Und die Offenbarung nimmt uns dann in die Pflicht, diese nie erdachte Möglichkeit der Dreipersönlichkeit Gottes zu entfalten und zu erklären. Schon öfter haben wir den Sohn benannt, den wir aus dem Evangelium kennen. Dort spricht der Sohn zu uns vom Vater, weil er der einzige ist, der ihn wirklich kennt. Der Vater sieht sich im Sohn, und der Sohn sieht sich im Vater, und sie entzünden sich in einer einzigen gegenseitigen Liebe. Liebe verschenkt sich, ist fruchtbar und quillt über. Und aus diesem Überfluss der Liebe, die Vater und Sohn verbindet, aus einem einzigen großen Liebeshauch geht der Geist hervor. Der Geist schenkt die Liebe wieder zurück an den Ursprung, von dem sie ihren Anfang nahm, und verbindet sie so wiederum miteinander. Wie nur der Sohn vom Vater gezeugt ist, so ist nur der Geist von Vater und Sohn gehaucht. [...]

Freitag, 29. Mai 2015

Zu einem Geist und einer Liebe

»Durch den Vollzug der mystischen Ehe zwischen Gott und Seele werden zwei Naturen zu einem Geist und einer Liebe, son dos naturalezas en un espíritu y amor de Dios.« (Johannes vom Kreuz: Geistlicher Gesang. Str. 22, Nr. 3)
Dazu Jacques Maritain:
»Im Hinblick auf die Wesenheit, also auf der Ebene des den Dingen eigenen Seins, gibt es immer eine Zweiheit, was sage ich, eine unendliche Entfernung zwischen der Seele und der ungeschaffenen Liebe. Aber es gibt noch eine andere Ebene neben der der Wesenheit, und auf sie bezieht sich das Wort des heiligen Paulus: ein Geist, so sagt er, nicht ein Sein. Das ist die Ebene der Liebe an sich, nicht im Hinblick auf ihre ontologischen Bestandteile von Essenz und Existenz (obwohl sie durchaus als Sein betrachtet wird), sondern in der ganz und gar eigenen Wirklichkeit einer nicht materiellen Hineinnahme, durch die das Andere mehr in mir ist als ich selbst. (...) Und weiter: Von Ewigkeit her sagt Gott zu seinem Geschöpf: Halte mich nicht fest; aber er sagt ihm auch: Für immer will ich dich mir vermählen; verzaubert hast du mich, meine Schwester, meine Braut.«
aus Les degrés du savoir. Paris 1932, S. 734 u. 752.

Der hl. Thomas kostet 13,96€ (antiquarisch)

und macht seinem Ruf alle Ehre, denn er ist 720 Seiten dick.


Ausgeschieden ist er anscheinend auch. Aber das wusste ich ja vorher schon ...

Donnerstag, 28. Mai 2015

Stärker und unantastbarer als jede künstlich erzeugte Überzeugung

Passend zum letzten Thomaskommentar lief mir gerade noch eine Stelle in Scheebens Dogmatik über den Weg:
»Wenn schon das Dasein Gottes als nicht per so notum quoad nos eines Beweises bedürftig ist: so folgt daraus doch nicht, daß die Gewißheit deshalb nur das Resultat eines auf Grund eigener Forschung oder fremder Anleitung gewonnenen reflex bewußten und wissenschaftlich entwickeltes Beweises sein könne, oder daß seine Gewißheit von der Vollkommenheit der wissenschaftlichen Form des Beweises abhänge. Vielmehr bietet der zur vollen Gewißheit nothwendige Beweis jedem Menschen sich so leicht und sichtbar, daß letzterer sich kaum des in ihm eingeschlossenen logischen Verfahrens bewußt wird, und daß die wissenschaftlich entwickelten Beweise nicht erst die Gewißheit vom Dasein Gottes den Menschen beizubringen, sondern bloß die bereits vorhandene deutlicher und allseitiger zu begründen und zu bestätigen haben. Weil ferner der Beweis in seiner ursprünglichen Gestalt gleichsam als eine demonstratio ad oculos auftritt und in den tiefsten Tiefen der vernünftigen Natur des Menschen seinen Wiederhall findet, so begründet er in dieser Gestalt eine Ueberzeugung, die stärker und unantastbarer ist, als jede künstlich erzeugte Ueberzeugung, und daher auch durch keine wissenschaftlichen Bedenken erschüttert werden darf.«
Matthias Joseph Scheeben: Handbuch der katholischen Dogmatik, 1. Bd., II. Buch. Freiburg im Breisgau 1873, Sp. 29.

Der diffuse Gottesbeweis

»Von nichts kommt nichts«
frei nach Parmenides

Nun denn, wo sind wir beim Thomaskommentar stehen geblieben? Zunächst einmal habe ich versucht darzustellen, dass Gottes Existenz überhaupt bewiesen werden kann. Und zwar wider die, die da sagen: Wenn Gott ist, dann ist er unbegreiflich und wir können weder wissen, was er ist, noch, ob er ist. Den ersten Teil des Satzes können wir unterschreiben. Den Zweiten nicht. Jetzt müssen wir dafür aber langsam mal Beweise anbringen.

Bevor ich nun auf die einzelnen Wege abbiege, habe ich mir die Frage gestellt, ob es nicht einen intuitiven Gottesbeweis gibt. Einer, der diffus bereits alle fünf Wege in sich trägt - ganz ohne Bakkalaureat in Philosophie. Und ich denke, so einer lässt sich formulieren. Er lautet in etwa so:

Das Bessere kommt nicht vom Schlechteren, sondern das Unvollkommenere vom Vollkommeneren. Da der Mensch aber als bedingte Existenz Sein, Leben, Verstand, manchmal gar Sittlichkeit und Heiligkeit hat, muss es eine erste Ursache geben, die in sich selbst und ewiglich die Vollkommenheiten von Sein, Leben, Verstand und Heiligkeit besitzt. Wäre das nicht der Fall, dann würde das Größere aus Kleinerem folgen, eine Absurdität. 

Im Grunde habe ich damit nicht viel was anderes als das alte Prinzip der Kausalität benutzt, das in seiner negativen Formulierung eingangs zitiert wurde. Ohne Ursache kommt nichts ins Sein. Ex nihilo nihil fit. Wenn irgendwann einmal nichts war, dann kann daraus niemals etwas entstehen. Der Geist nicht aus der Materie. Das Größere nicht vom Kleineren. Wenn aber der Vollkommenere vom Unvollkommeneren käme, dann hätte das Vollkommenere keine hinreichende Ursache. Das ist relativ leicht verständlich und findet sich auch in den Naturwissenschaften wieder, man denke z.B. an den zweiten Hauptsatz der Thermodynamik.

Die Schlussfolgerung besteht also darin, dass es ein ewig existierendes Seiendes gib, Verstand und Leben. Mehr noch, es muss sich um ein unbedingtes, selbstseiendes Sein handeln. Denn jedes kontingente Seiende braucht nicht unbedingt ein anderes kontingentes Seiende, auf jeden Fall aber ein notwendiges Seiendes. Sonst hätte der Mensch, letztlich alles Seiende, keinen Grund dafür, überhaupt zu existieren. 

Diese Darstellung beantwortet zwar nicht alle Fragen, sie ist aber aufgrund ihrer common sense Einfachheit vielleicht um so durchschlagender. In den nächsten Beiträgen wollen wir uns dann mit den fünf Wegen selbst auseinandersetzen.

Mittwoch, 27. Mai 2015

Man merkt, dass man kein Latinist ist, wenn

man sich die ciceronischen Zeilen des Antonio Bacci zu Gemüte führt, ein »Aha!« oder eher ein »Aha ..."« denkt und der Band dann auf schnellstem Wege auf dem in-Bälde-zurückgeben-Stapel landet ...


(Dass Traditionalisten aber auch manchmal sooooo langweilig sein können! Aber vielleicht bewege ich mich auch einfach nur vom Anspruch her eher irgendwo zwischen +.net und katholisches.info ...)

Dienstag, 26. Mai 2015

Wo der Geist erblüht (pfingstliche Bußgedanken)

Am Pfingsttag war das Wirken des Heiligen Geistes sichtbar. Seitdem, seit diesem feierlich-atemberaubenden Einläuten des letzten Weltzeitalters, hat der Geist von der Kirche Besitz ergriffen. Von nun an ist aber das Wirken der göttlichen Personen unsichtbar, und dank dieses Wirkens kehrt die von Gott ausgegangene Schöpfung immer wieder zu Gott zurück. Diese Bewegung wurde hier neulich schon thematisiert. In der unsichtbaren Aussendung nimmt Gott gewissermaßen sein Schöpfungswerk wieder auf. Hier muss aber angemerkt werden, dass unsichtbar nicht etwa bedeutet, dass dieses Werk keine sichtbaren Folgen mehr hätte, nein, nur weisen diese sichtbaren Folgen nicht mehr unmittelbar auf die göttliche Person hin, von der sie ausgeht. Darum und darüber erstaunt die Schöpfung, sie fragt wie einst Elisabeth, als sich ihr Kind im Schoße regte: Wer bin ich, dass mein Herr zu mir kommt? Und diese Berührung, so folgenreich und bis ins innerste Wesen der Kirche dringend, verursacht, dass sie Gott auf der ganzen Erde bekennen kann.

