Dienstag, 6. Mai 2014

DK-Nr. 3: Das Leben und der Denzinger

Angeregt durch den jüngsten Geistbraus eine kleine Blütenlese des apostolischen Lehramtes zum Leben:




Eine umfassende und komprimierte Lehre über das Leben verfasste Pius XI. in seiner Enzyklika „Divini Redemptoris“: 

„Dem Menschen wohnt eine geistige und unsterbliche Seele inne; und ebenso wie er eine vom höchsten Schöpfer mit ganz wunderbaren Gaben des Leibes und des Geistes ausgestattete Person ist, so kann er nach der Auffassung der alten Schriftsteller tatsächlich ein Mikrokosmos genannt werden, (und zwar) aus dem Grunde, weil er die Unermeßlichkeit unbeseelter Dinge bei weitem übertrifft und überragt. Nicht nur in diesem sterblichen Leben, sondern auch in dem ewig fortdauernden ist ihm das höchste Ziel einzig Gott; und weil er durch die Heiligkeit bewirkende Gnade zur Würde der Gotteskindschaft erhoben wurde, wird er im mystischen Leibe Jesu Christi mit dem göttlichen Reich verbunden. Folgerichtig hat ihm die himmlische Gottheit vielfältige und verschiedene Gaben zugeteilt, wie die Rechte auf Unversehrtheit des Lebens und des Leibes, wie die Rechte, sowohl die notwendigen Dinge zu erhalten als auch auf das ihm von Gott vorgegebene Ziel in gehöriger Ordnung hinzustreben...“i


„Das physische Leben ... ist nicht als das höchste Gut des Menschen anzusehen, der zum immerwährenden Leben berufen ist.“ii Dennoch ist „das erste (Recht) der menschlichen Person das Recht auf Leben“iii, da sich „gerade auf das physische Leben alle übrigen Güter der Person stützen und sich (von da aus) entfalten.“iv Zwar gibt es „noch andere Güter, von denen manche gewiß wertvoller sind, aber das Recht auf Leben ist die Grundlage und Bedingung der übrigen und daher mehr als die übrigen zu schützen.“v Das „unverletzliche Recht auf Leben eines jeden unschuldigen Menschen“ ist als eines der „grundlegenden sittlichen Güter zu betrachten“, weswegen es die Pflicht der öffentlichen Autorität ist, „daß das staatliche Gesetz entsprechend den grundlegenden Normen des Sittengesetzes gestaltet wird“, die den „natürlichen Erfordernissen der menschlichen Person und den ungeschriebenen Gesetzen entspricht, die vom Schöpfer in das Herz des Menschen eingesenkt worden sind.“vi Dieser Autorität steht es nicht zu, „dieses Recht den einen vorzubehalten, den anderen aber zu entziehen.“vii „Was ferner zum Leben selbst in Gegensatz steht, wie jede Art Mord, Völkermord, Abtreibung, Euthanasie und auch der freiwillige Selbstmord ... entwürdigt es mehr jene, die sich so verhalten, als jene, die das Unrecht erleiden“viii, solch eine Tötung ist „nach dem sittlichen Urteil immer schlecht und kann niemals für erlaubt gehalten werden, weder als Ziel noch als Mittel zu einem guten Zweck“, „sie stellt einen schweren Ungehorsam gegen das Sittengesetz dar, ja gegen Gott selbst, seinen Urheber und Beschützer; sie widerspricht außerdem der Grundtugend der Gerechtigkeit und der Liebe.“ix Leider aber hat sich die Wahrnehmung der Schwere dieses „besonders verwerflich[en] und verabscheuungswürdig[en]“x Verbrechens verdunkeltxi, und es ist als tiefe Krise des sittlichen Bewusstseins zu sehen, dass es für viele immer schwieriger wird, zwischen Gut und Böse zu unterscheiden.xii Die Nachfolger des Apostels Petrus konnten mehrfach in Gemeinschaft mit allen auf der Welt verstreuten Bischöfen die Tötung unschuldigen Lebens verurteilen, die Erklärung dafür, „welche sich auf das Naturgesetz und auf das geschriebene Wort Gottes stützt, [...] wurde von der Tradition der Kirche überliefert und vom ordentlichen und allgemeinen Lehramt dargelegt.“xiii Der seit jeher große Eifer des obersten Bischofs für das junge Leben zeigt sich in einem frühen Hirtenbrief: „[D]enn wenn ein Mörder ist, wer eine Leibesfrucht im Schoße durch Abtreibung vernichtet hat, um wieviel mehr wird sich (jener) nicht entschuldigen können, ein Mörder zu sein, der ein kleines Kind ... getötet hat?“xiv


