Donnerstag, 31. Juli 2014

"Er ging ein in die Freude Gottes"

...sagte der Beichtvater Louis de Funes', nachdem er ihm die Sterbesakramente gespendet hatte. Der französische Schauspieler und Freund der Tradition gab uns einen irdischen Vorgeschmack auf das, was er bereits im Himmel verkosten darf: Die ewige Freude.

Montag, 28. Juli 2014

Sie erkennen unseren Reichtum nicht

Auch ist es mit dem Himmelreich wie mit einem Kaufmann, der schöne Perlen suchte. Als er eine besonders wertvolle Perle fand, verkaufte er alles, was er besaß, und kaufte sie.
Mt. 13, 45f, 17. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr A

Da die Wahrheit nur eine ist, und nicht etwa geteilt, ist die Rede von der einen Perle. Wer eine Perle besitzt, weiß zwar, dass er reich ist, anderen aber ist das nicht bekannt, denn oft bedeckt er die Perle, die ja so klein ist, mit der Hand. Ebenso verhält es sich bei der Verkündigung des Evangeliums: Wer die Perle in der Hand hält, weiß, dass er reich ist, die Ungläubigen aber wissen nichts von diesem Schatz und erkennen unseren Reichtum nicht.
(Johannes Chrysostomus, In Mattheum homiliae xiii)

Freitag, 25. Juli 2014

Liturgie auf Spanisch

"Darum machte (...) ein französischer Geistlicher (...) die Bemerkung: 'Mag die Liturgie auf lateinisch oder auf französisch gehalten werden - meinen Pfarrkindern wird sie immer spanisch vorkommen.' Er meinte damit, das theologische, biblische und geistliche Gedankengut der Liturgie werde noch nicht erfaßt."
(Cyprian Vagaggini, OSB Cam., Theologie der Liturgie, ins Deutsche übertragen von August Berz, Einsieden 1959) 

Donnerstag, 24. Juli 2014

Eine Unterhaltung mit sich selbst

Vor etwa zwei Wochen zitierte der Heiligenkreuzer Zisterzienserpater Edmund Waldstein auf seinem Blog Sancrucensis eine Passage aus dem monumentalen Werk der aszetischen und mystischen Theologie von P. Garrigou-Lagrange, "Les Trois Ages de la Vie Interieure: prelude de celle du Cie", in deutscher Übersetzung unter dem Titel "Des Christen Weg zu Gott: Aszetik und Mystik nach den drei Stufen des geistlichen Lebens" 1953 erschienen. Wie sicherlich so vieles aus den Bänden des berühmten Thomisten, für den der allererste Lehrstuhl für aszetische und mystische Theologie überhaupt in Rom errichtet wurde, sind es die Zeilen wert, sie auch noch einmal hier wiederzugeben:


"Wenn der Mensch aufhört, sich äußerlich zu beschäftigen, mit seinesgleichen zu sprechen, - wenn er sich allein findet, dann beginnt er, selbst im Lärm der Großstadtstraßen, eine Unterhaltung mit sich selbst. Ist er noch jung, denkt er oft an seine Zukunft; ist er alt, denkt er an die Vergangenheit...
Wenn der Mensch im Grunde Egoist bleibt, so ist seine innere Unterhaltung mit sich selbst eingegeben von der Sinnlichkeit oder dem Stolz; er unterhält sich über den Gegenstand seiner Habsucht, seiner Begierden, und da er dabei in sich Traurigkeit findet, ja den Tod, so sucht er sich selbst zu entfliehen, sich ans Äußerliche, ans Draußen hinzugeben, sich abzulenken, um die Leerheit und das Nichts seines Lebens zu vergessen. (...)Die innere Unterhaltung des Egoisten mit sich selbst führt auf diese Weise zum Tod und ist also kein innerliches Leben."
Wenn der Mensch schließlich Reue empfindet, wieder in den Stand der Gnade gelangt, da ändert sich auch seine innere Unterhaltung. Er liebt sich weniger um sich selbst willen, sondern um Gottes Willen, und auch die Anderen mehr wegen Gott. Natürlich bleibt der Mensch weiter angesteckt von Fehlern und Egoismus, und wenn diesen nachgegeben wird, findet er erneut in den Tod - am Grund der Seele aber steht der tiefe Wunsch, das Bedürfnis nach Erfüllung.
"Die Seele hat das Bedürfnis, sich mit einem anderen als sich selbst zu unterhalten. Warum? Weil sie nicht selbst ihr letztes Ziel ist. Weil ihr Ziel der lebendige Gott ist, und weil sie nie gänzlich ruhen kann außer in Ihm. Wie der hl. Augustinus sagt: 'Inquietum est cor nostrum, Domine, donec requiescat in te. Unser Herz, o Herr, bleibt unruhig, bis es ruht in Dir.'"

