Sonntag, 31. August 2014

Gedenke Abrahams, Isaaks und Jakobs

Das Offertoriumslied Precatus est von diesem Sonntag ist von besonderer inhaltlicher und musikalischer Schönheit. Als verspäteter Tribut an den seligen Ildefons Schuster, an dessen Gedenktag ein Nachbarblog dankbarerweise erinnerte, lasse ich nach der deutschen Übersetzung den Benediktinerkardinal aus seinem Liber Sacramentorum zu Worte kommen:

Moses flehte vor dem Angesichte des Herrn, seines Gottes, und sprach: "Herr, was zürnst Du Deinem Volke? Halt ein mit dem Zorne Deines Herzens, gedenke Abrahams, Isaaks und Jakobs, denen Du geschworen, das Land zu geben, das von Milch und Honig fließt." Und besänftigt, hielt der Herr das Unheil zurück, das Er angedroht Seinem Volke.

"Vom musikalischen Standpunkt aus ist ist es einer der schönsten Stücke in der gregorianischen Sammlung. (...) Die katholische Lehre von der Gemeinschaft der Heiligen wird oftmals wenig reflektiert, selbst von vielen frommen Seelen, welche der heute so verbreiteten Neigung nicht gänzlich entfliehen können, sich in einen engen Individualismus einzuschließen. Sie bedauern ihre Armseligkeit und die unvollkommene Art und Weise, in der sie Gott dienen; aber wie viel mehr Mut und Trost würden sie in dem Gedanken finden, dass ihre Handlungen nicht so isoliert sind, wie sie glauben, sondern im Gegenteil, sie sind mit der Heiligkeit der ganzen Kirche vereint, von der sie eine unvorhersehbare Wirksamkeit erhalten?"*





Aufnahme von der Schola Bellarmina aus Brüssel, die ganze CD kann kann auch hier bestellt werden.

*(aus der englischen Edition "The Sacramentary", Westminster 1927, Teil V, S. 130, ins Deutsche übertragen) 

Repost: Kirche unter Kollegen


Nach dem Schreiben meines vorletzten Beitrages kam mir der Gedanke, diesen vor einem Jahr verfassten Text erneut zur Verfügung zu stellen.

Schon lange hört man, gerade aus deutschen Landen, den Ruf nach "mehr Kollegialität" in der Kirche. Das nicht nur aus den (Stuhl-)Kreisen der Memorandenpensionäre und Universitätstheologie, sondern von der kirchlichen Hierarchie selbst. Angefeuert wurde die Kollegialitätsstimmung unlängst auch von unserem Oberhirten, Papst Franziskus. Auf der anderen Seite scheut der Dunkelkatholik die Kollegialität fast so sehr wie Familiengottesdienste und CSD-Paraden. Aber: Weiß eigentlich überhaupt noch jemand, was es mit der Kollegialität der Bischöfe auf sich hat?

Samstag, 30. August 2014

Introibo ad missale Dei

Nachdem der geschätzte Bloggerkollege Andreas von Pro Spe Salutis sein kürzlich erworbenes Altarmissale vorstellte, möchte ich doch mit meinem eigenen, wenn auch weniger festlichen und auf mondänere Weise erworbenen Missale gleichziehen.
Die Geschichte des bücherbewundernden Ministranten, der die heimische Sakristei durchforstet, brauche ich hier nicht zu wiederholen - auch wenn sich diese Geschichte augenscheinlich wiederholt!

Die geschwärzte Stelle oben rechts lädt zum Grübeln ein - war es ein
 Weihrauchfassunfall, Kirchenbrand, der Widersacher höchstselbst? Oder die
angelaufene Stelle auf dem linken Blatt: ein Kelchunfall, was der Herrgott natürlich
verhüten möge, oder hat es jemand mit Weihwasser zu gut gemeint?