Wenn man das Glaubensbekenntnis anschaut, so folgt es in seinem Aufbau der gleichen Logik des Auftrages Jesu: Tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Der Vater ist in der Schöpfung, der Sohn in der Fleischwerdung und der Geist in der Kirche. Am eindrücklichsten formuliert das vielleicht Hippolytus, der die Gläubigen folgendermaßen in die Kirche ruft: »Er eile zur Kirche, wo der Geist erblüht, festinat autem ad Ecclesiam ubi floret Spiritus
Ein Theologe meinte daher mal, man könne den letzten Teil des Glaubensbekenntnisses folgendermaßen ergänzen: »Ich glaube an den Heiligen Geist, gegenwärtig in der heiligen katholischen Kirche, die die Gemeinschaft der Heiligen ist, in Erwartung der Vergebung der Sünden, der Auferstehung des Fleisches und des ewigen Lebens.«

Schöne Worte, aber auch schwierige Worte für einen Jünger der Tradition. Zumal, wenn er innerlich zerrissen ist, aufgerieben von den Grabenkämpfen und der Verein- oder Unvereinbarkeit von alter Normaltheologie, Ultramontanismus, Gehorsam, Ungehorsam und dem Streiten contra mundum, das bisweilen gar als Kampf gegen die Kirche selbst erscheint. Eine erste Wirkung des Geistes aber sollte es sein, einen tiefen Glauben auch an unsere eigene Sendung zu haben, für die wir aus der Kirche alle Tatkraft schöpfen sollen. Leiden wir an Nervosität, mandelndem Vertrauen, dann mangelt es uns an Geist, verursacht durch den mangelnden Glauben und die Schwächung der Sendungsgnade.
Geprägt wurde einmal das Wort, dass wir nicht nur für, sondern auch durch die Kirche leiden sollen. Es mag durchaus wahr sein, und P. Clerissac erklärt es damit, dass wir vielleicht den Anschein der Ungnade brauchen, weil wir ein andermal die Gnade der Kirche von uns gewiesen haben. Und der gleiche Autor sagt auch, dass es das sicherste Zeichen dafür ist, dass wir die Fülle des Geistes bewahrt haben ... wenn wir nie zugeben, dass wir durch die Kirche leiden, außer in dem Maße, wie wir auch durch Gott selbst geprüft werden.

Zweifeln und verzweifeln wir also nicht daran.

Montag, 25. Mai 2015

Keinen Schuss Pulver wert (2)

C.: (Der Christ spielt seinen letzten Trumpf): Wir haben Teilhard de Chardin! Er hat in Polen eine große Wirkung! 
K.: Haben wir selber schon. Brauchen wir nicht erst von euch zu erwerben. Aber schön, daß ihr endlich auch soweit seid; tut bloß noch den mystischen Krimskrams hinaus, der hat mit Wissenschaft nichts zu tun, dann können wir uns miteinander über die Evolution unterhalten. Auf die anderen Geschichten lasse ich mich nicht ein. Wenn ihr davon selber so wenig wißt, seid ihr nicht weiter gefährlich. Uns spart ihr damit eine Kugel. Wir haben in Sibirien sehr nützliche Lager, dort könnt ihr eure Menschenliebe beweisen und tüchtig an der Evolution mitarbeiten. Es wird mehr dabei herauskommen als euren deutschen Kathedern. 
C.: (Der Christ ist etwas enttäuscht) Sie unterschätzen die eschatologische Dynamik des Christentums. Wir bereiten das kommende Reich Gottes. Wir sind die wahre Weltrevolution. Égalité, liberté, fraternité: das ist ursprünglich unsere Sache.
K.: Schade, daß andere die Schlacht für euch schlagen mußten. Nachträglich ist es nicht schwer, dabei zu sein. Euer Christentum ist keinen Schuß Pulver wert. 
C.: Sie sind bei uns dabei! Ich weiß, wer sie sind. Sie meinen es ehrlich, Sie sind ein anonymer Christ. 
K.: Nicht frech werden, Junge. Auch ich weiß jetzt genug. Ihr habt euch selber liquidiert und erspart uns damit die Verfolgung. Abtreten.
aus H.U. v. BalthasarCordula oder der Ernstfall. Trier 1987, S. 110ff.

Gestreift von Feuerschwingen

In ihrer existentiellen Realität ist die Welt verseucht von Lüge, Ungerechtigkeit, Bosheit, Verzweiflung und Elend, und die Schöpfung ist durch die Sünde so verderbt, dass sich der Heilige im tiefsten Grunde seiner Seele weigert, sie so zu akzeptieren, wie sie ist. Das Böse - darunter verstehe ich die Macht der Sünde und das weltumspannende Leid, das sie verursacht, die Fäulnis des Nichts, das alles zerfrisst -, das Böse ist so mächtig, dass es nur ein Mittel dagegen gibt, das den Heiligen vor Freiheit, Jubel und Liebe trunken sein lässt: alles zu verschenken, alles hinzugeben, alles, was in der Welt angenehm, gut und noch besser, erfreulich und erlaubt ist, hinzugeben, um ganz frei zu sein für Gott; sich ganz zu entäußern und hinzugeben, um die Macht des Kreuzes an sich zu reißen, das heißt zu sterben für die, die er liebt. Darin strahl ein Wollen und Ahnen auf, das weit über jede Ordnung menschlicher Moral hinausgeht. Wenn die Seele eines Menschen einmal von diesen Feuerschwingen gestreift worden ist, dann wird sie überall zu einer Fremden. Sie kann sich zwar in die Dinge verlieben, aber sie wird niemals bei ihnen verweilen.
aus Jaques Maritain: La signification de l'athéisme contemporain. Paris 1949.

Samstag, 23. Mai 2015

Keinen Schuss Pulver wert (1)

Wenn das Salz dumm wird 
Der wohlgesinnte Kommissar: Genosse Christ, kannst du mir einmal klaren Wein einschenken darüber, was mit euch Christen los ist? Was wollt ihr eigentlich noch in unserer Welt? Wohin seht ihr eure Daseinsberechtigung? Was ist euer Auftrag?
Der Christ: Zunächst einmal sind wir Menschen wie andere auch, die am Aufbauwerk der Zukunft mitarbeiten. 
K.: Das erste glaube ich dir, und das zweite will ich hoffen. 
C.: Wir sind nämlich seit neuestem „weltoffen“, einzelne von uns haben sich sogar ernsthaft „zur Welt bekehrt“
K.: Das scheint mir ein verdächtiges Pfaffengerede. Wäre ja noch schöner, wenn ihr, „Menschen wie andere auch“, euch erst noch zu einem menschenwürdigen Dasein zu bekehren hättet. Also zur Sache. Warum seid ihr noch Christen? 
C.: Wir sind heute mündige Christen, wir denken und handeln in eigener sittlicher Verantwortung. 
K.: Will ich ebenfalls hoffen, wenn ihr euch schon als Menschen ausgebt. Aber ihr glaubt doch irgendwas Besonderes?
C.: Das ist nicht so wichtig, auf das epochale Wort kommt es an, der Ton liegt heute auf der Nächstenliebe. Wer den Nächsten liebt, der liebt Gott. 
K.: Falls er existieren würde. Aber da er nicht existiert, liebt ihr ihn eben nicht. 
C.: Wir lieben ihn einschlußweise, ungegenständlich. 
K.: Aha, euer Glaube hat also keinem Gegenstand. Wir kommen weiter. Die Sache klärt sich. 
C.: Ganz so einfach ist sie allerdings nicht. Wir glauben an Christus. 
K.: Auch schon gehört von dem. Aber scheint's weiß man historisch verflixt wenig von ihm. 
C.: Zugegeben. Praktisch nichts. Darum glauben wir weniger an den historischen Jesus als an den Christus des Kerygmas. 
K.: Was ist das für ein Wort? Chinesisch? 
C.: Griechisch. Es heißt die Verkündigung der Botschaft. Wir fühlen uns vom Sprachereignis der Glaubensbotschaft betroffen. 
K.: Und was steht denn in dieser Botschaft?
C.: Es kommt darauf an, wie man von ihr betroffen wird. Sie kann einem die Vergebung der Sünden zusprechen. Das war jedenfalls die Erfahrung der Urgemeinde. Sie muss dazu angeregt worden sein durch die Ereignisse um den historischen Jesus, von dem wir freilich nicht genug wissen, um sicher zu sein, daß er ... 
K.: Und das nennt ihr Konversion zu Welt. Ihr seid ja die gleichen Dunkelmänner wie eh und je. Und mit solch diffusem Geschwätz wollt ihr am Aufbau der Welt mitarbeiten! 

aus H.U. v. Balthasar: Cordula oder der Ernstfall. Trier 1987, S. 110ff.

Donnerstag, 21. Mai 2015

Die Allerseligste Jungfrau und das andere Konzil (5)

Auch wenn also die demütige « Magd des Herrn », der « der Mächtige Großes getan hat » (Lk 1,49), Mittlerin aller Gnaden genannt wird, da sie mit Christus in deren Erlangen vereint war, und des verherrlichten Christus Gefährtin bleibt, und von der Kirche als unsere Mittlerin und unsere Fürsprecherin angerufen wird, da sie für alle durch Christus Fürsprache einlegt, sodass in der Übertragung aller Gnaden für die Menschen die mütterliche Liebe der seligen Jungfrau zugegen ist; so ist doch in keiner Weise die einzige Mittlerschaft des einzigen Mittlers, gemäß der absoluten Bedeutung dessen, wovon der Apostel spricht: « Denn es ist ein Gott und ein Mittler zwischen Gott und den Menschen, der Mensch Jesus Christus » (1 Tim 2,5) verdunkelt oder vermindert. Ja, viel mehr ist die Mittlerschaft Christi erhöht und geehrt. Denn Maria ist Mittlerin in Christus, und ihre Mittlerschaft entspringt nicht irgendeiner Notwendigkeit, sondern dem wohlgefälligen göttlichen Willen und dem Überfluss und der Macht der Verdienste Jesu; sie stützt sich auf die Mittlerschaft Christi und ist ganz und gar von ihr abhängig und empfängt alle Kraft von derselben.
Schema der Theologischen Kommission: Von der seligen Jungfrau Maria, Mutter Gottes und Mutter der Menschen. 
AD II/III 1. Typis Polyglottis Vaticanis 1969, S. 207. Ohne Fußnoten.