Mittwoch, 23. Juli 2014

Steine und Brote und Freiheit

"In der Versuchung des Teufels sind drei ungeheure Gedanken von der Welt zusammengefaßt. 18 Jahrhunderte sind seitdem vergangen, und immer noch gibt es keine schwierigen, d. h. verwickelteren Probleme, und noch immer kann man sie nicht lösen. Die Steine und Brote bezeichnen das augenblickliche soziale Problem, das Milieu. Das ist keine Prophezeiung, das hat es immer schon gegeben ... Du bist Gottes Sohn, folglich kannst Du alles ... Gebiete, daß die Erde künftig ohne Mühe Frucht bringt. Lehre die Menschen ein Wissen und eine Ordnung, die bewirken, daß ihr Leben fortan gesichert ist. Siehst Du nicht, daß die schlimmsten menschlichen Laster und Übel aus dem Hunger, der Kälte, dem Elend und dem unerträglichen Daseinskampf entstehen? Das ist das erste Problem, das der Geist des Bösen Christus stellt. Geben Sie zu, daß es schwierig ist, damit fertig zu werden. Der augenblickliche Sozialismus in Europa und sogar bei uns verdrängt überall Christus, sorgt sich in erster Linie um das Brot, appelliert an die Wissenschaft und beteuert, daß alles Übel der Menschheit nur eine einzige Ursache haben: das Elend, den Daseinskampf, die Tatsache, daß man vom Milieu verschlungen wird. Christus antwortet darauf: Der Mensch lebt nicht vom Brot allein. Mit anderen Worten: Er antwortet mit dem Grundsatz des geistigen Ursprungs des Menschen. Die Idee vom Teufel konnte lediglich dem primitiven Menschen entsprechen. Was Christus angeht, so wußte er, daß man den Menschen nicht allein mit Brot wieder zum Leben bringen kann. Wenn es darüber hinaus nicht das geistige Leben, das Ideal der Schönheit gibt, dann verfällt der Mensch in Melancholie, er stirbt, verliert den Verstand, bringt sich um oder verliert sich in heidnischen Vorstellungen. (...) Gäbe man ihnen dagegen Brot, laufen sie Gefahr, einander aus Langeweile zu Feinden zu werden. - Was wird aber, wenn man ihnen die Schönheit und das Brot zugleich gibt? - Dann nimmt man dem Menschen seine Persönlichkeit, die Möglichkeit, sein Gut für einen anderen zu opfern, kurz, man nimmt ihm das ganze Leben, das Ideal des Lebens. Darum ist es besser, ein geistiges Ideal zu verkünden."
(Brief Dostojewskijs an Y. A. Alexejew, geschrieben in St. Petersburg am 7. Juni 1876) 
Man kann vielleicht sagen, Dostojewskij möchte mit seinem "Großinquisitor" den Menschen zur Erkenntnis bringen, dass er mit dem in Demut erduldeten Übel seine Größe erkauft. Das Übel zwingt den Menschen ja geradezu, die bemitleidenswerte gegenwärtige Lage mit dem Geist an die Erwartung eines anderen Lebens zu überwinden. Darin findet sich sicherlich eine Wahrheit, die das Geheimnis, das Evangelium des Kreuzes berührt: "Doch nicht darob allein wollen wir uns rühmen, nein, auch der Trübsal wegen. Wir wissen: die Trübsal macht starkmütig; die Starkmut schafft Bewährung, Bewährung führt zur Hoffnung. Die Hoffnung aber beschämt nicht; denn die Liebe Gottes ist in unsere Herzen ausgegossen durch den Heiligen Geist, der uns verliehen wurde." (Röm 5, 3ff)
Doch Dostojewskij und mehr noch sein Schüler Berdiajew erkaufen sich ihre Antwort auf den Atheismus mit einem schweren Preis: der Gnosis. Gott, der Schöpfer, Heiligmacher, er steht ohnmächtig der Freiheit gegenüber, die gleichzeitig mit ihm hervorgeht  - und durch die Freiheit kommt das Übel und das Leid. So kann man den Großinquisitor verstehen, der sagt: "[D]er Mensch kenne keine quälendere Sorge als den ausfindig zu machen, dem er so schnell wie möglich jenes kostbare Geschenk der Freiheit zurückgeben könnte, mit dem dieses unselige Geschöpf in die Welt gesetzt worden ist." In dieser Tragödie wird Gott zum endlichen Trugbild, unsere Freiheit zu einem Übel herabgewürdigt. Hier brauch Gott uns, um Sieger über die Freiheit zu sein.

Ja, es ist wahr, und das ist ein unfassbar schönes Geheimnis unseres Glaubens, dass Gott unserer Liebe bedarf. Der absolut transzendente Gott bedarf aber dieser Liebe nur, weil er es frei gewollt hat. Er ist kein Götze, der sich nur selbst vollenden will. Genausowenig steht die Freiheit außerhalb seiner Gewalt, ist Mittel des Bösen. Vielmehr sind wir die Nutznießer seines freien Entscheidung, unsere Liebe bedürfen zu wollen. Wir sind mit Liebe und Freiheit beschenkt. Und in diesem Sinne kann man womöglich auch das Ende des Großinquisitors lesen.

"Doch Er steht plötzlich auf, tritt an den Greis heran und küßt ihn sanft auf dessen blutlose Lippen. Das war seine Antwort."

Von der Höhe des Karmels

Die Braut des Lammes hat kürzlich wie auch im vergangenen Jahr einen schönen Beitrag zum Fest der seligen Märtyrinnen von Compiégne verfasst. Vormals wurde im Ritus der Karmeliten der sel. Theresia vom hl. Augustinus und ihrer Gefährtinnen morgen, am 24. Juli gedacht. Die Eigenteile der Messe wirken auf mich in diesen Zeiten der Verfolgung unseres heiligen Glaubens besonders ergreifend.

Oration
O Gott, Du hast ob der in Deiner Liebe unüberwundenen Standhaftigkeit die selige Theresia und ihre Gefährtinnen von der Höhe des Karmels zur Krone des Martyriums berufen, gib, so bitten wir, daß wir in treuer Liebe zu Deiner erhabenen Anschauung gelangen. Der Du lebst.

Deus, qui, ob invictam in tuo amorem constantiam, beatam Teresiam et Socias ejus de vertice Carmeli ad martyrii coronam vocasti: tribue, quaesumus; ut, te fideliter diligentes, ad contemplandam speciem tuae celsitudinis perducamur: Qui vivis.

Stillgebet
Wir bringen Dir, o Herr, jenes Opfer dar, von dem der Martertod allen Anfang genommen hat und flehen demütig, daß der gleiche Starkmut, den die selige Theresia und ihre Genossinnen aus diesem Gastmahl schöpften, auch uns bei dem Bekenntnis Deines Namens erfülle.

Sacrificium illud tibi, Domine, offerimus, de quo martyrium sumpsit omne principium: humiliter deprecantes; ut, quam beata Teresia ejusque Sociae ex hoc sacro convivio fortitudinem hauserunt, eamdem et nos in confessione tui nominis habeamus. Per Dominum.

Postkommunion
Gib uns, o Herr, die wir uns mit dem himmlischen Brote gestärkt haben, Beharrlichkeit im hl. Bekenntnisse, damit wir die Nachstellungen aller Feinde zu überwinden und Deiner ewigen Glorie teilhaftig zu werden verdienen mögen. Durch unseren Herrn.

Caelesti pane refectis, da nobis, Domine, in sancta professione constantiam: ut, hostrium omnium superatis insidiis, sempiternae gloriae tuae participes esse mereamur. Qui vivis.