Obwohl es, in den 30ern gedruckt, einige Jahre weniger auf dem Buckel (bzw. den Buckeln, siehe Bild) hat, sieht es doch ziemlich mitgenommen aus. Wer weiß schon, ob es weniger pfleglich im Altardienst, in der Sakristei oder dann in irgendeiner Lagerstätte behandelt wurde? Woher das Missale kommt, kann ich auch nicht sagen - ich erwarb es, wie gesagt, weniger diakonisch, nämlich vor einigen Jahren über eine bekannte Auktionsplattform im Internet. Den Ort, aus dem es mir zugesandt wurde, hätte ich mir merken sollen. So bleibt als alleiniger Hinweis der Diözesananhang aus Paderborn auf den letzten Seiten.

Im Hintergrund die Diözesanproprien Limburgs
von 1829, dem ältesten "Buch" meiner Sammlung


Ein Sinnbild seines versteckten Lebens: klein, zwischen den Zeilen, der hl. Josef

Insgesamt bleibt die Aufmachung schlichter, als oftmals um die Jahrhundertwende üblich. Feierlich aber finde ich die Buchschließen, mit deren Öffnen man in die großen Heilsmysterien eintritt, in das Buch mit sieben Siegeln...

Acta Francisci Papae

Nachdem wie angekündigt auf meinem Blog einige Zeit Ruhe herrschte, kehre ich nach überstandenem Umzug wieder zum gewohnten Schreibrhythmus zurück. Ich muss sagen, dass ich in gewisser Weise auch ganz froh war, im vergangenen Monat nichts ins Netz stellen zu brauchen - die Schrecken der Christenverfolgung im Irak, welche in dieser Zeit ihre ersten Höhe-, oder besser Tiefpunkte erreichten, forderten einerseits lautstarken Protest und Unterstützung, andererseits fehlten mir aber auch die Worte, meiner Sorge und meinem Mitgefühl Ausdruck zu verleihen. Man musste schreiben, aber nichts Geschriebenes konnte den Schmerz am mystischen Leibe Christi lindern, und wir litten und leiden mit, denn "leidet ein Glied, so leiden alle Glieder" (1. Kor, 12, 26).
Aber dennoch vermag es keine irdische Gewalt, dem Erlösungswerk des Heilands ein Ende zu setzen. "Gott hat uns", so schreibt der oben bereits zitierte hl. Apostel Paulus, "in Christus Jesus mitversetzt in den Himmel." (Eph. 2, 4-6) Egal was den Verfolgten um Seines Namens Willen geschieht, und gerade weil ihnen dies geschieht, sind die mit Gottes Sohn zusammengeschlossenen Glieder zur Rechten des Vaters gesetzt. Deswegen ist es also trotzdem würdig und recht, dass die Kirche weiterhin feiert. Wichtige und schöne Feste habe ich hier nun leider verpasst, den hl. Dominik, die Verklärung Christi, Mariä Himmelfahrt, den hl. Bernhard, die Herzverwundung der hl. Theresia, jüngst den hl. Augustinus und viele mehr, Feste, an denen ich, wie ich das so gerne tue, mehr oder weniger bekannte Hymnen, Responsorien, Antiphonen und Orationen eingestellt hätte.
Mir wurde auch nochmal bewusst, dass auf dem Denzinger-Katholiken entweder ein Herbstputz oder neuer Eifer fällig wäre. Die Bücher des Monats werden eher zu Büchern des Quartals, mein Thomas-Kommentar und die Lehramts-Blütenlese ging kaum über den Anfangsbeitrag hinaus...aber irgendwo las ich vor kurzem: "Halte doch mal deine Vorsätze." Also, ich werde genau das versuchen, oder zumindest versuchen es zu versuchen.