Mittwoch, 20. Mai 2015

Latinitatis Defensor et Cultor


Was einem nicht alles so in die Hände fällt, wenn man die Kanonistik-Abteilung der örtlichen Universitätsbibliothek durchforstet. Das Lexicon Eorum Vocabulorum Quae Difficilius Latine Redduntur zum Beispiel, aus der Feder des letzten großen Altmeisters der lebendigen lateinischen Sprache, Antonio Bacci. Wen kann es wundern, dass ein lateinliebender Kurienkardinal wenig mit der nachkonziliaren Sprachverwirrung anzufangen wusste? Im Vorwort einer der ersten gegenreformatorischen Polemiken (von 1967!), La Tunica Stracciata, schrieb er, das Volk könne das Lateinische wohl noch besser verstehen, als die barbarischen Übersetzungen. Traduttore, traditore! Fakt ist wohl, das kaum noch einer irgendwas von Liturgie versteht.

Auch auf Das Konzil wies der Kardinal u.a. hin und wieder auf Schwächen der lateinischen Texte hin, die eine besondere theologische Signifikanz hatten ... und erinnerte die Väter dabei an die immense Bedeutung, welche einst die Unterscheidung von homoousios und homoiousios mit sich brachte. Nach der negativen Entscheidung der Moderation wurde er, ähnlich wie Kard. Ottaviani, von den versammelten Konzilsmannschaft weggeklatscht.

Ihm sei trotz ... oder gerade wegen dieses unrühmlichen Kapitels an dieser Stelle gedacht.

Seine ins Englische übersetzte Betrachtungen für jeden Tag werden übrigens auf dieser Facebook-Seite veröffentlicht (Link).

Dienstag, 19. Mai 2015

Die berühmtesten Gottesbeweise wo jemals gab

Fast wie im Mittelalter:
Prä-Powerpoint-Präsentationen der
fünf Wege zu Gott
Der letzte ordentliche Thomaskommentar liegt mal wieder einige Zeit zurück. Und mal wieder lag das daran, dass ich nicht so recht wusste, wie ich weitermachen sollte. Versprochen habe ich ja, etwas über die übliche Darstellung hinaus anzubieten - was wir bislang nicht so ganz glücklich gelungen ist  - und gleichzeitig auf eine vertiefte Darstellung der einzelnen fünf Wege zu verzichten. Beides unter einen Hut zu bekommen, das klappt aber irgendwie nicht. Ich werde doch jeden Weg durchexerzieren müssen.

Die quinque viae des Aquinaten sind vermutlich die bekanntesten Gottesbeweise, die jemals geschrieben wurden. Das sollte aus Sicht eines Thomisten ja ganz schön sein. Ist es aber nur sehr bedingt. Denn wenn man die in der Summa dargelegten fünf Wege als die Argumentation schlechthin versteht, als den vollständigsten Gottesbeweis überhaupt ... dann liegt man etwas daneben.

Zunächst muss man bedenken, dass die Beweise Zusammenfassungen, Summierungen sind. Daher ja auch der Name Summa theologiae, denn es handelt sich bei dem Werk um eine sehr konzentrierte Zusammenfassung der Lehre des Aquinaten. Der Autor hätte wohl niemals erträumt, dass irgendwann einmal jemand kommt und die Abschnitte der Gottesbeweise herausschneidet und isoliert vom Gesamtzusammenhang, und mehr noch, abgetrennt von seinen metaphysischen Vorstellungen betrachtet. Ferner war die Summa für beginnende Theologiestudenten geschrieben, nicht als apologetische Anleitung contra academicos.
Es darf also nicht wundern, wenn jemand mit falschen Erwartungen und schlecht vorbereitet an die quinque viae herangeht ... die Wege dann eher enttäuschen. Jüngstes und spektakulärstes Opfer dieses Fehlverständnisses ist übrigens Richard Dawkins mit seinem Buch »Der Gotteswahn«.

Der erste Beweis nennt sich Bewegungsbeweis. Üblicherweise macht man den mit Billardkugeln anschaulich. Eigentlich geht es dabei aber um Akt/Potenz und Kausalitäten. Mal schauen, wie wir da weiterkommen.

Montag, 18. Mai 2015

Gegenteil von "streng" (Interaktiv-Beitrag)

In einem Schriftchen* über die deutschsprachige Dogmatik zwischen den beiden Vatikanischen Konzilien begegnete mir heute im Zusammenhang mit Scheeben, "der als 'Mystiker der Neuscholastik' bezeichnet wurde, [ein] auch in strengkirchlichen Kreisen unverdächtige[r] Theolog[e]", ja, ihr habt es schon gelesen, das Wörtchen strengkirchlich.
Allgemein bekannt sind solche Bezeichnungen wie dunkelkatholisch, die dann auch einen Widerpart in den Lichtgestalten haben, es gibt Traditionalisten und Modernisten, Altliberale und Neukonservative, undsoweiterundsofort. Was ist jetzt aber das Antonym von strengkirchlich? Im Textzusammenhang versteht man es wohl als Widerpart zum hierzulande so euphemistisch bezeichneten Reformkatholizismus ...  aber irgendwie passt das ja nicht so recht dazu. Weil ich also nicht weiter wusste, habe ich einfach mal das Internet zu Rate gezogen. Ihr könnt euch ja selbst das Wörtchen raussuchen, was euch am besten gefällt. Einfach nur immer -kirchlich dranhängen!**


*Peter Walter: Die deutschsprachige Dogmatik zwischen den beiden Vatikanischen Konzilien untersucht am Beispiel der Ekklesiologie, in: Hubert Wolf (Hg.): Die katholisch-theologischen Disziplinen in Deutschland 1870-1962. Ihre Geschichte, ihr Zeitbezug (Programm und Wirkungsgeschichte des II. Vatikanums 3), Paderborn u.a. 1999, S. 140.
**Im Zweifelsfall vielleicht auch durchaus mal -katholisch versuchen!
Bild: Bildschirmfoto von http://gegensatz-von.com/streng.html 

Die Allerseligste Jungfrau und das andere Konzil (4)

Auch wenn unter den untergeordneten Mittlern, die der Weiseste Gott in der Ökonomie unseres Heiles nutzen wollte, an niemanden zu denken ist, der im Versöhnen der Menschen mit Gott der Gottesmutter gleicht, und jemals so viel dazu beigetragen hat oder beitragen wird, so bleibt es dennoch immer wahr, dass sie in ihrer Vorherbestimmung, und auch in ihrer Heiligkeit mit all ihren Gaben, von Christus abhängig und Ihm untergeben ist.
Schema der Theologischen Kommission: Von der seligen Jungfrau Maria, Mutter Gottes und Mutter der Menschen. 
AD II/III 1. Typis Polyglottis Vaticanis 1969, S. 207. Ohne Fußnoten

Samstag, 16. Mai 2015

Die Allerseligste Jungfrau und das andere Konzil (3)


Es ist wohl spätestens seit der Einsetzung des Marienbildes rechts auf hiesiger Seite kein Geheimnis mehr, dass ich in Bezug auf die marianische Frömmigkeit und Wissenschaft das pflege, was bisweilen eher despektierlich Maximalismus genannt wird. Zugegeben, in traditionalistischen Fahrwassern geht es einem gewöhnlich nicht schlecht damit, wenngleich es auch hier schon mal zu Disputationen kam.
Nun hoffe ich, damit nicht nur eine gewissen Denkrichtung nachzuplappern ... aber freilich gehört eine starke Mariologie auch fest zur römischen Schule im Allgemeinen und zur dominikanisch-thomistischen im Besonderen. Und es dürfte ebenfalls nicht unbekannt sein, dass ich letzterer anhänge, die wiederum wenig wohlmeinend schon mal gerne als Thomismus von der strengen Observanz bezeichnet wird. Die dominikanische Theologie, die in dieser Hinsicht sicher auch besonders vom Tertianer Louis de Montfort beeinflusst war, tat sich vor allem in der Verteidigung und Förderung zweier Titel hervor, die eigentlich ein einziger sind, so wie das Grundprinzip aller Mariologie ein einziges ist*: Die Mittlerin aller Gnaden und Miterlöserin.
Dass die Gottesmutter universale Mediatrix ist, galt schließlich in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts als sichere Lehre. Schlägt man die namhaften Handbücher dieser Zeit auf, so scheint es, als erwarte man nur noch eine baldige dogmatische Definition. Nun, wir Nachgeborenen wissen es bereits, die kam nicht. Auch die Petition hunderter Bischöfe vor dem II. Vatikanum konnte nichts mehr daran drehen. Angedacht war es aber anders. Zwar sollte keine formale Definition stattfinden - das würde der pastoralen Zielsetzung zuwiderlaufen - aber dennoch der Titel von der Mittlerin aller Gnaden besonders herausgestellt werden. Den Abschnitt im Entwurf zur Marienkonstitution möchte ich nach und nach in seiner Gänze veröffentlichen:

3. [Von den Titeln, durch welche die Verbindung der seligen Jungfrau Maria mit Christus in der Ökonomie unseres Heiles gewöhnlich ausgedrückt wird].
Da durch die Mitwirkung der Mutter Gottes, gleichsam als neue Eva mit dem neuen Adam, in der Vollendung des Werkes der menschlichen Erlösung, die vielen und verschiedenen Titel, mit denen das Lehramt der Kirche, die ehrwürdige Tradition sowie das fromme Bewusstsein der Gläubigen die selige Jungfrau gewöhnlich grüßte, auf einem festen Grund, einer festen Wurzel und einem festen Prinzip ruhen, ist es ein Unrecht zu sagen, dass diese Titel, verstanden im Sinne der Kirche, leer und eitel sind, ja mehr noch, dass sie gar den Heiligen Schriften widersprechen. Mit vollem Recht wird also die selige Jungfrau von der Kirche Mittlerin der Gnaden genannt. Und wenn auf Erden schon der hl. Apostel Paulus ununterbrochen der Gläubigen in seinen Gebeten gedachte, und eindringlich deren Gebete bei Gott für sich selbst erbat: so ist es um so angebrachter und hilfreich, dass wir uns den Gebeten jener anvertrauen, die mehr als jedes andere reine Geschöpf, ja tatsächlich in einer ihr ganz allein eigenen Weise, Gott und Christus nah und teuer [aufs Inniglichste mit ihm verbunden] ist, dem Sohne Gottes und ihrem Sohne; und gleichzeitig mehr als jedes andere reine Geschöpf Gott liebt und von ihm geliebt wird; und als Mutter des Erlösers (s. Lk  1,31), in der Durchdringung ihrer Seele von einem Schwert (Lk 2,35) und durch das Sterben ihres eigenen Sohnes für das Heil aller, unter dem Kreuz die Liebe Gottes erfuhr, wo sie [die göttliche Liebe - Anm.] gewissermaßen in der Liebe der Menschen ihren Höhepunkt erreichte (Joh 19, 25-27). Auf so viele und so große Titel gestützt, tritt sie für uns mit ihrer andauernden Liebe für Gott und Christus ein, und ihre Fürbitte schöpft ihre ganze Kraft und Wirksamkeit aus dem blutigen Opfer ihres gebenedeiten Sohnes. Ihre Mittlerschaft beeinträchtigt in keiner Weise, dass der Mensch Jesus Christus nicht länger der einziger Mittler zwischen Gott und den Menschen ist, genau so, wie aus der Güte Christi nicht folgt, dass Gott selbst aufhört, einziger Quell aller Güte zu sein (s. Mt 9,17).

Schema der Theologischen Kommission: Von der seligen Jungfrau Maria, Mutter Gottes und Mutter der Menschen. 
AD II/III 1. Typis Polyglottis Vaticanis 1969, S. 206f. Ohne Fußnoten. Spätere Hinzufügungen in Blau.

* Es lautet: Maria ist die Mutter Gottes des Erlösers
Bild: Titelblatt von Benedikt Heinrich Merkelbach, OP: Mariologia. Tractatus de Beatissime Virgine Maria Matre Dei atque Deum inter et homines Mediatrice. Desclee: Paris 1939.

Freitag, 15. Mai 2015

Ephemerides traditionalisticae

Man sollte meinen, wer da tagtäglich in den Hallen einer theologischen Fakultät lustwandelt, dem wächst schon irgendwann ein dickes Fell. Vielleicht mag's auch am zunehmenden Alter liegen, aber mir fallen scheinbar die Haare eher aus ... und nicht dicker wird die Haut, nein, immer dünner!

Anfang der Woche schienen sich zwei Professoren-Priestern aus dem Krawattinerorden verschworen zu haben, meine Hutschnur endgültig zum Platzen zu bringen. Und raffiniert gingen sie mit ihren Methoden psychologischer Kriegsführung vor, als hätten sie Sun Tsu und Clausewitz statt Küng und Rahner auf dem Nachttisch liegen. Der eine wiegte mich zunächst mit seiner monotonen Vorlesart in einen tranceartigen Dämmerschlaf, aber einen von der Sorte, bei der man nach dem Aufwachen müder ist als vorher. Kein Wunder, war da ja dieses nervige Grundrauschen über die denkbar schlimmste Periode jüngerer Kirchengeschichte: Die Neuscholastik, der Ultramontanismus und die Modernismuskrise - schlimm hier natürlich nur der zweite Teil dieser Wortkombination. Ätzend auch die Erinnerung an die letzte Stunde beim gleichen Sandmännchen, wie Galle kam mir nämlich hoch, wie begeistert er josephinistisch-jansenistische Musterknaben der Aufklärung preisen konnte.
Zermürbt, übermüdet, übellaunig, so verließ ich dann den Hörsaal. Genau so, wie es diese genialen Teufel sicherlich ausgeheckt hatten.

Krawattiner Numero zwei war auch schon gut gerüstet, ein Tausend-Dollar-Dreiteiler sein Harnisch. Statt Knobelbecher feinste Lederschuhe, vielleicht sogar aus - das Lachen kann ich mir gut verkneifen - transalpiner Manufaktur? Aber da lauerte schon der nächste Fehler auf meiner Seite. Während ich mich noch von der glänzenden Lederware blenden ließ, blies der Feind auch schon zum Sturm auf die erschöpften Linien. Als wäre der Affront gegen meine heißgeliebten Schulrichtungen nicht schon genug gewesen, diesmal war es etwas, was absolute Satisfaktion verlangte: man wurde persönlich. Den heiligen Bernhard von Clairvaux inszenierte dieser perfide Halunke als einen mittelalterlichen Hassprediger, eine Art Pierre Vogel auf katholisch. Der selige Pius IX. war ein barbarischer Tyrann, ein Kalif von Rom, der christliche al-Baghdadi, sozusagen. Und nach gehöriger Kritik am heiligen Papa Sarto überrann er dann auch noch meine letzte Bastion, fegte mit einer süffisanten Marginalie gleichsam alles hinweg, was mir noch heilig war, die Ordnung der Liturgie: "Den Pius X. überblättere ich schon mal versehentlich beim Breviergebet." Der Denzinger-Katholik wurde furibund.

Ich weiß nicht mehr, was dann als nächstes kam. Mein innerliches, ebenso süffisantes Grinsen beim Gedanken daran, wie der Höchste mal versehentliche eine gewisse Seite im Buch der Lebenden überschlägt ... oder, ob ich nun den berühmten Ratschlag des Heiligen-Papstes von wegen "Fäuste für ein Halleluja" beherzigen sollte.

Und da dämmerte es mir aber: hier hat der Widersacher gesiegt. Und ich habe mich überwältigen lassen.

Ein paar Stunden später, Bittgang, Allerheiligenlitanei: Ab ira et odio et omni mala voluntate, libera nos Domine. Und ich betete für die Priester, für die Fakultät, für mich. 

Donnerstag, 14. Mai 2015

Wieviel Jubellieder schenken Ihrem Gott die Kirche muss

Christo caelos ascendente
Cum triumpho tam ingente,
Tam praeclara gloria,
Cor non valet cogitare,
Quantum inde iubilare
Debeat ecclesia.
Da im glanz so wunderbaren
Sieges Christus aufgefahren
Nach dem herrlichen beschluss,
Wagt das herz nicht zu bedenken,
Wieviel jubellieder schenken
Ihrem Gott die kirche muss.
Visu probat, quod credebat,
Spes praesentat quod spendebat,
Patescunt mysteria;
Victor mortis redit sursum,
Cuius ruit in occursum
Laeta caeli curia.
Glaube sich im blick erprobte,
Hoffnung schenkt, was sie gelobte:
Offen stehn mysterien.
Dem der tod ist unterlegen,
Wallen auf der fahrt entgegen,
Froh des himmels kurien.
Principi triumphatori
Canunt spiritales chori
Caelica praeconia;
Vox in altum elevatur,
Et per vocem invitetur
Mens ad festa talia.
Dem besieger, ihrem meister,
Singt der chor der obern geister
Himmlischen triumphgesang.
Lasst auch uns die stimme heben
Und in unsrer stimme beben
Unsres herzens feierdrang.
Auctor nostrae laudis, Christe,
Nostrae laudi sic assiste,
Ut de tua gratia
Tuaque clementia.
Nostri gestus et affectus
Sint et motus et profectus
Ad superna gaudia
Semper finis nescia.
Christus, grund für alles preisen,
Schenk uns solche jubelweisen,
Dass um deine gütige huld,
Deine milde und geduld
Unser fühlen, unser handeln
Einzig streben, einzig wandeln
Zu der höchsten freude preis,
Die von keinem Ende weiss.
Himmelfahrtssequenz aus franziskanischen Messbüchern des 15. Jahrhunderts. 
Entnommen: Guido Maria Dreves u. Clemens Blume: Ein Jahrtausend Lateinischer Hymnendichtung (Bd. II). Leipzig 1909, S. 148f. 
Übersetzung: Friedrich WoltersÜbertragungen aus den lateinischen Dichtern der Kirche vom vierten bis zum fünfzehnten Jahrhundert. Berlin 1914, S. 189f.

Mittwoch, 13. Mai 2015

Erz-Reminiszenzen

Wo wir gerade schon mal beim guten alten Dionysios sind: Der kannte nicht schon genderistische "Neo"-Logismen à la hen, sondern erfand auch längst vor Alipius, Andreas und Co die Erzologismen! Eines davon lief mir nämlich heute über den Weg: »die erzgöttliche Überwesenheit« (DN I,5). Na, wenn dieses theoästhetisch-doxologische Sprechen von Gott mal nicht runter geht wie Aarons Öl! Eine Umschreibung, welche wahrlich »seiner Schönheit verleihenden und liebreizenden reifen Blüte geziemt«(DN IV,7)!

Zu Verdanken haben wir das zugegebenermaßen der Beate Regina Suchla, die ύπερουσιότητα τεν θεαρχικήν auf diese Weise übersetzt, statt der üblich-prosaischen (wenngleich vllt. informativeren) urgöttlichen oder gottursprünglichen Überwesenheit.

Blogozesane Schützenhilfe und Maria Königin


Eigentlich sollte es hier heute um einen anderen Marientitel gehen, doch fordern die Bande der Freundschaft und der Frömmigkeit, auch hier noch einmal auf die im Kommentarbereich drüben geäußerte Kritik einzugehen.