(zitiert nach "Missale der Beschuhten Karmeliten, lateinisch und deutsch, herausgegeben im Anschluß an das von den Mönchen der Erzabtei Beuron herausgegebene vollständige Römische Meßbuch, von P. Gundekar Hatzold, O. Carm.", Straubing 1950)

Dienstag, 22. Juli 2014

Die Messe als Weg zum neuen Leben in Gott

Ich wage mal, einen Beitrag in der Kommentarspalte des Nachbarblogs Pro Spe Salutis aus der Tastatur des Blogeigentümers selbst hier wiederzugeben:

Das "Festbeißen" an der Mysterientheologie (die ja der tragende Grund des Hersteller Schrifttums ist) scheint mir durchaus positiv - und man sollte das vielleicht heute wieder in Erinnerung rufen, etwa bei der Frage der Zulassung von Geschieden-Wiederverheirateten zur hl. Kommunion. 
Da wird ja gerne argumentiert, gerade diese bedürften der Stärkung. Dabei vergisst man, daß die Heilige Messe auch ohne Kommunion bereits ein Mysterium im ganz konkreten Sinn ist, das im Vollzug die Herzen der Teilnehmenden verwandeln und heilen kann (sofern man sich verwandeln und heilen lassen will) - und davon sind die Betroffenen ja keineswegs ausgeschlossen. Das betrifft vor allem jene, deren (irrendes) Gewissen sie von einer Verfehlung frei glaubt, die man aber objektiv nicht zu den Sakramenten zulassen kann.

Ein Gedanke, der auch in einer neuen theologischen Bewertung des Problems der Zulassung von Geschiedenen-Wiederverheirateten von acht amerikanischen Theologen, sieben davon aus dem Predigerorden (ich wünschte mir solch ein Engagement aus den deutschsprachigen Provinzen), zumindest am Rande anklingt:

"Sie [die Geschieden-Wiederverheirateten - Anm.] sollten jedoch ermutigt werden, nach der Vereinigung mit Christus zu verlangen und um die Gnade zu beten, ihm ihr Leben anzugleichen. Die Teilnahme an der Messe wird ihnen weg von der Sünde und hin zum neuen Leben in Gott und in der Kirche helfen. Eine vorzeitige sakramentale Kommunion würde sie nur daran hindern, zu einer wahren und vollkommenen geistigen Gemeinschaft mit Christus zu gelangen."

Die komplette Schrift, die u.a. demnächst im thomistischen Magazin Nova & Vetera  veröffentlicht wird, gibt es bereits hier als PDF zu lesen.
 

O Licht der Welt und glänzende Perle - Fest der hl. Maria Magdalena

...du hast durch die Verkündung der Auferstehung Christi den Titel Apostelin der Apostel verdient, Maria Magdalena, sei immer unsere liebevolle Fürsprecherin bei Gott, der dich erwählt hat.

O mundi lampas et margarita praefulgida, quae resurrectionem Christi nuntianto Apostolorum Apostola fieri meruisti, Maria Magdalena, semper pia exoratrix pro nobis adsis ad Deum, qui te elegit. 
(Benedictus-Antiphon im Eigenritus der Dominikaner)

Die hl. Maria Magdalena gehört zu den größten Frauengestalten des Neuen Testamentes. Deswegen verwundert es kaum, dass ihr von Volk und Klerus stets größte Verehrung zukam. Die Dominikaner haben sich ihr besonders geweiht, sie gilt als "Beschützerin des Ordens".
Natürlich spiegelt sich der Magdalenenkult auch in der Liturgie wieder - die Zahl der Hymnen, Antiphonen usw. ist so groß, dass mir die Auswahl schwer fällt. Ich habe mich nun für den Laudes-Hymnus Summi Parentis Unice aus der Feder Odos von Cluny entschieden, der sich in der zitierten Form im Römischen Brevier wiederfindet. Die deutsche Übersetzung stammt aus "Die Hymnen des Breviers" von Adalbert Schulte, Paderborn 1920.

O eingeborener des höchsten Vaters,
schau auf uns mit gnädigem Antlitze,
der Du zur Burg der Herrlichkeit beriefst
das reumütige Herz Magdalenas.

Summi Parentis Unice,
Vulto pio nos respice,
Vocans ad arcem gloriae,
Cor Magdalenae poenitens.

Die verlorene Drachme ist wieder aufgenommen
in die königliche Schatzkammer,
und die Perle, vom Schmutz befreit,
überstrahlt an Glanz die Gestirne.

Amissa drachma regio
Recondita est aerario,
Et gemma, deterso luto,
Nitore vincit sidera.

O Jesu, Heilmittel der Wunden,
einzige Hoffnung der Reumütigen,
durch die Tränen Magdalenas
wasche auch uns von Sünden rein.

Jesu, medela vulnerum,
Spes una poenitentium,
Per Magdalenae lacrimas
Peccata nostra diluas.

O gütigste Mutter Gottes,
führe uns beklagenswerte Nachkommen Evas
aus den unzähligen Fluten des Lebens
zu dem Rettungshafen.

Dei Parens piissima,
Hevae nepotes flebiles
De mille vitae fluctibus
Salutis in portum vehas.

Ruhm sei dem einzigen Gott
für die vielfältige Gnade,
der die Vergehen nachläßt
und Belohnungen verleiht. Amen.

Uni Deo sit gloria,
Pro multiformi gratia,
Peccantium qui crimina
Remittit, et dat praemia.
Amen.

Die zweite Strophe orientiert sich besonders an den Gleichnissen Christi: Von der Frau mit der verlorenen Drachme (Lk 15,8) und dem Kaufmann, der gute Perlen suchte (Mt 13,45f).

Zum Abschluss noch etwas für die Freunde der vergleichenden Liturgiewissenschaft.

Kollekte in der neuen Messordnung:
Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus,
die heilige Maria Magdalena
durfte den Auferstandenen sehen
und als Erste den Jüngern die österliche Freude verkünden.
Gib auf ihre Fürsprache auch uns den Mut,
zu bezeugen, dass Christus lebt,
damit wir ihn einst schauen in seiner Herrlichkeit,
der in der Einheit des Heiligen Geistes
mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.