Doch die Kirche hat nicht nur die Abtreibung, Euthanasie oder den Selbstmord stets als großes Übel verurteilt. Über Jahrhunderte hinweg betrachteten die Päpste die in Europa so lange bestehende Unsitte des Duellierens mit großer Sorge: „Beide göttlichen Gesetze, sowohl dasjenige, das durch das Licht der natürlichen Vernunft, als auch (jenes), das durch die unter göttlichem Anhauch verfaßte Schrift verkündet hat ... untersagen ferner, daß einer sein Leben leichtfertig preisgibt, indem er es schwerer und offenkundiger Gefahr aussetzt, obwohl keine Spur von Pflicht oder großherziger Liebe dazu rät; diese blinde, lebensverachtende Leichtfertigkeit aber wohnt der Natur des Duells eindeutig inne.“xvi Auch erklärt die ununterbrochene Tradition der Kirche, dass die weltliche Gewalt „ohne Todsünde ein Bluturteil vollstrecken kann, solange sie zum Vollzug der Strafe nicht aufgrund von Haß, sondern aufgrund eines richterlichen Urteils ... überlegt schreitet“xvii, gleichzeitig rät sie jedoch dazu, dass wenn irgend möglich, unblutige Mittel bevorzugt werden sollen.xviii


Letztlich ist für den Christen das physische Leben nur die Vorbedingung für das ewige Leben.


„Diesen Glauben erbitten die Katechumen vor dem Sakrament der Taufe nach der Überlieferung der Apostel von der Kirche, wenn sie den Glauben, der das ewige Leben verbürgt, erbitten, das der Glaube ohne Hoffnung und Liebe nicht verbürgen kann. Daher hören sie auch sogleich das Wort Christi: Wenn du zum Leben eingehen willst, halte die Gebote. Deshalb werden sie, wenn sie die wahre und christliche Gerechtigkeit empfangen, sogleich als Wiedergeborene geheißen, dieses gleichsam als bestes Kleid, das ihnen durch Christus Jesus anstelle von jenem geschenkt wurde, das Adam durch seinen Ungehorsam sich und uns verlor, leuchtend und makellos zu bewahren, damit sie es vor dem Richterstuhl unseres Herrn Jesus Christus tragen und das ewige Leben haben.“xix




i DH-Nr. 3771, 19. März 1937
ii DH-Nr. 4791, Instruktion der Glaubenskongregation „Donum vitae“, 22. Feb. 1987
iii DH-Nr. 4552, Erklärung der Glaubenskongregation „Quaestio de abortu procurato“, 18. Nov. 1974
iv Siehe ii
v Siehe iii
vi DH-Nr. 4807, siehe ii
vii Siehe iii
viii DH-Nr. 4327, 2. Vatikan. Konzil: Pastoralkost. „Gaudium et spes“, 7. Dez. 1965
ix DH-Nr. 4990, Johannes Paul II.: Enzykl. „Evangelium vitae“, 25. März 1995
x DH-Nr. 4991, siehe ix
xi Vgl. ebd.
xii Vgl. ebd.
xiii DH-Nr. 4992, siehe ix
xiv DH-Nr. 670, Brief „Consuluisti de infantibus“, zwischen 887 und 888
xv Siehe ix
xvi DH-Nr. 3272, Leo XIII.: Brief „Pastoralis officii“, 12. Sept. 1891
xvii DH-Nr. 795, Innozent III.: Brief „Eius exemplo“, 18. Dez. 1208
xviii Vgl. KKK 2267
xix DH-Nr. 1531, Konzil von Trient: Dekret über die Rechtfertigung, 13. Jan. 1547

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