Der Königstitel der allerseligsten Jungfrau sollte für den Katholiken eigentlich hinlänglich bekannt sein. Er stammt schließlich nicht aus irgendeiner übersentimentalen Periode jüngerer Kirchengeschichte, sondern findet sich schon bei den lateinischen und griechischen Vätern. Würde ich sie alle auflisten, dann hätten wir eine ganze Litanei der großen Marienverehrer. Die Gottesmutter ist Regina, Domina, Regina nostrae salutis, und das wussten schon die Alten. Deswegen verkünden westliche und östliche Liturgien zugleich mit einer Stimme Maria als Königin der Engel, der Welt, der Heiligen. Und seit 700 Jahren betrachten wir ihre himmlische Krönung im Rosenkranzgebet.

Nun dürfte man sich aber auch die Frage stellen, inwiefern Maria Königin ist. Auf dem ersten Blick mag man meinen, es handle sich um eine metaphorische Umschreibung, eine Bebilderung ihrer einzigartigen Würde über alle Kreatur. Sie käme also einer Königin-Mutter gleich, doch ohne echte Gewalt im Königreich. Eine Art geistliche Queen-Mum. Ich denke, es lässt sich theologisch beweisen, dass Maria echte Königin unter Christus ist. Sie ist nicht nur Mutter eines Sohnes, der irgendwann einmal König wird ... sondern sie ist Mutter dessen, der vom Augenblick Seiner Empfängnis an Herr über den ganzen Kosmos ist. Und obwohl Er schon das Königsrecht besaß, eroberte Er es erneut durch den Sieg über Sünde und Tod - ein Sieg, mit dem Maria eng verbunden war. An dieser Stelle nur so viel zu dieser quaestio.

Wenn Maria Königin kraft ihrer göttlichen Mutterschaft und zusätzlich, durch ihre irdischen Verdienste in Einheit mit ihrem Sohne ist ... dann muss doch auch ihr Königtum ein universelles sein. Wenn Christi Königtum sich über alles erstreckt, von den Abgründen der Hölle bis zu den höchsten Chören der Engel, dann ist auch Maria Königin über alle Dinge. Sie kann nur Anteil haben an dem einen ungeteilten Reiche Christi durch Christus.

Nun aber noch zu der Spezialfrage, um die es sich auf dem Nachbarblog drehte. Maria ist auch Königin der Apostel. In ihrer Würde als Gottesmutter steht sie natürlich über diesen. Aber mehr noch, sie ist, um mit Albertus Magnus zu sprechen, "vom Herrn nicht zur Dienstleistung hinzugenommen, sondern zur Wirkgemeinschaft und Hilfeleistung, nach dem Worte: 'Lasst uns ihm eine Gehilfin machen, die ihm ähnlich ist'" (Mariale, q. 42).* Wer war nach der Himmelfahrt Christi besser geeignet, den trauernden Aposteln beizustehen, die da zunächst so hilflos mit ihrem Auftrag dastanden, die ganze heidnische Welt zu bekehren? Der Herr kannte die Schwere dieser Mission und ließ ihnen darum Seine Mutter zurück. Sie war den Zwölfen eine Trösterin, ein zweiter, sichtbarer Paraklet, ein Stern und Vorbild inmitten der Verfolgung. Und kann jemand bezweifeln, dass sie ihnen nicht auch eine Mutter war, dass niemand von ihrer Seite ging, ohne gestärkt und erleuchtet zu sein? Der hl. Ambrosius sagt, es sei kein Wunder, dass Johannes wie kein anderer über das Mysterium der Fleischwerdung schreiben konnte, denn er lebte ja an der Quelle göttlicher Geheimnisse (De Institutione Virginis, cap. ix). Niemand konnte wie die Gottesmutter von der jungfräulichen Empfängnis Christi, Seiner Geburt, Seinem verborgenen Leben und selbst von Seinem Kreuzestod berichten. So ist sie also auch fruchtbare, sprudelnde Quelle apostolischen Lebens und Lehrens.

Aus diesen Gründen und all jenen, die schon bei Andreas genannt wurden, wird die Gottesmutter mit Recht Königin der Apostel genannt.


*Besonders eindrückliche Worte findet Albert über Marias Königinnenwürde: Die aufgefahrene Jungfrau ist Hilfe im Heil und Teilnehmerin am Königtum ... sie trägt die Herrschaftskrone der triumphierenden und streitenden Kirche ... sie ist Königin und Herrin der Engel ... Kaiserin der ganzen Welt ... die selige Junfrau hat die ganze Gewalt im Himmel, im Fegfeuer und in der Hölle ... Die selige Jungfrau ist wahrlich und recht und eigentliche Herrin aller, die in der Barmherzigkeit Gottes sind, also ist sie auch eigentliche Königin der Barmherzigkeit ... sie ist nämlich selbst Königin desselben Königreiches, welches Ihn selbst zum König hat. (Mariale, q. 43, 2)

Bild: Krönungsdarstellung, Deckenmalerei in der Marienkapelle von Herz-Jesu, Pfersee.

Dienstag, 12. Mai 2015

Wahrhaft wunderlich

Unsere Idealisten und Spiritualisten bedürfen der Wunder für ihren Glauben nicht: eben weil es der ihrige, nicht der Glaube an Christus ist, und wahrhaft seltsam wäre es gewiß, wenn Gott so einen von Menschen gemachten Glauben bestätigen würde.
Johann Adam Möhler, zitiert nach: Paul-Werner Scheele, Johann Adam Möhler (Wegbereiter heutiger Theologie), Graz/Wien/Köln 1969, 280. Hervorhebung im Original.

Montag, 11. Mai 2015

Exkurs: Exitus-Reditus, Dionysius und Thomas

In einem Gespräch unter Bloggern kürzlich ging es um das bekannte exitus-reditus-Schema. Wenn heute davon in der Theologie noch die Rede ist, dann wahrscheinlich im Kontext von Thomas von Aquin und seiner bekanntesten Summa. Und das auch sicherlich nicht zu Unrecht. Ich will darum ein paar Wörter über das Thema verlieren.

Ich sagte bewusst in der Theologie, da vielleicht in anderen Wissenschaften eher bekannt ist, dass dieses Schema keinesfalls seinen Ursprung in der christlichen Philosophie hat. Tatsächlich stammt es zunächst aus dem Neuplatonismus, genauer gesagt von Plotin, und fand so schließlich Einzug in die neuplatonisch geprägte Spätantike und das Frühmittelalter. Unter diesen fällt ein Name besonders ins Gewicht, denn er hat Thomas und andere Gottgelehrte seiner Zeit stark beeinflusst: Dionysius Areopagita, dieser Tage gewöhnlich Pseudo-Dionysius genannt - obgleich er doch wenn dann eher ein Pseudo-Areopag ist. 

Nach Dionysius ist Gott vor allem das Eine, hen, aus dem die Vielheit, alles Seiende hervorgeht. Hier haben wir die typisch neuplatonische Emanation Gottes, die erste exitus-Bewegung des Schöpfers. Der Vorgang der Schöpfung ist eine Theophanie, und zwar in einer hierarchischen Ordnung. Die dionysische Hierarchie ist Mittler zwischen dem Übersein, Gott, und dem Seienden, die geschaffene Welt. Besonders zur Geltung kommt dieser Gedanke in der himmlischen Hierarchie, den Engelchören: die obersten Chöre empfangen die göttliche Einstrahlung und geben sie jeweils weiter an die unteren Chöre, wenngleich immer etwas vermindert. Der gleiche Prozess vollzieht sich dann auch in der kirchlichen Hierarchie. Es wäre aber weit gefehlt, hier nur an Cherubim und Seraphim, Bischöfe und Priester zu denken, wenn von der Hierarchie des Areopagiten die Rede ist. Vielmehr ist es Zweck der gesamten Schöpfungsordnung, den Seienden die Möglichkeit zu geben, Gott ähnlich und eins mit ihm zu werden. Aus dem Einen geht die Vielheit hervor, und die Vielheit kehrt Zurück zum Einen. 

Andere Theologen machen deutlicher, was bei Dionysius schon anklang. Das exitus-reditus-Schema wird häufig auch als descensus-ascensus verstanden. "Niemand ist gen Himmel aufgefahren außer dem, der vom Himmel hinabgekommen ist" (Joh 3,13). Allein die göttliche Herablassung führt zum Aufstieg des Menschen. So haben wir auch gleich einen Leitsatz in der sittlichen Ordnung, die Aufforderung an den Menschen, an dieser Herablassung teilzunehmen. Exitus-reditus, descensus-ascensus ist Struktur der Heilsgeschichte als auch der Heilsordnung. Parallel dazu verläuft das aszetisch-mystische Leben eines jeden Einzelnen. Durch die Erniedrigung des Reinigungsweges, der Aufstieg zum Erleuchtungs- und Einigungsweg erfolgt der ascensus durch den descensus göttlicher Gnade. Gleiches ließe sich vom Vollzug des eucharistischen Opfers sagen. Aber besser zurück zum eigentlichen Thema.