Kollekte in der alten Messordnung:
Wir bitten, o Herr: 
mögen uns zu Hilfe kommen die Fürbitten der hl. Maria Magdalena,
durch deren Flehen bewogen Du ihren Bruder Lazarus,
der schon vier Tage im Grabe lag,
von den Toten zum Leben erwecktest:
der Du lebst...

Beatae Mariae Magdalenae, quasumus, Domine, suffragiis adjuvemur: cujus precibus exoratus, quatriduanum fratrem Lazarum vivum ab inferis resuscitasti. Qui vivis.

Kollekte im Eigenritus der Karmeliten und Dominikaner:
Schenke uns, gütigster Vater,
daß die selige Maria Magdalena,
so wie sie durch ihre übergroße Liebe 
zu unserem Herrn Jesus Christus
Verzeihung ihrer Sünden erhielt,
so uns bei Deiner Barmherzigkeit 
ewige Glückseligkeit erwirke.
Durch den selben Jesus Christus...

Largire nobis, clementissime Pater: ut sicut beata Maria Magdalena, Dominum nostrum Jesum Christum super omnia diligendo, suorum obtinuit veniam peccatorum, ita nobis, apud misericordiam tuam, sempiternam impetret beatudinem. Per eumdem...


An dieser Stelle meine besten Wünsche an alle, die heute ihr Namenspatrozinium feiern. 

Montag, 21. Juli 2014

Präfation am Fest des hl. Propheten Elias

Letzten Monat ging es hier schon einmal um die Heiligen des Alten Bundes. Zum gestrigen Fest des Propheten Elias hat die Neue Liturgische Bewegung einen interessanten Beitrag verfasst. Ich ergänze mit der Eigenpräfation aus dem Karmlitenritus:

Wahrhaft würdig ist es und recht, billig und heilsam, dass wir immer und überall Dir danken, heiliger Herr, allmächtiger Vater, ewiger Gott und dass wir Dich am Feste des seligen Elias, Deines Propheten und unseres Vaters jubelnden Herzens loben, preisen und benedeien. Er ist auf Dein Wort hin wie das Feuer aufgestanden, hat den Himmel verschlossen gehalten, Tote auferweckt, Tyrannen geschlagen, Gottesräuber getötet und den Grund des klösterlichen Lebens gelegt. Er wurde durch den Dienst eines Engels mit Speise und Trank gestärkt und wanderte in der Kraft jener Speise zum hl. Berg. Er wurde in einer Feuerwolke hinweggenommen und wird als Vorläufer der zweiten Ankunft unseres Herrn Jesu Christi kommen. Durch Ihn loben Deine Majestät die Engel und Erzengel...
Vere dignum et justum est, aequum et salutare, nos tibi semper et ubique gratias agere: Domine sancte Pater omnipotens aeterne Deus: Et te in Solemnitate beati Eliae, Prophetae tui et Patris nostri, exsultantibus animis laudare, benedicere et praedicare. Qui in verbo tuo surrexit quasi ignis, caelum continuit, mortuos excitavit, tyrannos percussit, sacrilegos necavit, vitaequae monasticae fundamenta constituit. Qui pane ac potu, angelico ministerio, refectus, in fortitudine cibi illius usque ad montem sanctum ambulavit. Qui raptus in turbine ignis, Praecursor est venturus secundi adventus Jesu Christi Domini nostri. Per quem majestatem tuam laudant Angeli atque Archangeli...
(zitiert nach "Missale der Beschuhten Karmeliten, lateinisch und deutsch, herausgegeben im Anschluß an das von den Mönchen der Erzabtei Beuron herausgegebene vollständige Römische Meßbuch, von P. Gundekar Hatzold, O. Carm.", Straubing 1950 - die letzte typische Edition des Missale wurde 1935, das vollständige Brevier 1938 approbiert)
        

Sonntag, 20. Juli 2014

Geben ist seliger

Vor kurzem wurde ich beim Besuch einer größeren Stadt wieder mit einer unangenehmen Sache konfrontiert, die sicherlich auch andere Christenmenschen tangiert: Wie umgehen mit den allgegenwärtigen Bettlern? Egal nun ob mit einem kleinen Schild, singend, mit fehlenden Gliedmaßen, still oder aufdringlich. Eine Variante habe ich jetzt erst kennengelernt. Mir lief eine junge Frau von einer Kirche in die nächste hinterher, sprach mich schließlich an, klagte mir ihr Leid und bat mich um einen Vorschuss, damit sie ihre Miete bezahlen kann.

Im ländlichen Raum groß geworden, wo man sich der Armut schämte und diese zuweilen lieber versteckt hielt, als Hilfe in Anspruch zu nehmen, begegnete mir die Bitte um Almosen auch nur bei unregelmäßigen Besuchen größerer Ortschaften. Meine Eltern, die nun sicher keine lieblosen Leute sind und am eigenen Leibe wesentlich mehr Armut erfahren haben als ich, erzogen mich eher in die Richtung, dass man "Bettlern nichts gibt" - schließlich könnten sie ja auf ehrliche Weise Geld verdienen oder zumindest staatliche Leistungen in Anspruch nehmen.
Es stimmt sicherlich, dass sich die Beziehung zwischen Obrigkeit bzw. staatlicher Gemeinschaft und den Armen und Niedrigen seit der Verfassung der göttlich inspirierten Schriften, ja selbst in den letzten fünfzig Jahren enorm verändert und verbessert hat. Ein Ausgleich der Besitzverhältnisse, den Pius XI. in seiner Sozialenzyklika Quadragesimo anno forderte, hat in den Ländern deutscher Zunge insofern stattgefunden, als dass niemand mehr elementarste Not leiden sollte. Das wurde nicht zuletzt auch erst durch die großen Fortschritte in Medizin, Industrie- und Agrarwesen möglich.
Nun könnte man also sagen, das Betteln sei gar nicht mehr nötig. Und doch gibt es die Bettelnden. Eine Erklärung dafür ist schnell zur Hand: Es sind die Faulen, die Asozialen und Unehrlichen, sie sind in Banden organisiert oder werden von diesen ausgebeutet.

Soweit die Erklärung der Welt. Und vermutlich ist da auch etwas Wahres dran.