Keine Todesanzeige, sondern
das Habemus Papam
Aber nun zum eigentlichen Thema und Titel, auch wenn es viel weniger Raum einnimmt, als ich erst dachte: Die Verlautbarungen im Amtsblatt der Heiligen Stuhls, der Acta Apostolicae Sedis, unter der Regierung Papst Franziskus'. Ähnlich wie bei der Faustregel der Theologen für den Denzinger, "was nicht im Denzinger steht, ist nicht im Lehramt" gilt, "was in den Acta steht, ist Teil des Lehramtes." Ich kam dazu, als ich daran dachte, dass bei den ersten Aufregern zu Beginn des Pontifikates irgendjemand beschwichtigend sagte, man solle doch erstmal abwarten, ob diese ganzen Predigten in Santa Marta und die ständigen Interviews denn überhaupt in den Acta abgedruckt werden - im Osservatore Romano werden sie das ja manchmal! So könnte man übrigens meinen, vielleicht gingen diese Äußerungen eben manchmal ins Lehramt ein.
Wie dem auch sei, beim Stöbern in den jüngsten Acta, und ich muss zugeben, mich davor ansonsten nicht gerade häufig nördlich der Regierung Pauls VI. bewegt zu haben, fiel mir zuallererst mal auf, dass man als Theologe heutzutage besser Italienisch (und vielleicht noch dazu Spanisch) können sollte. Und die Entwarnung: die Santa-Marta-Homilien und Interviews stehen wie erwartet nicht in den Akten. Dafür aber übrigens die in dunkelkatholischen Kreisen berühmte "Pelagianismus-Verurteilung", denn die wurde nach einer privaten Bemerkung noch einmal in einer päpstlichen Allokution wiederholt  (AAS 105 [2013], August, S. 703). Was ich von diesen Worten halten soll bzw. was sie überhaupt bedeuten, das weiß ich immer noch nicht.

Und was bedeutet das jetzt weiter, für uns? Erleichterung, Freude? Vermutlich eher nicht so wirklich. Das Amt der Nachfolger Petri ist größer als es die Acta jemals fassen könnten und die Konzilien sind mehr als Seiten im Denzinger. Wenn man nun allein auf das geschrieben oder gedruckte Wort aus Rom schaut, kann man nur zum gleichen Eindruck kommen, den der von mir hochgeschätzte Dr. Obenauer in seinem ersten Beitrag auf katholisches.info seit fast einem Jahr (ich hätte es fast übersehen, da ich dort nicht mehr regelmäßig reinschaue) wiedergibt:
Ich belasse es bei diesen weit ausgreifenden Andeutungen einer programmati­schen Auseinandersetzung. Sie beinhalten eine implizite Kritik an der Verkün­digungspraxis von Papst Franziskus. Implizit deshalb, weil im Rahmen dieser Verkündigung immer wieder problematisch-einseitige, anstößige und tendenzi­öse Aussagen vorkommen, ohne daß der sich andeutende Lapsus eindeutige Griffigkeit hätte; oder das dem Wortsinn nach sehr wohl Inkriminierbare ist kon­textuell erheblich entschärft, so daß die Kritik ihren Gegenstand erst heraus­profilieren muß. 
Was bleibt also, mit Blick auf die kommende Synode, deren Ergebnis ganz bestimmt auch in den Acta stehen wird? Was ist zu halten von der bisherigen Lehre Francisci, wie kann es damit weitergehen? Ich lasse für mich den gleichen Autor noch einmal zu Wort kommen:
Nochmals, was den Papst angeht: dem will ich wirklich nicht böse. Ich weiß nur nicht, was ich von all dem halten soll – und das bereitet mir große Sorge. Und das ist alles. 

Donnerstag, 28. August 2014

Gott, das verwundbarste aller Seienden

Um ihn zu verwunden, bedarf es keiner Giftpfeile, keiner Kanonen und Maschinengewehre. Es genügt eine unsichtbare innere Regung eines mit freiem Wahlvermögen ausgestatteten Wesens, um ihn zu verletzen, um seinen voraufgehenden Willen einer irdischen Wirklichkeit berauben, die er von Ewigkeit gewollt und geliebt hat und die niemals sein wird.
Wo steht es doch geschrieben, daß der Mensch im Alten Testament Gott fürchtet, aber das im Neuen Testament Gott den Menschen fürchtet, Furcht vor mir, vor dir und vor dem Bösen hat, das ich ihm noch in meiner Person und in der Person anderer zufügen kann? Jawohl, Gott fürchtet die Sünde, er fürchtet um meinetwillen das Böse, das ich ihm zufügen kann; deshalb sendet er seinen einzigen, vielgeliebten Sohn, um mich auf den Straßen der Welt zu suchen und unter sein Kreuz zu rufen:
Bist mich suchend müd gegangen, 
Mir zum Heil am Kreuz gehangen,
Mög dies Mühn zum Ziel gelangen.

