Samstag, 21. Februar 2015

Christus, du bist der helle Tag

Heute Abend ist es mal wieder soweit: Breviere tauschen! Das Stundenbuch für den Winter kommt in den Schrank, und zumindest liturgisch ist damit der Frühling ausgebrochen. Eigentlich ein bisschen komisch, könnte man fast meinen, jetzt erst zu wechseln - ist nicht schon seit Mittwoch Fastenzeit? Nun, in den älteren Tagen, als es noch nicht so lange her war, dass man die Fastenzeit auf den Mittwoch von Quinquagesima ausdehnte, unterschied man: Das Fasten beginnt am Aschermittwoch, die Fastenzeit ab Quadragesima.
An dieser Stelle sei aber auch wieder daran erinnert, woher das Brevier kommt und was der Name bedeutet. Es ist das alte Choralamt in Kürze, ursprünglich erdacht für die beschäftigten Kleriker des päpstlichen Hofes, die auf ihren Reisen oft nicht an der gemeinschaftlichen Rezitation teilnehmen konnten. Damit aber auch alles in ein handliches Büchlein passt, wurde gewaltig verkürzt und vereinfacht. Durchaus verständlich, aber leider sind damit letztlich viele Schätze mehr oder minder verloren gegangen, wenn sie nicht durch verschiedene Eigenriten erhalten wurden. Ein besonders guter Gewährsmann, von dem wir viel über die alte stadtrömische Liturgie erfahren, ist der Ritus des Dominikanerordens. Eines seiner besonderen Markenzeichen ist sein Abwechslungsreichtum in der Komplet, die in der römischen Liturgie leider aufgegeben wurde. Ab heute singen die Predigerbrüder den über fünfzehnhundert Jahre alten Hymnus: Christe, qui lux es et dies.


1. Christe qui lux es et dies,
Noctis tenebras detegis,
Lucisque lumen crederis,
Lumen beatum praedicans.

Christus, du bist der helle Tag,
dein Glanz durchbricht die dunkle Nacht.
Du Gott des Lichtes kündest uns
das Licht, das wahrhaft selig macht.

2. Precamur sancte Domine,
Defende nos in hac nocte,
Sit nobis in te requies,
Quietam noctem tribue.

Nimm gnädig, guter Herr und Gott, 
uns diese Nacht in deine Hut;
laß uns in dir geborgen sein, 
in deinem Frieden ruht sich's gut.

3. Ne gravis somnus irruat,
Nec hostis nos surripiat,
Nec caro illi consentiens,
Nos tibi reos statuat.

Gib, daß nichts Arges uns bedrängt, 
der böse Feind uns nicht verführt,
und laß nicht zu, daß Geist und Leib 
vor deinem Auge schuldig wird.

4. Oculi somnum capiant,
Cor ad te semper vigilet,
Dextera tua protegat
Famulos qui te diligunt.

Dieweil die müden Glieder ruhn, 
bleib unser Herz dir zugewandt.
Wir sind dein Volk, das dir vertraut, 
beschütze uns mit starker Hand.

5. Defensor noster aspice,
Insidiantes reprime,
Guberna tuos famulos,
Quos sanguine mercatus es.

Sei deiner Diener eingedenk, 
die du mit deinem Blut erkauft.
Stärk uns durch deines Leidens Kraft,
wir sind auf deinen Tod getauft.

6. Memento nostri Domine
In gravi isto corpore,
Qui es defensor animae,
Adesto nobis Domine.

Gedenke unser, treuer Herr, 
da uns des Leibes Schwere hemmt.
Der Seele Schutz und Schild bist du,
Herr, sei bei uns mit deiner Huld.


Deutsche Übertragung nach der modernen Liturgia Horarum. Hörbar z.B. hier gesungen vom unglaublichen Giovanni Vianini.

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