Ich selbst bin der Meinung, dass man die Armut der Menschen nicht an ihrem materiellen Besitz (auch in potentia) messen kann. In der hl. Schrift und den Heiligenviten werden die Armen nicht mit der Frage konfrontiert, warum sie denn arm seien. Ihnen wird gegeben. Nun könnte man historisierend sagen, dass die Bettler, die Verkrüppelten, die Armen dieser Zeit wirklich arm dran waren, ihnen stand kaum ein Weg zu Sozialinstitutionen offen (und den Besitzenden wurde dafür keine oder wenig Steuer abgeknöpft).
Aber: Soll der Herr unser Gott nicht gewusst haben, wie sich die Zeiten ändern? Ein weiteres Gebot, welches nicht mehr zeitgemäß ist? Und vor allem: Steht uns ein Urteil über die Armut anderer zu?

Daher glaube ich, dass jene, die sich zum Betteln genötigt sehen, wirkliche Not erleiden, gleich welcher Art. Und dass Ihnen auch ein Almosen gegeben werden kann, ggf. gegeben werden sollte, und zwar willig, nicht ärgerlich (Deut 15,10); ohne einen Gedanken daran, wie nun die Spende verwendet werden mag. Natürlich muss man auch im Almosengeben Klugheit üben, so ermahnen uns schon die frühchristlichen Autoren, aber wir können uns nicht als Richter über andere stellen. Wenn wir um der Liebe Willen geben, dann können wir schwerlich irgendetwas falsch machen, irgendeinen Schaden anrichten. Vielleicht helfen wir jemanden, der es wirklich nötig hat, wir befolgen dem Gebote Christi und wir gewöhnen uns daran, unseren eigenen Besitz geringzuschätzen. Zeitgleich können wir dankbar sein für die vielen Güter, mit denen der Herr uns beschenkt; außerdem sehen, wie schnell wir selbst geistlich und körperlich arm sein können und wo allein wir einen bleibenden Schatz haben.


In diesem Beitrag ging es nun vor allem um das Almosengeben. Natürlich gibt es zahlreiche weitere Werke der geistlichen und leiblichen Barmherzigkeit, die noch wichtiger sind und uns auch noch wesentlich schwieriger fallen. Papst Franziskus möchte uns an die Peripherie schicken, doch die ist meistens viel näher, als wir glauben. Tatsächlich sind wir oftmals am meisten blind für Gelegenheiten zur tätigen Nächstenliebe, wo sie uns täglich in vielen Formen entgegenspringt. Herr, öffne uns die Augen.


Donnerstag, 17. Juli 2014

Auch infulierte Äbte

...brauen! Bislang hatte ich den Eindruck, dass sich in neuerer Zeit hauptsächlich Bettelmönche dieser Kunst widmen.
(Ein Ausflug gibt mir Gelegenheit, mal die Blogger-Applikation für Mobilgeräte zu testen. Da ich ich weder so fähig, noch so ausgerüstet wie mein Kollege Andreas bin, der nicht nur die Orgel, sondern auch den Heimatfotographen der südwestdeutschen Kirchspiele spielt [erstere bisweilen auch tritt oder schlägt], begnügen ich mich mit bescheideneren Motiven.)


PS: Leider ist dieser Test grandios gescheitert - ich konnte den Beitrag nicht mobil veröffentlichen. Es lag vermutlich am nicht so hochprozentigen, aber dafür hochpixeligen Bild, welches das Programm nicht schlucken wollte.

Nachgereicht: Präfation von der allerseligsten Jungfrau vom Berge Karmel


Es ist in Wahrheit würdig und recht, billig und heilsam, Dir immer und überall Dank zu sagen, heiliger Herr, allmächtiger Vater, ewiger Gott: Du hast in einer leichten Wolke, die vom Meere aufstieg, die unbefleckte Jungfrau Maria dem seligen Propheten Elias wunderbar vorbedeutet, und gewollt, dass ihr von den Prophetenschülern Verehrung erwiesen wurde. Würdige Dich nun, die, welche die selige Jungfrau durch das heilige Skapulier als Kinder der Liebe angenommen hat, wenn sie damit bekleidet fromm sterben, alsbald auf Deinen heiligen Berg zu führen. Darum singen wir mit den Engeln und Erzengeln...
(aus dem Missale der Beschuhten Karmeliten) 

Montag, 14. Juli 2014

Der ist aber groß geworden...


Eine angeheiratete Verwandte, die sich scheiden ließ und (zivil) eine neue Ehe einging, machte sich fortan mit ihrem alten und neuen angenommenen Nachnamen bekannt: "Früher Groß, heute Klein."
Beim Denzinger ist es genau umgekehrt. Der ist mit der Zeit ziemlich groß und dick geworden. Gut, eine Sprache hat er dazugelernt, aber trotzdem...

Bis zum goldenen Bändchen das Magisterium von 33-1962 n.Chr.,
bis zum weißen Bändchen von 1962 bis heute

PS: Übrigens, nicht nur das Lehramt ist dick geworden. Auch bei den liturgischen Büchern hat man ganz schön zugenommen, mal ganz abgesehen von der Multiplizierung der benötigten Bänder...

Sonntag, 13. Juli 2014

Und sie ist doch unfehlbar!

In einem der ersten Beiträge auf diesem Blog drehte es sich um die Unfehlbarkeit der Heiligsprechungen durch den Römischen Pontifex, die ich gegen Roberto de Mattei verteidigte. Heute haben die Kollegen von Rorate Caeli ein Interview mit Bischof Guiseppe Sciacca von der Apostolischen Signatur veröffentlicht, welches mir so schräg erscheint, dass ich mir einen weiteren Kommentar nicht verkneifen kann.

