Donnerstag, 1. Mai 2014

Was wäre nur aus der Liturgie geworden?


"An die Stelle der Weiterbildung des Vorhandenen ist die juristisch-kasuistische Umschreibung des einmal Festgelegten getreten, für die nun ein besonderer Wissenszweig ausgebildet wurde, die Rubrizistik. Man hat darum die mit Pius V. beginnende Periode der Liturgiegeschichte als Epoche des Stillstandes oder der Rubrizistik gekennzeichnet.
Es ist nun schwer zu sagen, ob dieser Zustand, in der Zeit, die nun zunächst folgte, wirklich ein Unglück war. Was wäre aus der römischen Liturgie geworden, wenn die verschiedenen irenischen Richtungen den Anschluß an die Entwicklungswege des protestantischen Gottesdienstes gesucht hätten oder wenn das schaffensfrohe Zeitalter des Barock nach seinem Geschmack die Messe hätte gestalten dürfen!"

Josef Andreas Jungmann, SJ, "Missarum Sollemnia" Band I , Wien 1962, S. 187 (meine Hervorhebung)

Kommentare:

  1. 40 Jahre nach der Liturgiereform kann man witzigerweise auch zum gegenteiligen Schluss kommen: Während vorher die Liturgie in einem gewissen stetigen "Fluss" war, die immer wieder Anpassungen und Veränderungen kannte, die zudem in vielen Diözesen durch Eigenriten bereichert wurde, herrscht nunmehr seit 40 Jahren uniformer Stillstand (das Privatvergnügen, die Liturgie nach gusto zu zerhackstückeln, ist hier nicht gemeint)... und man bemüht sich auch nach Kräften, dass es so bleibt, wenn man etwa den letzten Freiburger Ungehorsamsaufruf zu dem Thema bedenkt: klick.

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  2. Stimmt, eine interessante Beobachtung. Ob wir das neue deutsche Messbuch wohl noch in unseren Tagen erleben dürfen...?

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