Donnerstag, 19. Februar 2015

Gute Nachricht für alle deutschen Bäuche

Angestoßen von den Kommentaren auf einem Nachbarblog habe ich mir noch einmal angeschaut, was die prä- und postkodikarischen Moraltheologen so zum Fasten zu sagen haben. Interessanterweise unterscheiden sie sich fast nur* bezüglich der nicht mehr geltenden Abstinenz von Fleisch, die Freitage und Samstage natürlich ausgenommen, und der allgemeinen Erlaubnis von Eiern und Milchprodukten. Per Dispens war allerdings, gerade in hiesigen Landen, schon mindestens 100 Jahre vor Geltung des CIC 1917 diese Disziplin de facto üblich, tatsächlich war sogar häufig von der Samstagsabstinenz dispensiert, wodurch das neue Gesetzbuch also wieder eine größere Strenge brachte! Vielerorts hielt man sich aber dennoch daran, zumindest den Fleischgenuss aufzugeben ... sei es aus Frömmigkeit oder aus Unkenntnis über die gewährten Erleichterungen.

Fraglos sind sich alle einig, dass das Fasten eine sehr subjektive Sache ist, die mit Klugheit und nicht mit der Waage angegangen werden muss**. Als allgemeiner Richtwert wird aber nichtsdestotrotz für das Frühstück eine Menge von zwei Unzen (60g), für das Abendbrot acht Unzen (240g) angegeben, selbst für jene, die dadurch gesättigt werden würden.*** Nun aber die gute Nachricht. Nach Alfons von Liguori u.a. kann man für alle Germanen und diejenigen, die zumindest einen teutschen Magen haben, schon einmal eine Ausnahme machen und zwei Unzen drauflegen, dann sind wir bei ungefähr 300g! Allel ... äh, ich meine, laus tibi Domine, Rex aeterne gloriae!



*(zum alten kirchlichen Fastengebot gehörte zusätzlich noch das Einhalten der bestimmten Uhrzeit)
**(obgleich ich schon von manch altrituellen Gemeinschaften hörte, die die kleinen Mahlzeiten abwiegen ... )
***siehe Liguori, Lehmkuhl, Noldin, Prümmer, Aertnys-Damen, Merkelbach uva.
Bild: Benedikt H. Merkelbach, OP: Summa Theologiae Moralis. Ad mentem D. Thomae et ad normam Iuris Novi (Bd. II). Brügge: Desclée 1962, Sp. 958.

Kommentare:

  1. Ja ja, man muß es ja nicht gerade mit der Waage angehen, aber wir rechnen die Ünzlein korrekt vor ... meines Ermessens sind solche Haarspaltereien mit ein Grund für die zwischenzeitlich laxe Haltung der Moraltheologie, überdrüßig solcher Rechtereien der Alten.

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    1. Das ist dann wohl das katholische et ... et! ;-)

      Aber Spaß beiseite, ich bin auch nicht so ein großer Fan der alten Kasuistik, wie hier schon mal angedeutet. Dennoch machte man dieser Disziplin ja gerade den Vorwurf, wegen ihrer Zahlenspielchen zur Lauheit zu neigen, eben zur Wissenschaft der Sündenvermeidung statt der Kultivierung von Tugend und Heiligkeit zu werden.

      Allein weiß ich nicht ich nicht recht, wie das Gegenteil gelingen kann, denn in der Anwendung der Tugenden und rechten Prinzipien stoßen wir immer auf konkrete Fragen. Viel Meckerei an der Moraltheologie gibt es, wenige Lösungen.

      Mir würde es bisweilen reichen, wenn die heutigen "Moral"-Theologen sich einfach die einleitenden Traktate der Alten zu Gemüte führen würde, ganz frei von Rechenkunst und Gewichten ...

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    2. Meinen kleinen Schelte-Koller sollte man freilich nicht zu sehr auf die Waage legen ... :-)

      Lehrbücher und Traktate können gewiß beim Tugendstreben hilfreich sein, unerleuchtet angewendet können sie aber - so jedenfalls meine Einschätzung - auch großen Schaden anrichten: Wenn von außen einfach aufgepfropft wird, was Innen nicht Wurzeln schlägt.

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    3. Da sind wir natürlich ganz d’accord. :-)

      Es ist ja grundsätzlich schwierig, das Ewige ins Zeitliche einzufangen. Je mehr wir ins Detail gehen, um so schwieriger ... und um so immanenter erscheinen uns die Dinge, die doch zum Transzendenten führen sollen.

      ... und als postpubertäre Gegenreaktion zu der Karikatur von Moraltheologie, die ich dieser Tage so kennenlernen durfte, bin ich gerade was das angeht ohnehin mehr auf Krawalltradi und letter of the law gebürstet denn als Reformtraditionalist. Aber gut, *hust*, ist vielleicht auch nur so ein denzingerianisches Krankheitssymptom. ;-)

      (Dabei habe ich im wirklichen Leben gar nicht so besonders viel mit Denzingernummern, CIC und Rubriken zu tun, aber ich muss hier ja auch ein image pflegen ... nur psst, sag's keinem weiter ;-) )

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  2. ...und dennoch würde mich interessieren, wie viel in GRAMM, der Mensch nach diesen BEIDEN Vorschriften essen dürfte ... Vergelt's Gott!

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    1. Es handelt sich nicht um eine Vorschrift, sondern um eine Meinung der Moraltheologen (darunter der hl. Alfons) bezüglich des kirchlichen Fastengesetzes, das so nicht mehr gilt - das nur nochmal, damit mich niemand falsch versteht.

      Eigentlich stehen die Grammangaben aber ja im Text. Für das Frühstück 60g, für das Abendbrot 240g bzw. in den kälteren Ländern 300g. Zur Hauptmahlzeit konnte man immer so viel essen, wie man wollte, ohne das Fasten zu brechen ... wohl aber könnte man könnte man gegen die Mäßigung sündigen!

      Als Faustregel hielt man sich bis zur Bußreform unter Paul VI. aber eher daran, dass beide kleinen Mahlzeiten zusammen nicht die Menge der Hauptmahlzeit ergeben sollte.

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