Exzellenz Sciacca gibt zunächst ganz korrekt die vorherrschende Meinung bezüglich der Unfehlbarkeit von Heiligsprechungen wieder - nämlich, dass Heiligsprechungen unfehlbar sind. Ein absolut unglaubliches Novum ist aber, was er darauf sagt: eine Kanonisation kann nach den Maßstäben der dogmatischen Konstitution Pastor aeternus des 1. Vatikanischen Konzils nicht als unfehlbar angesehen werden.
Zugegeben, der Bischof spricht hier eine interessante Materie an, die in der Mitte des letzten Jahrhunderts heiß diskutiert wurde. Ich bediene mich eines eleganten Satzes einer der damaligen Disputanten, Mons. Fenton: Wie kann eine theologische Schlussfolgerung, ein geschichtliche Tatsache (dogmatischer Fakt), eine Vernunftwahrheit oder eine Kanonisation in "den Stoff der göttlichen Offenbarung" eingewebt werden?
Das Problem sollte ins Auge springen. Wir glauben mit göttlichen Glauben an die Dinge, die von Gott geoffenbart worden sind, wie steht es aber nun mit den Dingen, die uns Gott zwar nicht direkt offenbart hat, aber in einem engen Zusammenhang mit der Offenbarung stehen? In meinem oben erwähnten Beitrag zum Thema habe ich bereits erwähnt, dass im Zuge der jansenistischen Kontroversen und deren Sophistereien im 17. Jahrhundert für diesen Glaubensbereich der Begriff des kirchlichen Glaubens (fides ecclesiastica) eingeführt wurde. Das beste Beispiel dürfte da das dogmatische Faktum eines Papsttums sein. Sciacca führt unter anderem die Definition der Unbefleckten Empfängnis durch Pius IX. an, aber um die Unfehlbarkeit dieser Definition sicherstellen zu können, müssen wir zunächst die unfehlbare Sicherheit haben, dass Pius IX. Papst ist - und dies ist nicht in der Offenbarung enthalten!
Kommen wir wieder auf die Heiligsprechungen zurück, denn hier verhält es sich sehr parallel. Die Heiligkeit irgendeiner Person, die nach den Geschehnissen des Neuen Testamentes gelebt hat, ist der Kirche nicht durch Offenbarung an die Apostel bekannt. Deswegen werden die Kanonisationen wie alles oben genannte gerne zum kirchlichen Glauben oder auch zum sekundären Objekt der päpstlichen Unfehlbarkeit gezählt.

Nach dieser Unterscheidung sei aber sicherheitshalber nochmals erwähnt, dass wir nicht auf der einen Seite einen sicheren göttlichen Glauben, auf der anderen Seite einen unsicheren kirchlich-menschlichen Glauben haben. Unser Glaube an die Dinge, die uns von der Kirche als unfehlbar vorgestellt werden ist von Gott garantiert ("Wer euch hört [d.h., die hierarchische Kirche], der hört mich." Lukas 10:16) wie auch unser Glaube an die von Gott selbst geoffenbarten Wahrheiten.

Nun ist der Begriff des kirchlichen Glaubens nicht ganz unumstritten. Die Gegner dieser Theorie sind der Meinung, dass die diesen Bereich betreffenden Fakten in den von Christus offenbarten allgemeinen Prinzipien implizit enthalten sind, diese also wirklich mit göttlichen und katholischen Glauben geglaubt werden können. Der Vertreter des kirchlichen Glaubens sagen, diese Dinge seien nur virtuell und nicht implizit geoffenbart, und der Glaube, den wir ihnen entgegenbringen, beruht auf dem göttlichen Versprechen der Unfehlbarkeit (sic!) seiner Kirche.
Vielleicht wird es so noch einmal etwas klarer: die Gegner des fides-ecclesiastica-Konzeptes führen an, dass alles, was von Gott offenbart wurde, mit göttlichem Glauben geglaubt werden kann. Nun ist es aber von Gott offenbart, dass das Urteil der Kirche, wenn sie irgendetwas mit höchster Autorität definiert, unfehlbar wahr ist. Also kann das Urteil der Kirche, das irgendetwas als unfehlbar wahr entscheidet, mit göttlichem Glauben geglaubt werden.

Auch hier weise ich nochmal ganz entscheidend darauf hin, dass egal welche Seite man in diesem Streit bezieht, beide die Unfehlbarkeit der kirchlichen Lehrentscheidungen in den Dingen, die allgemein unter das sekundäre Objekt der Unfehlbarkeit gezählt werden, nicht bestreiten.
Aus dem vorangegangenen sollte klar geworden sein, dass dieses Statement vollkommen falsch ist: "Canonization, which everyone admits does not derive directly from faith is never an actual definition relating to faith or tradition…"
Im Gegenteil, die Heiligsprechung steht immer im Bezug zu Glauben, Tradition und Moral. Manche Theologen sagen sogar, dass es Glaubenssache ist. Pater Marina-Sola, der Wortführer der fides-ecclesiastica-Gegner aus dem Predigerorden wurde von einem Bekannten von mir mal wie folgt zusammengefasst:
1. Nach allen oder fast allen Theologen ist es wahrhaft geoffenbart, dass "die Kirche in der Kanonisation der Heiligen unfehlbar ist", oder, in anderen Worten, in der Kanonisation eines jeden Heiligen. 
2. Es ist geoffenbart, dass jeder von der Kirche kanonisierte Heilige unfehlbar ein Heiliger ist und unfehlbar im Himmel ist.
3. Es ist geoffenbart dass jeder Heilige, wenn die Kirche ihn kanonisiert, unfehlbar heilig bzw. unfehlbar im Himmel ist. 
4. Die Kirche hat den hl. Ignatius kanonisiert. 
5. Also ist es geoffenbart, dass er im Himmel ist. 

Nun ist dieser Beitrag ganz schön lang geworden. Ich würde eigentlich gerne noch mehr zu dem schreiben, was der römische Prälat noch so alles sagt - meinem Empfinden nach schwächen die angeführten Argumente seine Position nur, anstatt sie zu stärken. Es bleibt mir aber zu sagen, dass ich Sciaccas ganze Argumentation und sein Anliegen für eine Verfälschung der traditionellen Lehre halte und sein Vorschlag bezüglich einer Änderung der Kanonisationsformel geradezu einer Täuschung des Kirchenvolkes gleichkommt und zu großen Unklarheiten führen würde. Man könnte zunächst meinen, was er als "Sicherheit" in Heiligsprechungen bezeichnet, sei eigentlich das sekundäre Objekt der Unfehlbarkeit. Wenn er aber erschreibt, dass Fehler in Heiligsprechungen "selten oder gar nie" passiert sind, lässt sich das schwerlich gleichsetzen. Ich kann die gleiche Frage wie vor Wochen bei Mattei stellen: Ist die Kirche heilig oder nicht? Ist der Glaube sicher oder nicht? Eine Kirche, die selten und vielleicht auch gar nicht irrt brauch wahrlich niemand.
Die Heiligsprechung durch den Hl. Vater muss unfehlbar sein, denn sie ist untrennbar mit der rechten Lehre und der Heiligkeit der Kirche und des Gottesdienstes verquickt. Exzellenz sollte vielleicht an die Worte Billuarts denken, der schreibt, wird ein Heiliger kanonisiert, „er also in die Liste der Heiligen eingefügt wird, so wird er im öffentlichen Gebet der Kirche angerufen, in seinem Gedächtnis werden Tempel Gottes errichtet, das (Mess-)Opfer wird dargebracht, die Stundengebete rezitiert, Festtage gefeiert, sein Bild mit dem Strahlenschein verziert, der seine Herrlichkeit darstellt, und seine Reliquien werden öffentlich verehrt.“

