Donnerstag, 19. Februar 2015

Das Verlangen der Gerechten

»In Gerechten, die noch nicht gänzlich von der Kirche eingenommen worden sind [d.h., die noch keine Heiligen sind - Anm.], je mehr die göttliche Liebe in ihnen heranwächst, um so mehr wächst auch die Sorge und die Verwirrung aus den Wunden ihrer alten Sünden und aus ihren täglichen Unzulänglichkeiten. Sie trachten danach, über die Grenze hin zu dem Vaterland zu gelangen, in dem sie endlich ihre eigene Schwäche verschwunden sehen, wo sie endlich fähig sind, Gott ohne Verrat und Zerteilung ihrer Herzen zu lieben. Sie sehnen sich nach der Zeit, in der sie nicht länger wiederfinden umzingelt von den Triumphen des Fürsten dieser Welt; wenn sich all die unüberwindlichen Unkenntnisse auflösen, die unüberbrückbare Hindernisse zwischen Seelen guten Willens und dem Verlangen nach Christus (der sie für die Kirche beansprucht); wenn sie ihre Geliebten nicht länger sterben oder kleine Kinder leiden oder die Lügen herrschen oder die Erde überzogen von Blut, Hass und Verzweiflung, oder irgendeinen Menschen seinem eigenen Verderben entgegengehen sehen. An all das denken sie, wenn sie das Pater noster sprechen oder den Schrei des hl. Paulus wiedergeben: Maranatha! Komm, unser Herr! (1 Kor 16,22), oder den des hl. Johannes: Ich, Jesus ... bin die Wurzel des Geschlechtes David, der helle Morgenstern. Und der Geist und die Braut sprechen: Komm! Und wer es hört, der spreche: Komm! (Offb 22, 16f)«

Charles Journet: Theology of the Church. San Francisco: Ignatius Press 2004, S. 362f.

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