(Charles Journet, Vom Geheimnis des Übels, Essen 1963, S. 214)

Dienstag, 26. August 2014

Freitag, 22. August 2014

Denzinger-Katholik meldet sich zurück & Übersetzungsrätsel

Eingezogen
Eigentlich wollte ich schon zum Fest des hl. Bernhard wieder etwas veröffentlichen, aber da hat mir der Internetanbieter meiner Wahl leider einen Strich durch die Rechnung gemacht. Wie dem auch sei, der Denzingerianer hat sich in seiner neuen Wohnung eingefunden - natürlich nicht ohne das ein oder andere Ärgernis, aber das lässt sich bei diesen Sachen bzw. im ganzen irdischen Leben sowieso nicht ganz vermeiden. Und das ist auch gut so, sollte ich ja nicht vergessen, dass dies doch auch wieder nur eine vorübergehende Heimstätte ist. 

Beim Wiedereinräumen meiner Bücher fiel mir ein Zettel entgegen, den ich vor einiger Zeit schon gefunden und wieder vergessen hatte. In meiner Schulzeit habe ich auch gerne Zettelchen geschrieben, die dann von Banknachbar zu Banknachbar bis zum Adressaten gereicht wurden, vornehmlich an Schulkameradinnen. Manchmal gerieten diese Zettelchen auch in die falschen Hände, schlimmstenfalls in die des Lehrers. Manche lasen die dann gerne vor, um die Schreiber zu beschämen, aber es kam durchaus auch vor, dass sie den Zettel beschämt lieber schnell verschwinden ließen. Aber ich schweife ab, der Zettel, den ich in einem dreibändigen philosophischen Handbuch des Dominikanertheologen und Kardinals Tommaso Maria Zigliara fand, einer der führenden Köpfe der frühen Neuscholastik, ist natürlich nicht solcher Natur. 
Vielleicht möchte ja jemand diese Zeitzeugnis aus der Feder des Hymnographen Blasio Verghetti, es dürfte spätestens in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts entstanden sein, übersetzen:


Im mehr oder weniger gewohnten Tempo geht es dann hier wieder ab September weiter.

Montag, 4. August 2014

Denzinger-Katholik zieht um & Blogopause

Nicht nur mein früherer Bischof zieht um, nein, auch ich selber ziehe - freilich unter geringerer Medienbeachtung - gen Süden. Da so eine Sache vor- und nachbereitet werden will und ich zudem danach auch nochmal anderweitig unterwegs sein werde, pausiere ich den Blog voraussichtlich für den Rest des Monats.

Euch allen noch einen schönen August und Gottes reichen Segen!

Samstag, 2. August 2014

Portiunkula-Ablass

Da die Möglichkeiten zur Gewinnung eines vollkommenen Ablasses unter der Regierung Pauls VI. reduziert wurden, um die Wertschätzung der Zuteilwerdung eines so großen Kirchenschatzes unter den Christgläubigen zu erhöhen, möchte ich gerne besonders auf die heutige Gelegenheit hinweisen.

Der Portiunkula-Ablass (ital. Grande Perdono d’Assisi) ist ein Ablass der am 2. August oder am darauf folgenden Sonntag – ab 12 Uhr des Vortages bis 24 Uhr des betreffenden Tages – in Pfarrkirchen oder Kirchen des Franziskanerordens als vollkommener Ablass gewonnen werden kann.
Voraussetzungen sind: Besuch einer dieser Kirchen mit Gebet von Vater unser und Glaubensbekenntnis. Zusätzlich gefordert ist die Erfüllung der üblichen Bedingungen für einen Ablass: Beichte mit entschlossener Abkehr von jeder Sünde, Kommunionempfang und Gebet auf Meinung des Heiligen Vaters. Diese Bedingungen können mehrere Tage vor (oder auch nach) dem Kirchenbesuch erfüllt werden.
Quelle: Kathpedia