Denn soweit hört sich das alles schon mal sehr gut an. Wozu also noch Thomas? 
Der Aquinate löste das Problem, das ich neulich schon angesprochen habe und mit dem seine neuplatonischen Vorläufer zu kämpfen hatten. Die notwendige Emanation Gottes, die bis dato so fest in diesem Schema steckte. Und die notwendige Rückkehr der Schöpfung, wie in einer Bewegung von Flut und Ebbe. Dionysius und Co. beteuerten natürlich ihren Abstand von einem Pantheismus, nur ergab er sich doch gezwungenermaßen aus den Schlussfolgerungen ihrer Gedanken. 
Bei Thomas steht im Schöpfungswerk die Güte im Vordergrund - ein Widerhall Dionysius' -  die danach verlangt, sich auszubreiten. Bei dem Dominikaner wird aber die Schöpfung ganz wesentlich zum freien Geschenk, zur gratia gratis data. Das Erlösungswerk ebenso. Gott verliert nichts durch die Schöpfung, er wird auch nicht dazu gezwungen, zu kreieren. Es ist ein Werk, ein opus, ohne Mühe oder Arbeit, labor. So anerkennt Thomas die Endlichkeit der Geschöpfe und bewahrt die absolute Transzendenz Gottes.
Des weiteren appliziert er es auf den definitiven Charakter der Offenbarung durch Jesus Christus. Der descensus des Wortes gibt uns die Sicherheit, dass das menschliche Wort Wahrheit adäquat vermitteln kann. Insbesondere die höchsten Wahrheiten der göttlichen Dinge, deren Vermittlung auf Erden in die Hand der Kirche übergangen ist. 
Bekannt ist Thomas sicher auch für seine Konvenienzargumente, Angemessenheitsbegründungen. Die führt er so nicht aus Spaß an der Freude ein, sondern genau aus dem oben genannten Grund. In der von Gott frei gewählten Heilsökonomie kann die Theologie nicht mehr von Notwendigkeiten sprechen - wir betreiben da keine Metaphysik des Heils - sondern nur noch davon, wie gut und passend es war und ist, dass Gott genau so handelt, wie er es tut. Er kann aber immer anders handeln. Niemals erschöpft sich Gott in irgendeiner Potentialität, einer Beschränkung.

Thomas führt mit seiner Summa also nicht nur erstmals eine radikale Theozentrik in der systematischen Theologie ein, sondern setzt auch platonistische Konzepte fruchtbringend in einen echt christlichen Kontext um. So wird in seiner Zeit das alte christliche Axiom verständlich: Der göttliche Wille bleibt im Bewegen aller Dinge selbst unbewegt. 

Die Allerseligste Jungfrau und das andere Konzil (2) - nicht an die Peripherie

Der Denzinger-Katholik meldet sich wieder zurück und macht direkt wieder dort weiter, wo er aufgehört hat: beim Entwurf für die marianische Konstitution des II. Vatikanums. Zensiert wurden von den Vätern und periti vor allem jene Passagen - ein Paragraph wurde gänzlich gestrichen, aber dazu ein andermal - die etwas zu scharf, zu apologetisch, zu urteilend klangen. Und das, obwohl sich in diesem Schema eigentlich gar keine richtige Verurteilung findet, sondern mehr etwas nach Art des unten zitierten Auszugs. Aber auch das war wohl schon zu viel des Guten:
2. (...) Die seligste Jungfrau, die von Ewigkeit her als Mutter Gottes und der Menschen vorherbestimmt wurde,  war nach dem Ratschluss der göttlichen Vorsehung hier auf Erden großmütige Gefährtin des leidfähigen Christus im Gnadenerwerb für die Menschen, und bleibt auch mit dem verherrlichten Christus eine Gefährtin in der Gnadenübertragung für die Menschen.*  
Daraus folgt, dass Maria, die Anteil hatte am Erbau des mystischen Leibes Christi, und die in den Himmel aufgenommen und vom Herrn als Königin eingesetzt wurde, und die einen mütterlichen Geist für alle bei sich trägt, nach ihrem Sohne einen gewissen Vorrang über alle anderen erlangt hat; und ist folglich nicht, wie manche etwa sagen, an die « Peripherie », sondern vielmehr in die « Mitte » der Kirche selbst unter Christus zu stellen. 
Schema der Theologischen Kommission: Von der seligen Jungfrau Maria, Mutter Gottes und Mutter der Menschen. 
AD II/III 1. Typis Polyglottis Vaticanis 1969, S. 206. Ohne Fußnoten.

* an Stelle des letzten Teilsatzes steht in späteren Textvarianten: sie wird mit Fug und Recht als Verwalterin und Ausspenderin der himmlischen Gnade gegrüßt. 

Freitag, 8. Mai 2015

Technisch bedingte Kurzpause

Ein böser Geist hat scheinbar von gestern auf heute die Master-Dateitabelle (samt ihrer Sicherungskopie) meiner System-SSD zerrissen. Korrumpiert sind sie, so sagen es zumindest die digitalen Helferlein. Derart verdorben, war nicht mal mehr an eine Reform des gemeinsamen Lebens zu denken - nur die komplette Aufhebung blieb als Problemlösung übrig.

Bis nun wieder alles so ist, wie ich es gerne haben möchte; die in den Himmel entrückten Dateien wieder Fleisch annehmen und so weiter und so fort ... wird hier die nächsten Tage wohl erst einmal Stille herrschen.

Niemals aber erlaubt der Herr ein Übel, wenn daraus nicht ein größeres Gut erwächst: der Denzinger-Katholik hat in diesem Fall gelernt, seine Datensicherungsstrategie noch einmal auf den Prüfstand zu stellen ...

Mittwoch, 6. Mai 2015

Die Allerseligste Jungfrau und das andere Konzil (1)


Auf dem anderen anderen Konzil hat die Gottesmutter kein eigenes Dokument bekommen. Und man kann mir nicht weismachen, als Anhängsel an die Kirchenkonstitution Lumen gentium wäre ihre Wertschätzung erhöht worden, als schiene sie dort am Rande den Völkern mehr als Licht und Urbild der Kirche ... denn im Mittelpunkt ihrer eigenen Konstitution. So muss nun also Unsere Liebe Frau wieder ein stilles, verborgenes Dasein fristen, wie sie es schon in ihrem Erdenleben tat. Ihrer Fürbitte dürfen wir uns dennoch sicher sein.

Inhaltlich wurden viele Teile des Schemas der Theologischen Kommission beibehalten. Deswegen gebe ich hier nur die Abschnitte wieder, die sich in besonderem Maße unterscheiden. Wie immer ohne Fußnoten, auch wenn die hier ebenfalls wieder sehr interessant sind. Nur machen die in den acta et documenta 22 Seiten aus, während sich der eigentliche Text nur über 5 erstreckt. Bewusst versuche ich auch weiterhin, recht nahe am lateinischen Original zu bleiben - wenngleich es der Lesbarkeit etwas abträglich sein mag.

1. [Vom engen Bande zwischen Christus und Maria nach dem Wohlgefallen Gottes] (...) So wird diese gütige Mutter, die in Liebe daran mitwirkte, dass « die Gläubigen in der Kirche geboren würden, » nicht nur ein « überragendes », und mehr noch, einzigartiges Glied der Kirche, sondern auch ihr Vorbild, ja sogar ihre Mutter genannt.
Deswegen will die Heilige Synode, in welcher das Lehramt der lebendigen Kirche innewohnt, der einzig authentische Ausleger des Glaubensschatzes der Offenbarung, nachdem sie über den Mystischen Leib Christi gesprochen hat, zusammenfassend und kurz veranschaulichen, welchen Platz die Mutter Gottes und der Menschen in der Kirche einnimmt; die Privilegien, mit denen der Sohn die Mutter geschmückt hat; und unsere Pflichten gegenüber solch einem erhabenen Geschöpf, sodass marianisches Wissen und Frömmigkeit klar und recht erblühen und vorurteilende Meinungen in dieser Sache gebannt werden mögen.   

Schema der Theologischen Kommission: Von der seligen Jungfrau Maria, Mutter Gottes und Mutter der Menschen. 
AD II/III 1. Typis Polyglottis Vaticanis 1969, S. 205. Ohne Fußnoten.

Dienstag, 5. Mai 2015

Die Mauern der Religion

Am Fest des hl. Pius' V. fällt dem traditionsfrohen Katholiken so einiges ein. Man möchte bitten, dass er dasjenige, was er schon in seinem Erdenleben tat, noch mehr vom Himmel aus erwirke.
Besonders nachdenklich hat mich dieses Jahr folgende Strophe aus seinem Laudeshymnus im Dominikanerbrevier werden lassen:
Zelosus iste Phinees
Sacris stetit pro moenibus,
Ut barbaros acinaces
Aceret a fidelibus.
Dieser eifrige Phineas
stand vor den heiligen Mauern,
um die barbarischen Säbel
von den Gläubigen abzuwenden.
Erinnert haben mich diese Zeilen nämlich an eine Passage bei Cicero: »Ihr Priester ... wirksamer ... gürtet ihr die Stadt mit der Religion, als selbst mit Mauern« (De nat. deor., III, 40). An anderer Stelle erinnert das Eigenbrevier in einem Responsorium daran, wie dieser Pontifex den Schutz der Mauern Roms erwirkte:
Dum novus hic Moyses in colle pansis manibus Deum precabatur, ad Naupactum Amalech Israeli perfidus mari profligatur: * Partaque victoria Pio revelatur, Alleluja. Dum extendit virgam Rosarii, demerguntur hostes nefarii.
Während der neue Moses auf dem Hügel mit erhobenen Händen zu Gott betete, wurde Amalek, der Feind Israels, auf dem See von Lepanto niedergeschlagen. * Der erworbene Sieg wird Pius offenbart, alleluja. Als er den Stab des Rosenkranzes ausstreckte, wurden die frevelhaften Feinde verschlungen. 
Eine Geschichte, die den fortschrittlich gesinnten Zeitgenossen eher erröten lässt, die er Geschichte sein lassen will. Zu Zeiten Papa Ghislieris war der Römische Bischof nämlich nicht nur oberster Hirt der Kirche, sondern auch Schutzherr der Christenheit. Ja, oftmals war Christenheit und Kirche so eng verwoben, dass beide Begriffe Synonyme waren. In diesem Sinne konnte der hl. Thomas zu recht schreiben: »Die Kirche hat Armeen und Könige sind ihre Vasallen.«*

Diese alte Vorstellung von Christenheit trug man auf dem letzten Konzil endgültig zu Grabe. Kaum überraschend starb sie dann auch wenig später. Es stellt sich die gellende Frage: Warum? Wohl, weil man glänzende Zukunftsträume für ein neues, reines, besseres, ja evangelischeres Christentum hatte. Die Bastionen wurden geschliffen, um eine Vision wie diese wahr zu machen:
Statt an eine befestigte Burg hoch über den Landen, lasst uns viel mehr an eine Armee von Sternen denken, die über dem Himmel glitzern.**
Was nun aus dieser Burg geworden wäre, hätte man sie nicht geschliffen ... ich vermag es nicht zu sagen. Vergessen hat man auf jeden Fall, das nicht die Mauern unser Schutz waren. Sondern der Glaube und die Einheit von Kirche und Christenheit. Und dieser Wall der Religion war auch der wirksamste für die irdische Stadt, die civitas terrena, wie schon Marcus Tullius zu seiner Zeit bemerkte. Nun steht Stadt und Land, Kirche und Gesellschaft ... doppelt schutzlos da.