Das Buch des Monats: Aus Liebe und Treue zur Kirche

Das Bloggen ist mir in den letzten Wochen irgendwie etwas schwer gefallen. Gerne würde ich den eingebrochenen Sommer vorschützen, aber auch der tut sich, zumindest in meinen Breitengraden, ebenfalls noch ziemlich schwer. Deswegen nun erst mit einiger Verspätung das Buch zum Monat.
Die Wahl fiel mir gar nicht so leicht. Vielleicht auch, weil einer meiner Lieblings-Blogozesanen augenzwinkernd forderte, ich solle doch mal das Buch eines neuen und angesagten Theologen vorstellen. Zugegeben, da habe ich in meiner bescheidenen Bibliothek keine so große Auswahlmöglichkeit, was Autoren angeht, die nicht schon vor mindestens 50 Jahren in die Ewigkeit gegangen sind. Grund dafür ist sicher nicht nur die, wohlwollend ausgedrückt, wenig interessante teutsche Universitätstheologie, sondern ganz bestimmt auch eine gewisse Betriebsblindheit, die einem Alte-Messe-Molch schon manchmal so zu eigen ist.

Die Molchsaugen geöffnet hat mir, zumindest ein klein wenig, die deutsch-italienische Theologin Alexandra von Teuffenbach. Der ein oder andere Leser wird sie sicher schon kennen - das ist die, die mit ihrer Dissertation über die Bedeutung des subsistit in für Furore gesorgt hatte. Eine kurze Zusammenfassung dieser und ihrer bis heute andauernden Arbeiten bietet das Opusculum "Aus Liebe und Treue zur Kirche - Eine etwas andere Geschichte des Zweiten Vatikanums" aus dem Morus-Verlag.

Worum geht es also? Es handelt sich eigentlich um eine Artikelreihe, die in der Tagespost erschienen ist und die sich vor allem mit der Geschichte, den Hauptpersonen und ganz besonders der Interpretation des 2. Vatikanums auseinandersetzt. Leider ist so ziemlich alles, was man so über das Zweite Vatikanische Konzil liest, ziemlich tendenziös. Entweder ist es das Überkonzil, welches mit seinem Geist alles vorhergehende hinwegfegt, oder aber eine (quasi-)häretische Räubersynode - die dann wieder, je nach Gusto, ihre heterodoxe Lehre entweder bindend oder auch nicht ("Pastoralkonzil") verkünden wollte.
Alexandra von Teuffenbach geht als gelernte Archivarin anders an die Sache. Und das ist so erfreulich wie erfrischend. Denn bei aller Erziehung zum kritischen Denken, sapere aude, fährt man bei der Arbeit mit dem Konzil ausgesprochen eingleisig und dogmatisch. Basis ihrer Konzilsinterpretation ist nicht wie so häufig das Tagebuch Yves Congars, die Arbeiten Karl Rahners und insbesondere nicht das Standardwerk "Geschichte des zweiten Vatikanischen Konzils" von Guiseppe Alberigo, welches wiederum auf Congars Tagebuch basiert. Teuffenbach bedient sich der Primärquellen, den Acta et Documenta und Acta Synodalia, als auch bisher unveröffentlichter Bücher wichtiger, jedoch kaum beachteter Konzilsakteure wie Sebastian Tromp und Otto Semmelroth.
In dem Büchlein des Monats geht es aber nicht nur um die "konservativen" Kreise, sondern auch um so bekannte und einflussreiche Personen wie Kardinal Bea, Kardinal Frings und Karl Rahner. Dabei schreibt die Theologen äußerst ausgewogen und geht mit niemandem ins Gericht.

Ich denke, Alexanda von Teuffenbachs Werke sind äußerst interessant für jene, die sich mal aus einer ungewohnten Sichtweise mit dem Konzil beschäftigen möchten. Die vorgestellte Schrift dient da vielleicht als Appetithäppchen, das Lust auf mehr macht.
Natürlich hat sich schon kurz nach der Veröffentlichung ihrer Dissertation heftiger Widerstand geregt. Nachvollziehen kann ich den in Teilen auch: Teuffenbach kritisiert die liberale Konzilsinterpretation, macht sich dann aber womöglich zu sehr eine Interpretation (so gut sie auch sei) zu eigen, die auch wieder nur auf den Ansichten bestimmter Personen beruht. Letzten Endes kann aber ein Konzil nur so interpretiert werden, wie es von der Kirche verstanden wird. Da aber meiner Meinung nach die Kirche hier noch lange nicht überall ein Machtwort gesprochen hat, ist das Erforschen der Quellen nach möglichen Auslegungen würdig und recht.

"Aus Liebe und Treue zur Kirche - Eine etwas andere Geschcihte des Zweiten Vatikanums", Morus-Verlag Berlin 2004 (150 Seiten; ISBN 3-87554-398-X)

Samstag, 12. Juli 2014

Frömmer als man glaubt

Der Patriarch Sarto von Venedig antwortete in einem Brief über die Kirchenmusik vom 1. Mai 1895 jenen, die meinten, das Volk finde keinen Gefallen mehr an den gregorianischen Melodien, sie seien eine für die heutige Zeit vollkommen unangemessene Form der Musik, folgendermaßen:

"Ob etwas gefällt oder nicht, war noch nie das richtige Kriterium für die Beurteilung sakraler Dinge; das Volk soll nicht in unrichtigen Auffassungen bestärkt, sondern erzogen und belehrt werden. Ich wage zu behaupten, dass man den Begriff 'Volk' missbraucht. Denn das Volk ist in Wirklichkeit weit ernster und frömmer, als man für gewöhnlich glaubt; es findet Gefallen an der Kirchenmusik und besucht gern die Kirchen, wo solche geboten wird."
(zitiert nach Der Heilige Papst Pius X. von H. Dal-Gal, OFM Con., S. 243 Fußnote 1)

Freitag, 11. Juli 2014

Was wir mit dem Munde bekannt haben...

