Samstag, 14. Februar 2015

Zum Valentinstag: Wie Katholiken küssen

1. Was auch immer geküsst wird, muss mit den Lippen berührt werden.
2. Die Küsse sollen nicht hörbar sein.*

So geht es natürlich auch: die Pax 
Als passionierter (leider pensionierter) Zeremoniar bin ich mit der gut-katholischen Art und Weise des Küssens recht vertraut - abgesehen von den oben abgetippten Regeln gilt nämlich für uns vor allem eins: geküsst wird oft und viel! Eigentlich doch eine super Sache, denn wer küsst schon nicht gerne? Und die Liturgie hält da eine große Bandbreite parat:


Kollege Andreas erinnerte mich mit seinem jüngsten Tagessplitter an eine Passage im Zeremonienbüchlein des englischen Universalgelehrten und Rubrizisten Adrian Fortescue. Als komprimiertes, leicht verständliches und in Landessprache verfasstes Handbuch hat es sich in den letzten Jahren fast weltweit zum Standardwerk in dieser Disziplin gemausert. Die aktuelle Auflage von 2009 wurde vom Benediktiner Alcuin Reid überarbeitet und auf den neuesten Stand gebracht (und kann z.B. bei diesem großen Versandhändler erworben werden).
Bevor es aber richtig losgeht, widmet sich der Engländer in den ersten dreißig Seiten zunächst mal einem Verriss fast aller bis dato gebräuchlichen Rubrizisten und mäkelt dann noch ein wenig am Römischen Ritus seiner Zeit herum. Unter anderem auch an den Küssen:
Two points occur which one might hope the authorities would simplify. One ist the constant kissing. Certainly this is a very ancient sign of reverence; in some few cases, as for instance, to kiss the hand of a bishop, no one would wish to see it abolished. But would not the actions gain in dignity if the endless kissing of objects and of celebrant's hand by the deacon ceased? At such a simple action, so sontantly repeated, as the deacon performs incensing, are eight "solita oscula". He has to kiss the spoon, the hand, the hand, the spoon; the thurible, the hand, the hand, the thurible. If only from the point of view of artistic effect these repeated inclinations of the head are not graceful. If all kissing were reduced to the chief cases of the paten and chalice and, at certain more important moments, of the hand of a bishop, the general effect of a ceremony would be calmer, and the osculum would become a more real sign of respect.**

Hm, anscheinend küsst doch nicht jeder so gerne wie ich ...


*Felix Zualdi: Caerimoniale Missae Privatae. Turin: Marietti 1922, S. 7.
**Adrian Fortescue: The Ceremonies of the Roman Rite described. London: Bournes, Outes and Washbourne 1920, S. xix.
Abbildungen aus: J.B. O'Connell: The Celebration of Mass. A Study of the Rubrics of the Roman Missal. Milwaukee: The Bruce Publishing Company 1947, S. 623 u. 282. Messe in Prinknash Abbey, England, Kongregation von Subiaco.

Kommentare:

  1. It seems to be a very nice and extremly pleasent book about the Roman Rite - I think I could love it!

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    1. Then I've got some even better news for you: The edition cited is actually available online!

      https://archive.org/details/ceremoniesofrom00fort

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  2. Ha! Ze Book is gekauft! Tarquini, langsam füllst Du meine Regale!

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    1. Und ich krieg noch nicht mal Prozente dafür!

      Willst Du nur lernen, wie Du die rubrikenroten Lippen Deiner Verlobten recht andächtig küssen kannst (hier könnte ich Dir noch einige Moraltheologen empfehlen!) ... oder willst Du gar selbst noch Zeremonienmeister werden?

      Nebenbei bemerkt, die Rubriken zu beherrschen ist auch ein prima Mittel, um kompetent über den Klerus herzuziehen: "Haste gesehen, dem seine reverentia simplex war höchstens 'ne minimarum minima, im Leben keine minimarum media!

      (Und bevor jetzt einer kommt: Ja, ich weiß, dass Fortescue die drei Arten nicht unterscheidet, aber ich halte mich an den Godfather der Rubrizistik, Pio Martinucci)

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    2. Vielleicht sollte ich mir den um dieses Gaudiums willen auch noch anschaffen, da ich ja nun am Ende der Vorlesungszeit im Geld schwimme?

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    3. Ach, dahin ist also mein Semesterbeitrag gegangen!?!

      Einem Latriner tut natürlich ein rubrizistisches Werk in Originalsprache gut, allerdings ist Martinuccis Manuale Sacrarum Caeremoniarium (wenn ich mich recht entsinne, wurde es ob seiner formalen Gestaltung von Fortescue ebenfalls eingehend kritisiert) inzwischen leider eher etwas für Eingeweihte.

      Was die Moraltheologie angeht, sind meine absoluten Favoriten Dominikus Prümmer und Benedikt Merkelbach, beide aus dem Predigerorden. Sollte Du interessiert sein, könnte ich Dir beide Werke zumindest als PDF zuspielen ...

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    4. Martinucci gibt es übrigens auch online in lateinischer Sprache und französischer Übersetzung: http://www.ceremoniaire.net/martinucci/

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