Vielleicht mag es daran liegen, dass das Erdenrund in unsren Breitengraden heller erstrahlt, als der Himmel droben. Auf jeden Fall kann ich keine neue Armee von Sternen glänzen sehen. Höchstens ein letztes Flackern vor der endgültigen Dunkelheit.

*Quodl. 12, q. 13, a. 19, ad 2
**Jacques Maritain: Religion et Culture. Paris: Desclée de Brouwer, 1930. S 48.

Montag, 4. Mai 2015

Das eigentliche Problem mit Anselm (3) - Platoniker und Universalien

»Das Seiende ist, das Nichtseiende ist nicht.«
Parmenides von Elea

Ich habe schon im letzten Beitrag geschrieben, dass mir dieser Teil etwas schwer fällt ... aber nun habe ich damit angefangen, also muss ich auch durch. Wir sind immer noch bei Anselm und seinem ontologischen Gottesbeweis.

Anselm oder seine Schüler sagen im Gegensatz zu uns, dass wir Gott - mehr noch, Gottes Wesen - sofort und ganz unabhängig von seinen Wirkungen erkennen, nämlich, dass er die erste Wahrheit und das höchste Gut ist. Es sei nämlich sofort evident, dass die Wahrheit existiert, erst recht die erste Wahrheit; und das gleiche gilt auch für das Gute, erst recht das höchste Gut.

Der Thomist sieht das nicht ein. Das Dasein von Wahrheit ist für ihn sicher selbstevident, aber nicht das einer ersten Wahrheit. Erst durch die Erfahrung in der Welt, dass manche Dinge mehr, manche weniger wahr, gut oder schön sind ... erst durch dieses "mehr" und "weniger" wird uns klar, dass es irgendwo ein Größtmögliches geben muss. 

Dass wir uns hier nicht einig werden können ist wahrlich kein Wunder. Die Anselmianer stehen nämlich in platonistischer Tradition, wir in der aristotelischen. Und wäre der Platonismus, genauer gesagt, der absolute Realismus bzw. Universalienrealismus wahr, dann wäre auch Anselms Gottesbeweis vollkommen richtig. Nun muss man als Katholik kein Thomist oder Aristoteliker sein. Die Sicht der Platoniker aber führt doch notwendig zu Schlüssen, die nicht mehr mit dem Glauben vereinbar sind, und deswegen hat uns die Kirche nicht ohne Grund in die Sicherheit eines bestimmten Lehrgebäudes gewiesen - nicht, weil es ein bestimmtes Lehrgebäude oder System ist, denn die Kirche unterwirft sich nicht einer gewissen Philosophie - sondern, weil sie darin die beste Repräsentation der Wahrheit sieht. 

Aber zurück zum eigentlich Thema. Wir haben also von Universalien gesprochen. Was aber sind Universalien? Universalien sind Allgemeinbegriffe, Eigenschaften, die mehreren Einzeldingen zukommen. Dazu gehören auch Wesenheiten wie etwa das Menschsein, das Hundsein - unabhängig vom einzelnen Mensch Peter oder dem Hund Rex. Wir haben nämlich eine Vorstellung davon, was ein Mensch oder ein Hund im Allgemeinen ist, ohne dabei unbedingt an einen bestimmten Mensch oder Hund zu denken.
Der radikale Universalienrealist ("Platoniker") würde behaupten, dass die Universalien auch in Wirklichkeit und unabhängig unserer Gedanken existieren. Und um endlich den Bogen zu schlagen: das würde also auch bedeuten, dass die Vorstellung von Gott seine Existenz nötig macht. Denn, wie im Eingangszitat abgetippt ... das Seiende ist. 

Überlassen wir diese Diskussion um die Universalien aber nun den Philosophen. Für den Theologen ergibt sich daraus vor allem ein Problem. Wie oben angedeutet, erkennen wir aus Sicht der radikalen Realisten zuallererst das höchste Gut usw., also Gott. Wenn das ersterkannte Sein aber das göttliche Sein ist ... dann ist alles Sein Gott. So folgerte auch Parmenides unter den Alten und Spinoza unter den Modernen. 

Aus genau diesem Grund war die Kirche im 19. Jahrhundert häufig damit beschäftigt, die Lehren der Ontologisten zu verwerfen. Sie führen zu einem Pantheismus.* Und das ist vielleicht das eigentliche Problem mit Anselm - oder zumindest mit seinen Schülern.

Ich musste nun sehr viel Stoff arg verdichten, dennoch hoffe ich, wenn nicht vollkommene Klarheit geschaffen, so doch einen kleinen Blick in die Problematik gegeben zu haben. Wie schon erwähnt: Schwierigkeiten, die vielleicht erst einmal klein erscheinen, werden am Ende ganz gewaltig groß. 


*Z.B. folgende Irrtümer (DH 2841ff), welche die Gedankenkette ganz anschaulich machen: 
1. Dem menschlichen Verstand ist die unmittelbare Erkenntnis Gottes - wenigstens anlagemäßig - wesentlich, so daß er ohne sie nichts erkennen kann: denn sie ist das Verstandeslicht selbst. 2. Jenes Sein, das wir in allem und ohne das wir nichts erkennen, ist das göttliche Sein. 3. Die Universalien unterschieden sich, von seiten der Sache betrachtet, sachlich nicht von Gott. 5. Alle anderen Ideen sind nichts anderes als Abwandlungen der Idee, durch die Gott als das schlechthin Seiende erkannt wird.

Nachtrag: Wer mehr über Universalien wissen möchte, der findet ganz ausgezeichnete Beiträge beim Scholastiker.

Du wunderthätiger Helfer in denen Feuersnöthen - dem hl. Florian

Hymnus zur Vesper

Obwohl dein Hülf ist allgemein
In Seel- und Leibsgefahren,
So scheinst du doch das Feuer allein
Besonders zu bewahren;
Hast viel hundert Brunsten gelöscht,
Gedemmt die Wuth der Flammen,
Verzweiflende im Feur getröst,
Allein durch deinen Namen.
Darum wir, grosser Tugendheld!
Dich würdigen Schutzherren
Mit der dir zugethanen Welt
Demüthig jetzt verehren;
Auch uns bey Tag und Nacht bewahr
Durch Hülf und Gottessegen
Von aller Brunst und Feuerg'fahr,
Dis bring bey Gotteswegen.


Gebeth
Staub angesetzt: Früher bekämpfte
der Denzingerianer noch Feuer,
die nur den Leib bedrohten
Allmächtiger ewiger GOTT!
Den benedeyen Feuer, Hitz, Hagel, Schnee, Eiß, Wasser und Sturmwind, der du gesetzt hast deine End im Frieden, und erhaltest dasjenige, was du gemacht hast; wir bitten dich, erhalte uns und unser Hausgesind in stäter Gütigkeit, daß wir sammentlich durch des heiligen Floriani Fürbitt von aller Widerwärtigkeit frey bleiben, und in guten Wirkunden deinen Namen andächtig anruffen.
O GOtt! der du den dreyen Knaben die Feuersflammen gelindert hast, verlihe uns gnädiglich, daß uns die Flammen unserer Laster nicht brennen, und das Feuer unsre Wohnungen nicht betrübe; durch JEsum Christum unsern HErrn, Amen.


Bild rechts: Heiliger Florian in St. Margareth, Augsburg
Texte entnommen einem alten Andachtsbüchlein

Sonntag, 3. Mai 2015

Re: Soziotheologischer Neudenk

Mit dem Kollegen von Summorum Pontificum bin ich so ziemlich auf einer Wellenlänge, denke ich. Bei seinem jüngsten Beitrag bezüglich der Tageskollekte vom IV. bzw. V. Sonntag nach Ostern muss ich aber doch einhaken, wenngleich der Grundtenor nicht falsch ist.

Das Tagesgebet in der sogenannten ordentlichen Form, ein Cento aus drei alten Orationen, ist tatsächlich äußerst oberflächlich. Keine Seltenheit bei den neuverfassten Texten. Die deutsche Übertragung bricht die ohnehin schwache Kollekte dann noch mal ein paar Niveaustufen runter. Nur ... wo so gebetet würde, also wie im alten Gebet, kann man nun trotzdem schlecht sagen. Denn tatsächlich findet sich die heutige Kollekte aus dem tridentinischen Missale unverändert am 21. Sonntag im Jahreskreis. Genutzt hat es anscheinend trotzdem nichts ...

Reliquien auf Rädern

Dass man als alte-Messe-Molch all zu oft nur so unter seinem Stein hockt und mehr volens als nolens vom "ordentlichen" Kirchenbetrieb nichts mitkriegt, das habe ich heute mal wieder gemerkt.* Vom Besuch der hl. Thérèse von Lixieux im Augsburger Dom wusste ich nämlich überhaupt nichts. Viel Zeit hat sie auch nicht mitgebracht, aber dankbarerweise wies der Pater von der Petrusbruderschaft darauf hin, dass ihre Reliquien noch bis 14 Uhr heute ausgestellt bleiben. Ich also sofort nach der Messe dorthin, allerdings war da dann gerade auch Gottesdienst. Drum kam ich schlecht in fotographietaugliche Nähe des Schreins. Macht aber nichts, dafür hab ich dann ein zweitklassiges Foto von einer Reliquie zweiter Klasse gemacht - nämlich von dem Auto, mit dem die Heilige dieser Tage unterwegs ist:


Der weitere Fahrplan der diesjährigen Reliquienreise durch Deutschland, Österreich und die Schweiz - au wei, ich kann mich noch all zu gut an die letzte erinnern, dabei ist die schon sieben Jahre her - ist hier einsehbar.