Beim Lesen der Kollekte vom hl. Mönchsvater Benedikt im monastischen Stundenbuch kam mir ein Beitrag vom Blog gegenüber in den Sinn. Man lese selbst:



O Gott, 
Dir hat es gefallen, Deinen seligsten Bekenner Benedikt 
mit dem Geist aller Gerechten zu füllen;
gewähre uns, Deinen Dienern,
die sein Fest begehen,
dass wir, mit seinem Geist erfüllt,
das treu erfüllen,
was wir Dir versprochen haben.

Donnerstag, 10. Juli 2014

Die Anziehungskraft Gottes

"Mit der Liebe verhält es sich wie mit einem Bonbon", sagte mir einmal jemand, "je länger man daran lutscht, desto weniger wird sie."
Als Romantiker will mir dieses Wort nicht so recht schmecken, aber sei es mal dahingestellt, wie es nun mit der rein menschlichen Liebe bestellt ist, mit der Liebe Gottes - für uns - aber auch mit unserer Gottesliebe sollte das ganz anders sein. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass die niemals ausgelutscht ist, so sehr ich sie auch manchmal aus eigener Schwäche verworfen habe, sie den Stürmen des Zweifels, der Leidenschaften, der Verzweiflung ausgesetzt war.

Wenn wir an die Heiligen denken, so wird uns wahrscheinlich sofort deutlich, dass ihre Liebe niemals abnahm, sondern sie im Laufe ihres Lebens immer eifriger, immer vollkommener wurde. Der hl. Thomas (Kommentar zum Hebräerbrief, 10, xxv) erklärt das so: Wie der Stein umso schneller fällt, je mehr er sich der Erde nähert, die ihn anzieht, ebenso müssten die Seelen um so schneller zu Gott gehen, als sie sich Ihm nähern und Er sie stärker anzieht.
Wenn das Gesetz der Beschleunigung in der Natur wie in der Gnade gilt, kommt mir beim Begriff der Gottesnähe vor allem die Kommunion in den Sinn. War meine letzte Kommunion eifriger als die vorhergehende? Falls nicht, dann habe ich einige Unvollkommenheiten aus dem Weg zu räumen, die den Weg zum Fortschritt in der Heiligkeit versperrten...

Alle erfreuen sich

Die ganze Menge der Gläubigen erfreue sich 
an der Herrlichkeit unseres geliebten Vaters Benedikt:
vor allem aber die Armee der Mönche sei froh
die auf Erden das Fest dessen begeht
mit dem im Himmel die Heiligen frohlocken.

(Magnificat-Antiphon zur 1. Vesper vom Fest des hl. Benedikts im monastischen Brevier)


Sonntag, 6. Juli 2014

Von Psalm 51 und einem nackten Mädchen

König David übergibt Urias
den an Joab adressierten Brief
Nach dem Empfang des Sakramentes der Buße und Versöhnung bete ich manchmal gerne die Bußpsalmen. Kürzlich hat mich Psalm 51 ganz besonders beeindruckt und zum Nachdenken angeregt.
Dieser Psalm wird nicht ohne Grund auch als "Psalm der Psalme" bezeichnet, und zumindest die Alte-Messe-Molche singen allsonntäglich Vers 9 und 3: "Besprenge mich mit Ysop, dass ich rein werde, wasche mich, dass ich weißer werden als Schnee! Erbarme dich meiner, o Gott, nach Deiner großen Barmherzigkeit." Abgesehen vom Gebet des Herrn wurde keine Schriftkomposition so oft von der Kirche wiederholt. In älteren Zeiten schloss jede Hore des Stundengebetes mit diesem Psalm. Und warum das? Weil es kaum ein Mysterium des Glaubens gibt, welches sich nicht in diesem Gesang findet: Die Fleischwerdung, die Berufung der Heidenvölker, die Erbsünde und individuelle Sünde, die Wirkung der Predigt, die Gnade, die Sühne, die Einsetzung der Kirche und die Sendung des Heiligen Geistes.
Natürlich denken wir vor allem auch an den Bußgeist Davids. Beda schreibt, dass selbst die größten Heiligen in die schlimmsten Sünden fallen durften, und ihre Fehler und Buße in der Schrift festgehalten wurden, damit wir arme Kreaturen, die wir so fern von den Heiligen sind, zur Vorsicht angehalten sind und in deren Bekehrung selbst ein Beispiel und die Hoffnung auf Leben haben. "Doch", so derselbe Beda, "selbst die bösen Taten der Heiligen zeichnen das Mysterium der Erlösung." Ein Gedanke, der mir zumindest oft abhanden kommt, den christlichen Vorvätern aber so scheinbar ganz ohne Mühe und Anstrengung am allernächsten liegt. Natürlich kann man sich mit dem Sünder identifizieren, sich ein Beispiel nehmen an seiner Umkehr. Doch in seinen "bösen Taten" das Heilswerk Christi zu finden, fiele mir selbst wahrscheinlich kaum ein.
So ganz anders die mittelalterlichen Allegorien. Hier ein Beispiel aus den Werken Hildeberts, das vielleicht gleich in mehrfacher Hinsicht auf den modernen Leser anstößig wirken mag:

Bethseba ist das Gesetz; König David, Christus; Urias, der Jude; 
- das nackte Mädchen gefällt dem König,
das nackte Gesetz gefällt Christus ohne Bekleidung des Bildes;
der es den Juden nimmt und sein eigen macht.
Der Mann [Urias] will nicht in das Haus eintreten, 
noch tritt das Volk Israel in den geistlichen Sinn ein.
Die Schrift haltend, stirbt durch die Schrift der betrogene Urias;
und so geht auch der Jude mit der Schrift zu Grunde.