In einem Hymnus aus dem Karmelitenbrevier wird die Heilige daran erinnert, ihrem Versprechen an uns eingedenk zu sein. Dem schließe ich mich an: Erquicke uns Flehende, hl. Thérèse, mit einem Regen von Rosen. Rosen des Glaubens, dass Licht aus der Höhe uns leuchtet, Rosen der Hoffnung in Nöten, Rosen der Liebe, die in uns lebhafte Tugend nährt. Vor allem aber die Rose kindlichen Vertrauens, dass wir selbst in Bitterkeit die Fürsorge des Vaters erkennen.**

* Ob das nun so gesund und ekklesiologisch vertretbar ist, sei nun mal dahingestellt.
** Nachempfunden dem Hymnus Luce divina rutilantis aulae

Samstag, 2. Mai 2015

Salve, sancta parens



Kollege Andreas sprach gestern den frommen Wunsch aus, dass der Marienmonat nicht nur in den Kirchen und Kapellen, sondern auch auf den zahlreichen blogs besonders sichtbar werde. Und um dem in hohem Maße zu entsprechen, gibt es heute etwas von mir mit Bild, Text und Ton.

In meinem Wohnort hatten wir die besondere Gnade, gleich die ersten beiden Maitage mit vollem Marienlobe einzuläuten. Gestern das Hochfest der Gottesmutter als Schutzfrau Bayerns, heute ihr ganz eigener Wochentag - und in der altehrwürdigen Form der Liturgie wurde das Patrona-Bavariae-Fest nachgeholt. Wie kommt es aber eigentlich, dass wir den Samstag Unserer Lieben Frau weihen?

Jegliche liturgiegeschichtliche Betrachtung mal beiseite genommen, dürfen wir doch zu Recht sagen, dass diese Tradition am Karsamstag ihren Anfang nahm. So wie der Freitag immer inniglich mit dem erlösenden Kreuz und Leiden Unseres Herrn verbunden bleibt, so ist der Samstag mit dem Schmerz, aber auch mit dem großen Glauben der allerseligsten Jungfrau vereint. Als am Abend nach der Grablegung Joseph von Arimathäa fortgegangen war und die Lichter des Sabbats in Jerusalem aufleuchteten, da lag das ganze Erdenrund in Dunkelheit. Die Hoffnung der Welt schien verloren, der schwache Glaube aus den Herzen der Jünger getilgt. Nur ein Herz, wie sehr auch durchbohrt, bewahrte die Worte Jesu. Maria weiß, dass das Werk des leibhaftigen Christus nun vollendet ist, aber das Werk des geheimnisvollen Christus, der Kirche, hat gerade erst begonnen. Am Karsamstag ist sie, die Mutter der Kirche, ganz allein in der weiten Welt Kirche. Und hier beginnt auch der Auftrag, den der Herr mit Seinem Kreuzeswort ihr aufgetragen hat: Frau, siehe, dein Sohn! Hinieden hatte sie an diesem Tag keinen Menschen mehr, zu dem sie Zuflucht nehmen konnte. Seit diesem Tage aber ist und bleibt sie unsere Zuflucht, unser Vorbild im Beten, im Lieben, im Leiden ... selbst, wenn wir auf Erden sonst niemanden mehr haben.

Die, die einst den leibhaftigen Christus in ihrem Körper trug, trägt seit dem Karsamstag Seinen mystischen Leib in ihrer Seele. Der Glaube an das Licht in finsterster Nacht ist der schönste, der reinste Glaube. Darum ehren wir die Muttergottes heute. Und diesen Glauben trägt die Kirche weiter, bis der lange Karsamstag am Tag Seiner glorreichen Wiederkunft vorbei ist.

So viel wollte ich in diesem Beitrag nun eigentlich gar nicht schreiben, denn es braucht noch etwas Platz für meinen Gruß an die Mutter des Herrn, mit dem ich den Mai beginnen will. Im Messformular für den Mariensamstag finden wir einen Introitus irregularis, der nicht aus der Schrift, sondern von einem christlichen Dichter stammt. Und ihn finde ich so schön, dass ich mich nicht scheue, den heutigen Artikel noch ein paar Zeilen länger zu machen - er umfasst nämlich die gesamte Mariologie in nuce:
Sei gegrüsst, die den könig gebar, du heilige mutter,
Der da himmel und erde erhält im wandel der zeiten,
Dessen walten das all umfasst mit ewigem kreise,
Dessen reich ohne ende besteht: dein seliger leib hat
Freuden der mutter gepaart mit reiner ehre der jungfrau
Du, der keine glich, wird keine folgerin gleichen,
Denn vor allen weibern erwählte dich einzige Christus.
Hier zu hören gesungen von den Mönchen von Solesmes.

Übersetzung von Friedrich Wolters: Übertragungen aus den lateinischen Dichtern der Kirche vom vierten bis zum fünfzehnten Jahrhundert. Berlin 1914, S. 49.
Das Bild wurde aufgenommen in der Marienkapelle im Dom Unserer Lieben Frau zu Augsburg. Bei der Muttergottesdarstellung handelt es sich um eine Sandsteinstatue aus der Zeit um 1340.

Freitag, 1. Mai 2015

Erste Maialtarsichtung



Okay, die allererste maialtarartige Konstruktion - seit Konzil leidet die Kirche ja an einem zunehmenden Altarmangel (und Statuenemigration), dem höchstens noch mit einer ungebremste Zuführung von Rechtgläubigkeit beizukommen ist - die sah ich schon gestern nachmittag. Aber das gildet ja nicht.

Der oben abgebildete Maialtar in St. Margereth zu Augsburg kommt dagegen ganz traditionell daher, wie sehr einem das nun auch immer en détail gefallen mag. Kein Wunder, möchte man sagen, vergab man das Kirchlein ad usum usus extraordinarii. Und wie der Dauphin haben Traditionalisten mitunter ein empfindsames Gemüt. Die Lokalität, so bitte ich flehentlich, möge uns trotzdem weiterhin erhalten bleiben.

Das eigentliche Problem mit Anselm (2)

»Wohlan, jetzt also, Du Herr, mein Gott, lehre mein Herz, 
wo und wie es Dich suche, 
wo und wie es Dich finde.« 

Anselm sagt, dass Gott durch sich selbst bekannt ist. Diese Kategorie der durch sich selbst bekannten Dinge ist nicht neu, erst recht nicht für den hl. Thomas. Das wären solche Sachen wie das Nichtwiderspruchsprinzip, oder der Satz, dass das Ganze größer ist als der Teil. Diese Sätze sind allgemein bekannt und leuchten uns ein, weil wir auch die Dinge, um die es da geht, kennen. Es gibt aber auch kompliziertere Sachen, und die kennt dann nicht mehr jeder - an sich sind sie aber schon ersichtlich. Nur der Spezialist, der Wissende weiß, dass ein unkörperliches Wesen keinen Raum beansprucht und an keinem Ort ist. Wer keine Vorstellung von diesem Wesen oder von Raum und Ort hat, dem ist das nicht sofort klar.

Diese Unterscheidung ist die Basis für den Konter Thomas': Der Satz Gott existiert ist tatsächlich durch sich selbst bekannt. Wir sind in diesem Fall aber keine Wissenden, weil wir Gott nicht ganz und gar kennen. Wir haben nur indirekt und mittelbar eine Vorstellung von Ihm. Wenn wir Ihn aber im nächsten Leben schauen werden, dann wird uns Gottes Existenz durch sich selbst klarer sein, als dass Ja und Nein nicht gleichzeitig gelten können.

Anselm redet also wie einer, der Gott schon kennt. Und wie bereits im vorigen Beitrag geschrieben ... wenn er hier aus der Erfahrung der mystischen Gottesschau spricht, dann sei ihm das zugestanden. Der gewöhnliche Mensch hat Gott aber nicht unmittelbar erfahren, und von ihm und seinem Zustand müssen wir hier sprechen.

Was ist jetzt aber das eigentliche Problem mit Anselm? Da wird es leider wieder ein bisschen schwieriger. In der Theologie und in der Philosophie ist es so, dass man bei allen Streitigkeiten am Ende wieder auf ganz grundsätzliche Probleme stößt. Hätte man sich irgendwann da einmal geeinigt, würde es wahrscheinlich kaum noch größeren Ärger geben. Hat man aber natürlich nicht. Und deswegen stehe ich vor der unangenehmen Aufgabe, ein großes Feld zumeist ein klein wenig anzuschneiden. Am liebsten würde ich das nicht machen, aber dann wäre ich genau so oberflächlich wie die, die ich hier ständig kritisiere. Es geht um das Universalienproblem.

Mehr dazu in der nächsten Folge.

Einleitendes Zitat: Proslogion. 1. Kapitel, von hier.

Die Hände des Weltenzimmerers


Es waren die Hände Josephs des Zimmermanns, die die Hände des Schöpfers selbst lehrten und leiteten. 

Bild: aufgenommen in Herz-Jesu, Pfersee.
Wer des Englischen mächtig ist, der findet bei meinem Kollegen und Freund coelifluus ein ausgezeichnetes Werk über die Vorzüglichkeit des hl. Josephs vor allen anderen Heiligen aus der Feder Garrigou-Lagranges.